Ankündigung mit Sprengkraft
Microsoft hat offiziell bestätigt: Die Abwärtskompatibilität wird auf PC und Handheld-Geräte ausgeweitet. Bisher war dieses Feature exklusiv den Xbox-Konsolen vorbehalten. Damit öffnet sich die alte Xbox-Bibliothek für eine völlig neue Zielgruppe.
Die Ankündigung ist der Höhepunkt einer jahrelangen Entwicklung. Bereits 2015 startete Microsoft das Abwärtskompatibilitätsprogramm für die Xbox One. Es umfasst über 600 Titel aus der Xbox 360 und der Original Xbox. 2021 wurden viele dieser Spiele für die Xbox Series X|S optimiert, mit verbesserten Bildraten und Auto-HDR. Jetzt wird diese Bibliothek erstmals auf Windows zugänglich, ohne Konsolenhardware.
Wer profitiert?
- Besitzer eines Gaming-PCs können ihre digitalen Xbox-Titel künftig auch am Schreibtisch zocken.
- Handhelds wie das Steam Deck, ROG Ally oder Lenovo Legion Go werden unterstützt.
- Die Spielstände und Erfolge sollen plattformübergreifend synchron bleiben.
Die Unterstützung beschränkt sich nicht auf x86-Handhelds. Auch ARM-basierte Geräte wie das Surface Pro X oder kommende Windows-on-Arm-Handhelds könnten profitieren, sofern Microsoft die Emulation für ARM64 bereitstellt. Das Steam Deck hingegen nutzt Linux, hier bleibt offen, ob Valve über Proton eine Kompatibilität herstellen kann. Microsofts Fokus liegt zunächst auf nativen Windows-Geräten, die über die Xbox-App authentifizieren.
Retro-Gaming unterwegs
Endlich lassen sich Klassiker aus der Xbox 360-Ära und der Original Xbox auf dem Sofa, im Zug oder im Park spielen. Microsoft macht sein Archiv mobil, ohne auf Streaming angewiesen zu sein. Die Spiele laufen nativ auf den Geräten.
Die Liste der verfügbaren Titel wird voraussichtlich die bestehenden 600+ abwärtskompatiblen Spiele umfassen, darunter Halo: Combat Evolved, Gears of War und Red Dead Redemption. Titel mit Kinect- oder Online-Features benötigen möglicherweise Anpassungen. Microsoft hat bereits Erfahrung mit Portierungen: Halo: The Master Chief Collection brachte 2014 alle Halo-Shooter auf PC, allerdings als Remaster, nicht per Emulation. Die native Abwärtskompatibilität spart Entwicklern diesen Aufwand.
Technische Umsetzung
Die Abwärtskompatibilität wird vermutlich über die Xbox-App auf Windows bereitgestellt. Ein Microsoft-Konto und eine Internetverbindung zur Authentifizierung sind nötig. Die genaue Liste der unterstützten Titel muss noch veröffentlicht werden.
Technisch basiert die Lösung auf einer angepassten Version des Xbox-360-Emulators, den Microsoft intern Xbox Virtualization nennt. Anders als auf Konsolen nutzt die PC-Version DirectX 12 Ultimate und VRS (Variable Rate Shading) zur Effizienzsteigerung. Erste Tests mit Fallout 3 und The Elder Scrolls IV: Oblivion auf einem ROG Ally zeigten stabile 60 Fps bei 15 Watt TDP. Das liegt deutlich unter dem Stromverbrauch einer Xbox Series S im gleichen Szenario.
Hintergrund: Eine lange Tradition
Xbox hat seit der Xbox One großen Wert auf Abwärtskompatibilität gelegt. Hunderte Titel wurden für die Xbox Series X|S optimiert. Nun geht der nächste logische Schritt: Der Zugriff auf diese Bibliothek von jedem Windows-Gerät aus.
Der Vorstoß auf PC passt in Microsofts übergreifende Xbox Everywhere-Strategie. Seit 2016 verfolgt das Unternehmen mit Play Anywhere die Idee, Spiele auf Xbox und Windows zu koppeln. Bisher beschränkte sich das auf Neuerscheinungen und ausgewählte Titel. Mit der Abwärtskompatibilität wird nun das gesamte Backkatalog erschlossen, ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Sony, das PS3-Spiele nur per Streaming auf PS5 und PC anbietet. Nintendo wiederum setzt auf Remakes (z. B. The Legend of Zelda: Link’s Awakening) oder das Nintendo Switch Online-Archiv.
Ausblick
Ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest. Die Ankündigung macht aber klar: Microsoft setzt voll auf Plattformunabhängigkeit. Retro-Fans können sich freuen, die nächste Fahrt in die Vergangenheit startet bald.
Insider gehen von einer Veröffentlichung im Rahmen des Xbox Developer Direct im Januar 2025 aus. Die finale Liste der unterstützten Geräte und Spiele soll dann zeitgleich erscheinen. Bis dahin können Interessierte über das Xbox Insider-Programm erste Beta-Versionen testen. Das Programm umfasst bereits seit November 2023 interne Builds der Xbox-App mit Emulationsunterstützung für ausgewählte 360-Titel auf Windows 11 Arm-Geräten.