Die Schattenseite der Konsolidierung
Die Microsoft-Gaming-Sparte hat nach der massiven Übernahme von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden Dollar im Januar 2024 den Abbau von 1900 Stellen in den Bereichen Xbox, ZeniMax und Activision bekannt gegeben. Dieser Schritt folgte dem bereits im Vorjahr vollzogenen Stellenabbau von 10.000 Mitarbeitern im gesamten Konzern.
Die aktuelle Konsolidierung berührt Studios wie Arkane Austin, Tango Gameworks und Alpha Dog Games, die im Mai 2024 vollständig geschlossen wurden. Diese Entscheidung beendete die Eigenständigkeit von Entwicklern, die für Titel wie Hi-Fi Rush oder die Dishonored-Reihe bekannt waren.
Die Stimmung in den Studios
Die verbliebenen Entwickler bei Bethesda Softworks und 343 Industries agieren in einer Atmosphäre, in der Kreativität unter dem Diktat der Quartalszahlen leidet. Interne Berichte deuten darauf hin, dass die Kommunikation der Geschäftsführung bei Xbox die Angst vor weiteren Schließungen durch die Zusammenlegung von Support-Teams verstärkt.
- Die Schließung von Tango Gameworks traf die Branche hart, da das Studio mit Hi-Fi Rush einen kritischen Erfolg landete, der laut Microsoft die Erwartungen an die Rentabilität erfüllte.
- Die Integration von ZeniMax Media, zu der Bethesda, id Software und Arkane gehören, wird von den Mitarbeitern als zunehmend bürokratisch empfunden.
- Viele Teams berichten über eine Abkehr von der bisherigen Philosophie, die den Studios eine eigenständige Identität innerhalb des Game Pass-Ökosystems zugestand.
Fehlende Vorteile der Konzernzugehörigkeit
Die Hoffnung, dass die Zugehörigkeit zu einem finanzstarken Konzern wie Microsoft Schutz vor Marktschwankungen bietet, ist bei vielen Angestellten geschwunden. Die Entlassungen bei Toys for Bob, dem Entwickler hinter Crash Bandicoot 4: It’s About Time, verdeutlichen, dass selbst etablierte Marken keine Garantie für den Erhalt der Studio-Struktur bieten.
- Das Studio Toys for Bob wurde nach der Übernahme von Activision in die Unabhängigkeit entlassen, verlor aber zuvor einen Großteil seiner Kapazitäten durch den Konzernumbau.
- Bei Arkane Austin führte die Umstrukturierung zum Aus für das Projekt Redfall, welches bereits vor der Schließung durch technische Mängel und schwache Verkaufszahlen belastet war.
- Die Abhängigkeit vom Xbox Game Pass zwingt Studios dazu, Kennzahlen zu liefern, die oft nicht mit den langen Entwicklungszyklen von AAA-Produktionen harmonieren.
Ausblick auf eine unsichere Zukunft
Der Fokus der Xbox-Führung unter Phil Spencer liegt verstärkt auf einer Multiplattform-Strategie, bei der exklusive Marken wie Sea of Thieves oder Hi-Fi Rush vermehrt auf der PlayStation 5 veröffentlicht werden. Diese Strategie signalisiert den Investoren, dass der reine Hardware-Verkauf der Xbox Series X/S nicht mehr als primärer Wachstumsfaktor ausreicht.
- Die Xbox Series X/S liegt bei den Verkaufszahlen deutlich hinter der PlayStation 5 von Sony, was den Druck auf die Software-Sparte erhöht, Gewinne über Drittplattformen zu generieren.
- Die Unsicherheit lähmt die kreative Arbeit, da Studios nun mit der Anforderung konfrontiert sind, Spiele für unterschiedliche Hardware-Architekturen gleichzeitig zu optimieren.
- Ein Sprecher von Microsoft verwies in Stellungnahmen bisher auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Kostenstruktur, um die langfristige Finanzierung der Spiele-Bibliothek zu sichern.
Die Bilanz des Geschäftsjahres 2024 zeigt, dass Microsoft trotz eines Umsatzwachstums von 51 Prozent in der Gaming-Sparte, primär getrieben durch Activision Blizzard, die operativen Kosten durch den Wegfall von über 2000 Stellen innerhalb von 18 Monaten reduzierte. Die verbliebenen Teams bei Bethesda arbeiten derzeit an The Elder Scrolls VI, dessen Entwicklung durch die personellen Kürzungen und die Neuorganisation der Support-Strukturen bereits mehrfach verzögert wurde.