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Ein bunter Fiebertraum ohne roten Faden: Atomic Heart im Limbo-Rausch
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Ein bunter Fiebertraum ohne roten Faden: Atomic Heart im Limbo-Rausch

Mit „Trapped in Limbo“ schickt Mundfish den Spieler zurück in die surreale Gedankenwelt von P-3. Doch ist dieser DLC ein spielerischer Höhenflug oder nur ein hübscher Stolperstein?

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Dennis Adam
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Wenn man an Atomic Heart denkt, kommen einem sofort die sowjetische Retro-Futuristik, die knallharten Kämpfe und natürlich die berüchtigten Kühlschränke in den Sinn. Mit dem zweiten DLC, Trapped in Limbo, verlässt Entwickler Mundfish die vertrauten Korridore der Anlage 3826 und wirft uns direkt in das Unterbewusstsein unseres Protagonisten P-3. Was als visuell berauschender Trip beginnt, entpuppt sich jedoch schnell als eine spielerische Wundertüte, die zwar glänzt, aber bei näherem Hinsehen einige tiefe Risse offenbart.

Ein Trip durch den Kaninchenbau

Optisch ist Trapped in Limbo zweifellos ein Fest. Wer den surrealen Stil des Hauptspiels mochte, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Die Welt ist ein einziger, bunter Fiebertraum aus flüssigem Gold, riesigen Früchten und grotesken Animationen. Es ist offensichtlich, dass die Entwickler hier ihre künstlerische Freiheit voll ausleben wollten. Doch hier liegt auch das erste Problem: Die visuelle Reizüberflutung ist so massiv, dass man nach einer Stunde Spielzeit fast schon Kopfschmerzen bekommt. Es fehlt der visuelle Anker, der das Hauptspiel trotz seines Wahnsinns noch geerdet hat.

Vom Shooter zum Jump-’n’-Run-Albtraum

Das größte Manko des DLCs ist jedoch der radikale Wechsel des Gameplays. Atomic Heart war ein Shooter mit RPG-Elementen. Trapped in Limbo hingegen ist ein – man mag es kaum aussprechen – 3D-Plattformer mit Shooter-Einlagen. Und genau hier wird es problematisch. Die Steuerung von P-3, die für wuchtige Kämpfe ausgelegt ist, fühlt sich in den filigranen Sprungpassagen extrem schwammig an.

Ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, wie ich fluchend in einen Abgrund gestürzt bin, nur weil die Kollisionsabfrage bei einer Plattform nicht so wollte, wie ich es wollte. Wenn ein Spiel, das von seinen präzisen Kämpfen lebt, plötzlich von mir verlangt, über schwebende Tortenstücke zu balancieren, dann fühlt sich das nicht wie eine erfrischende Abwechslung an, sondern wie eine Fehlentscheidung im Gamedesign. Die „Slide-Mechanik“, die hier das zentrale Fortbewegungsmittel darstellt, ist zwar anfangs spaßig, verliert aber durch die ständige Wiederholung schnell ihren Reiz.

Wo bleibt die Geschichte?

Wer auf erzählerische Tiefe gehofft hat, wird enttäuscht. Trapped in Limbo fühlt sich eher wie eine Ansammlung von Minispielen an, die lose durch eine surreale Rahmengeschichte zusammengehalten werden. Die Dialoge sind gewohnt flapsig und P-3 bleibt der gewohnt mürrische Held, aber eine echte Weiterentwicklung der Lore findet nicht statt. Man hat das Gefühl, die Entwickler wollten einfach nur zeigen, was die Engine kann, anstatt eine Geschichte zu erzählen, die den Spieler wirklich berührt oder das Universum von Atomic Heart sinnvoll erweitert.

Licht und Schatten bei der Action

Wenn man dann doch einmal zum Schießen kommt, blitzt das alte Atomic Heart-Gefühl kurz auf. Die Kämpfe sind schnell, fordernd und belohnen den Einsatz der verschiedenen Fähigkeiten. Doch diese Momente sind rar gesät. Oftmals fühlt man sich eher wie ein Läufer in einem endlosen Hindernisparcours, bei dem die Gegner nur als lästige Unterbrechung fungieren.

Die Bosse sind zwar visuell spektakulär inszeniert, aber spielerisch oft repetitiv. Man erkennt schnell das Muster, weicht aus, schießt, wiederholt. Nach dem dritten Mal hat man den Dreh raus und die anfängliche Begeisterung schlägt in Routine um.

Fazit: Ein Experiment mit Ecken und Kanten

Atomic Heart: Trapped in Limbo ist ein mutiges Experiment, das leider nicht voll aufgeht. Die visuelle Gestaltung ist erstklassig und zeigt, dass Mundfish ein Händchen für einzigartige Ästhetik hat. Doch spielerisch ist der DLC eine Enttäuschung. Die unpräzisen Sprungpassagen und das Fehlen einer packenden Erzählung machen das Erlebnis zu einer frustrierenden Angelegenheit.

Für Hardcore-Fans, die einfach nur mehr Zeit in der Welt von Atomic Heart verbringen wollen und denen die Optik wichtiger ist als das Gameplay, mag der DLC einen Blick wert sein. Wer jedoch ein spielerisch ausgereiftes Erlebnis erwartet, das an die Stärken des Hauptspiels anknüpft, sollte seine Erwartungen deutlich herunterschrauben. Trapped in Limbo ist ein hübscher, aber leider auch sehr hohler Trip, den man nach dem Abspann schnell wieder vergisst.

6.2
/10
OKAY

+ PRO

  • +Visuell beeindruckende, surreale Art-Direction
  • +Frisches, arcade-lastiges Gameplay-Konzept
  • +Kurze, knackige Spielzeit ohne unnötige Längen

- CONTRA

  • -Frustrierende Sprungpassagen und unpräzise Steuerung
  • -Story-technisch kaum relevant für das Hauptspiel
  • -Fehlende spielerische Abwechslung nach der ersten Stunde

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