Ein Leben voller Spiele, und dann?
Viele Nutzer haben über die Jahre Hunderte Spiele auf Steam gekauft. Ausgaben im hohen vierstelligen Bereich sind keine Seltenheit. Was geschieht mit diesen digitalen Sammlungen, wenn der Besitzer stirbt?
Kein Eigentum, nur eine Lizenz
Steam verkauft keine Spiele, sondern Nutzungslizenzen. Diese Lizenzen sind personengebunden und lassen sich nicht übertragen. Die AGB von Valve verbieten eine Vererbung, selbst per Testament.
Valves Geschäftsmodell und die Entstehung von Steam
Valve Corporation wurde 1996 von Gabe Newell und Mike Harrington gegründet. Der erste Erfolg war Half-Life (1998), später kamen Portal, Team Fortress 2 und Dota 2. 2003 startete Steam als reine Update-Plattform für Valve-Spiele. Heute zählt der Store über 50.000 Titel und mehr als 120 Millionen aktive Nutzer monatlich. Der geschätzte Umsatz 2023 lag bei rund 8,5 Milliarden US-Dollar. Dieses Geschäftsmodell basiert auf Lizenzverkäufen, nicht auf Eigentumsübertragung.
Kontozugriff ist der Schlüssel
Ohne Passwort und E-Mail-Zugang bleibt die gesamte Bibliothek für Erben gesperrt. Der Steam-Support gewährt nur in seltenen Fällen Zugriff, meist wenn ein gerichtlicher Beschluss vorliegt. Einige Nutzer berichten von erfolgreichen Kontaktaufnahmen mit dem Support, das sind jedoch Ausnahmen.
Die Rechtslage: Grauzone in Deutschland
Das deutsche Erbrecht erfasst digitale Vermögenswerte wie Gutscheine oder In-App-Käufe. Plattformbetreiber berufen sich jedoch auf ihre AGB. Eine eindeutige höchstrichterliche Entscheidung zu Steam gibt es nicht. Der Bundesgerichtshof entschied 2018, dass Facebook-Konten vererbbar sind (Az. III ZR 183/17). Ob dieses Urteil auf Spieleplattformen übertragbar ist, bleibt unklar.
Konkrete Fälle und Urteile
2014 bat ein Reddit-Nutzer den Steam-Support, das Konto seines verstorbenen Bruders zu übertragen. Der Support lehnte ab, verwies auf die AGB. In den USA gab es 2020 einen Fall, bei dem ein Erbe vor Gericht Zugang zu einem Steam-Konto erstritt, weil die Spiele als Teil des Nachlasses gewertet wurden. In Deutschland fehlt eine vergleichbare Rechtsprechung. Der Branchenverband game hat keine offizielle Empfehlung.
Was könnt ihr tun?
Teilt eure Zugangsdaten mit einer vertrauenswürdigen Person. Legt ein digitales Testament an, das den Umgang mit Konten regelt. Dienste wie Steam Family Sharing enden mit dem Tod des Kontoinhabers. Einige Anbieter wie LastPass oder Keeper bieten sichere Passwort-Notfallzugänge.
Vergleich mit anderen Plattformen
GOG verkauft DRM-freie Spiele, die sich als Installationsdateien weitergeben lassen, die Kontobindung entfällt. Epic Games Store hat ähnliche AGB wie Steam. Konsolenhersteller wie Sony und Microsoft behandeln digitale Spiele ebenfalls als Lizenzen, räumen aber in Einzelfällen Ausnahmen ein, etwa bei nachgewiesenen Todesfällen. Valve hat bisher keine klare Policy veröffentlicht.
Ein offenes Ende
Laut einer Umfrage des Bitkom von 2023 haben nur 18% der Deutschen eine Regelung für ihren digitalen Nachlass getroffen. Solange Valve keine verbindlichen Prozesse schafft, bleiben tausende Euro an Spielen für die Nachwelt oft unzugänglich.