Goldgrube im Kinderzimmer
Der Game Boy Advance (GBA) verkaufte sich zwischen 2001 und 2008 weltweit über 81 Millionen Mal. Viele der damaligen Käufer sind heute zahlungskräftige Sammler, die ihre physische Bibliothek vervollständigen wollen.
Preise für gut erhaltene Module haben sich seit 2015 bei vielen Titeln verdreifacht. Besonders die Kombination aus Modul, Originalverpackung (OVP) und der beiliegenden Anleitung („Complete in Box“, kurz CIB) treibt den Marktwert in den dreistelligen Bereich.
Diese Spiele suchen Sammler
Der Wert der GBA-Spiele korreliert oft mit der Marke und der Auflage. Diese sieben Titel gelten derzeit als besonders liquide Vermögenswerte auf Plattformen wie eBay:
- Castlevania: Aria of Sorrow: Das Studio Konami setzte hier auf ein komplexes „Tactical Soul“-System. Es ist das letzte der drei GBA-Castlevanias und markiert den Übergang zu moderneren Mechaniken.
- The Legend of Zelda: The Minish Cap: Entwickelt von Capcom unter Aufsicht von Nintendo. Es ist eines der wenigen Zelda-Spiele, das nicht direkt intern bei Nintendo entstand.
- Metroid Zero Mission: Ein Remake des NES-Originals von Nintendo R&D1. Es ergänzt die Lore um den spielbaren Stealth-Abschnitt ohne den Power-Suit.
- Fire Emblem: Der erste Teil der Serie, der 2003 außerhalb Japans erschien. Intelligent Systems legte damit den Grundstein für den westlichen Erfolg der taktischen Rollenspielreihe.
- Pokémon Smaragd-Edition: Als „Dritte Edition“ der Hoenn-Generation (nach Rubin und Saphir) enthält es die Kampfzone. Diese Erweiterung fehlt in den Vorgängern, was die Nachfrage stabil hält.
- Mario & Luigi: Superstar Saga: Das Debüt der Reihe von AlphaDream. Das Studio bestand aus ehemaligen Mitarbeitern von Square, was den Fokus auf rundenbasierte Kämpfe mit Action-Elementen erklärt.
- Mega Man Zero 3: Die Serie von Inti Creates gilt als deutlich anspruchsvoller als die klassischen Ableger. Da die Auflage gegen Ende des GBA-Lebenszyklus sank, sind gute Exemplare rar.
Warum die Preise steigen
Der Gebrauchtmarkt für GBA-Module leidet unter einer massiven Flut an Reproduktionen. Diese Nachdrucke sind optisch oft täuschend echt, besitzen aber minderwertige Speicherchips, die Spielstände nach wenigen Monaten verlieren.
Sammler zahlen daher einen Aufpreis für verifizierte Originale. Experten achten bei der Echtheitsprüfung auf die eingeprägte Zahlen-Buchstaben-Kombination auf dem Front-Label. Zudem ist die Platine bei Nintendo-Produkten an einer speziellen Kennung erkennbar, die durch die kleine Gehäuseöffnung am unteren Rand sichtbar ist.
Echte Module verwenden eine 3,6-Volt-Batterie für Echtzeit-Events, etwa bei Pokémon Smaragd-Edition. Nach über 20 Jahren sind diese Batterien oft leer, was den Tausch durch den Besitzer nötig macht und bei unvorsichtiger Arbeit den Wert mindern kann.
Tipps für den Verkauf
Der Zustand der Kartonage entscheidet über den finalen Preis. Pappschachteln aus den frühen 2000er Jahren sind extrem anfällig für Knicke an den Laschen.
- Prüft den Batteriestatus bei Pokémon-Spielen vor der Anzeige.
- Hochauflösende Fotos der Platine im Inneren schaffen Vertrauen bei Käufern.
- Vergleicht aktuelle Preise nicht mit Listenpreisen, sondern mit den „Verkauften Artikeln“ auf Auktionsportalen.
- Vermeidet den Verkauf als „Konvolut“, da Einzelverkäufe bei den genannten Titeln fast immer höhere Erträge liefern.
Einige Händler nutzen für die Bewertung den „PriceCharting“-Index, der historische Verkäufe aggregiert. Bei The Legend of Zelda: The Minish Cap lag der Preis für ein loses Modul im Jahr 2012 noch bei etwa 20 Euro, heute erzielt es in gutem Zustand das Fünffache. Die Nachfrage nach physischen Medien wächst, während digitale Shops wie der Nintendo eShop für den 3DS längst geschlossen wurden.