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Ein technischer Albtraum im sowjetischen Wunderland: Annihilation Instinct im Test
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Ein technischer Albtraum im sowjetischen Wunderland: Annihilation Instinct im Test

Der erste DLC für Atomic Heart verspricht neue Einblicke in die Welt von Anlage 3826, kämpft jedoch mit repetitivem Gameplay und einer frustrierenden Balance. Ein Ritt, der mehr durch seine Optik als durch spielerische Tiefe überzeugt.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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SPIEL Atomic Heart: Annihilation Instinct
ENTWICKLER Mundfish
PUBLISHER Focus Entertainment
RELEASE 2. August 2023
PLATTFORMEN: PC | PS5 | PS4 | Xbox Series X|S | Xbox One

Als Atomic Heart Anfang 2023 erschien, spaltete es die Gaming-Welt. Die einen feierten den mutigen, surrealen Stil und das „BioShock-trifft-Sowjet-Ästhetik“-Gefühl, die anderen kritisierten das repetitive Gameplay und die teils hölzernen Dialoge. Mit Annihilation Instinct kehren wir nun zurück in die Anlage 3826. Doch hat Entwickler Mundfish aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt? Um es kurz zu machen: Jein.

Zurück in den Wahnsinn

Die Geschichte von Annihilation Instinct setzt direkt nach den Ereignissen des Hauptspiels an. Wir werden erneut in die Rolle von Major Netschajew geworfen, um die Geheimnisse hinter dem „Eleonora“-System zu lüften. Die narrative Prämisse ist dabei durchaus spannend: Eine KI, die durchgedreht ist und nun ihre eigene, bizarre Form von Ordnung in die Anlage bringen will. Doch während die Prämisse neugierig macht, verliert sich die Umsetzung schnell in den bekannten Mustern. Die Dialoge zwischen dem Major und seinem Handschuh sind nach wie vor ein zweischneidiges Schwert – mal humorvoll, oft aber einfach nur anstrengend und deplatziert.

Gameplay: Mehr vom Gleichen, nur frustrierender

Spielerisch bietet Annihilation Instinct wenig Überraschendes. Wer das Hauptspiel mochte, wird sich hier sofort zu Hause fühlen. Die neuen Gegnertypen, insbesondere die sich ständig verändernden Maschinenwesen, bringen zwar frischen Wind in die Kämpfe, da sie sich teilweise neu zusammensetzen, doch das Grundproblem bleibt: Das Trefferfeedback fühlt sich oft schwammig an.

Besonders kritisch sehe ich das Balancing. Während man in der ersten Hälfte des DLCs noch entspannt durch die Areale streift, ziehen die Bosskämpfe den Schwierigkeitsgrad derart in die Höhe, dass es fast schon an Schikane grenzt. Ein Beispiel: Der finale Bosskampf ist ein Paradebeispiel für „Trial and Error“. Anstatt den Spieler durch mechanische Finesse zu fordern, wird man mit Projektilen überflutet, während die Kamera in engen Räumen ständig gegen die Wand stößt. Das ist kein „anspruchsvolles Gameplay“, das ist schlichtweg frustrierendes Design.

Optik und Sound – Die Stärken bleiben

Wo Atomic Heart glänzt, da glänzt auch der DLC: Die visuelle Gestaltung ist weiterhin absolute Weltklasse. Die surrealen Landschaften, die Mischung aus verfallener Sowjet-Architektur und futuristischer Technologie, ist ein Fest für die Augen. Man bleibt oft einfach stehen, um die Details der Umgebung zu bewundern.

Auch der Soundtrack, der wieder einmal von Mick Gordon und anderen talentierten Künstlern mit treibenden Industrial- und Techno-Beats untermalt wird, ist das, was einen bei der Stange hält. Wenn die Musik in einem hitzigen Gefecht einsetzt, verzeiht man dem Spiel kurzzeitig die technischen Macken.

Die technischen Schattenseiten

Leider hat Mundfish die Zeit seit dem Release nicht genutzt, um die technischen Probleme vollständig auszumerzen. Auch in Annihilation Instinct bin ich mehrfach durch Texturen gefallen, und die KI der Begleiter oder Gegner setzt gelegentlich komplett aus. In einem Spiel, das so sehr auf schnelles Movement und präzises Zielen setzt, sind solche Bugs ein absolutes No-Go. Dass diese Probleme auch im DLC noch präsent sind, wirft ein schlechtes Licht auf die Qualitätssicherung.

Fazit

Annihilation Instinct ist ein DLC für Fans, die einfach nicht genug von der Welt von Atomic Heart bekommen können. Es sieht fantastisch aus, klingt großartig und bietet ein paar neue, interessante Mechaniken. Wer jedoch auf eine spielerische Evolution oder eine tiefgründigere Story gehofft hat, wird enttäuscht.

Das Spiel leidet unter denselben Kinderkrankheiten wie sein Vorgänger: Ein unausgewogenes Balancing, eine teils hölzerne Inszenierung und technische Unsauberkeiten trüben den Gesamteindruck. Es ist ein solider Zusatzinhalt, der seine Momente hat, aber letztlich nicht das Potenzial ausschöpft, das in diesem einzigartigen Setting steckt. Wer das Hauptspiel geliebt hat, kann zugreifen – alle anderen sollten auf einen Sale warten.

Für EndeNews.de bleibt Atomic Heart: Annihilation Instinct eine technisch beeindruckende, aber spielerisch durchwachsene Erfahrung, die zeigt, dass Stil allein eben nicht immer ausreicht, um ein exzellentes Shooter-Erlebnis zu garantieren.

6.8
/10
OKAY

+ PRO

  • +Visuell beeindruckende, surrealistische Umgebungen, die das Artdesign des Hauptspiels perfekt ergänzen.
  • +Neue Gegnertypen erfordern taktischere Herangehensweisen als die Standard-Roboter.
  • +Der Soundtrack bleibt ein absolutes Highlight und treibt das Adrenalin in den Kämpfen nach oben.

- CONTRA

  • -Das Balancing der Bosskämpfe fühlt sich oft unfair und willkürlich an.
  • -Die Story-Erweiterung fühlt sich inhaltlich zu dünn an und lässt viele Fragen unbeantwortet.
  • -Technisch weiterhin mit nervigen Bugs und Clipping-Fehlern behaftet.

FAZIT

Ein visuell eindrucksvoller DLC, der die Schwächen des Hauptspiels nicht abschüttelt und erzählerisch zu dünn bleibt.

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