Überraschender Abgang nach nur acht Wochen
Ein erst vor zwei Monaten von Xbox-CEO Asha Sharma persönlich berufener Manager hat das Unternehmen verlassen. Der neue Arbeitgeber ist das KI-Startup Cognition. Microsoft bestätigte den Wechsel, nannte aber weder den Namen des Managers noch seine genaue Position. Der Zeitpunkt fällt mitten in Sharmas Umbauphase der Sparte, die sie seit März 2025 führt.
Cognition: KI-Startup mit Milliardenbewertung
Cognition wurde 2021 gegründet und entwickelte den KI-Code-Assistenten Devin, der eigenständig Programmieraufgaben ausführen kann. Das Unternehmen sammelte 2024 insgesamt 175 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2 Milliarden Dollar ein. Zu den Investoren zählen Accel und Founders Fund. Devin wird auch in Spieleentwicklungsstudios getestet, etwa zur Generierung von Shader-Code oder zur Fehleranalyse in Echtzeit-Umgebungen.
Was bedeutet das für Xbox?
Ein so kurzer Verbleib ist ungewöhnlich, selbst in der volatilen Games-Branche. Die Stelle war vermutlich strategisch wichtig für Sharmas geplante Neuausrichtung auf Cloud-Gaming und Abonnements. Cognition wiederum bietet mit Devin ein Werkzeug, das direkten Nutzen für Spieleentwickler hat. Der Wechsel wirft Fragen auf: War die Position nicht wie erwartet ausgestaltet? Oder lockte Cognition mit einem Aktienpaket, das Microsoft nicht bieten konnte?
Asha Sharmas erste Amtszeit unter Druck
Sharma kam im März 2025 von Meta, wo sie als Vice President für die Metaverse-Sparte verantwortlich war. Sie ist die erste Frau an der Spitze von Xbox und übernahm das Amt von Phil Spencer, der nach 37 Jahren bei Microsoft im Februar 2025 ausschied. Seit ihrem Start hat sie eine Reorganisation eingeleitet, die Cloud-Gaming, Game Pass (34 Millionen Abonnenten Stand Ende 2024) und First-Party-Titel priorisiert. Ein Abgang eines frisch von ihr eingesetzten Executives schwächt ihre Position nach innen und außen.
KI als Magnet für Gaming-Talente
Der Trend ist eindeutig: Immer mehr erfahrene Gaming-Manager wechseln zu KI-Unternehmen. 2024 verließ Mike Fannon, ehemaliger Vice President bei Blizzard Entertainment, das Unternehmen, um bei OpenAI die Gaming-Partnerschaften zu leiten. Laut einer Branchenstudie von Korn Ferry wechselten 2024 über 20 Prozent der Führungskräfte aus Gaming-Firmen in den KI-Sektor, oft mit Gehaltssteigerungen von 30 bis 50 Prozent. Cognition profitiert von dieser Bewegung, da KI-Tools wie Devin direkt in Entwicklungsworkflows eingreifen.
Xbox-Personalfluktuation in Zahlen
Der Abgang reiht sich in eine Serie von Führungswechseln bei Microsofts Gaming-Sparte. Seit 2023 verließen prominente Namen das Unternehmen: Bonnie Ross, langjährige Leiterin von Halo, ging 2022; Kiki Wolfkill, Head of Halo Transmedia, folgte 2023. Im Januar 2025 verließ der für Third-Party-Partnerschaften zuständige Director Chris Charla Microsoft. Insgesamt verlor Xbox in den letzten zwei Jahren fünf Führungskräfte auf Vice-President-Ebene oder höher. Das sind mehr als bei Sony oder Nintendo im gleichen Zeitraum.