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STRAFTAT: Ein blutiger Ritt durch den digitalen Sündenpfuhl
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STRAFTAT: Ein blutiger Ritt durch den digitalen Sündenpfuhl

STRAFTAT ist ein kompromissloser Action-Shooter, der den Spieler in eine dystopische Unterwelt wirft. Doch hinter der stylischen Fassade verbirgt sich ein Spiel, das zwischen spielerischer Brillanz und repetitiver Frustration schwankt.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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Wenn man den Startbildschirm von STRAFTAT zum ersten Mal sieht, weiß man sofort, worauf man sich einlässt: Hier wird nicht verhandelt, hier wird geschossen. Das Entwicklerteam hat mit diesem Titel einen Shooter abgeliefert, der sich anfühlt wie eine Mischung aus einem Fiebertraum der 90er-Jahre und modernster Grafik-Engine-Technik. Doch reicht das aus, um im hart umkämpften Genre der Action-Spiele 2024 wirklich zu bestehen?

Das Gefühl der Waffe

Fangen wir mit dem an, was STRAFTAT am besten kann: das Schießen. Das Gunplay ist zweifellos das Herzstück des Spiels. Jede Waffe fühlt sich schwer an, der Rückstoß ist spürbar und wenn man eine Salve in eine Gruppe von Gegnern jagt, fühlt sich das Ergebnis jedes Mal befriedigend an. Es gibt diesen speziellen “Flow”, den nur wenige Spiele erreichen – ein Zustand, in dem man durch die Korridore tänzelt, Granaten wirft und gleichzeitig die Munition im Auge behält. In diesen Momenten ist STRAFTAT ein absolutes Meisterwerk der Spielmechanik.

Eine Welt ohne Tiefe

Leider kann die erzählerische Ebene nicht mit der spielerischen Qualität mithalten. Wir schlüpfen in die Rolle eines namenlosen Anti-Helden, der sich durch eine dystopische Metropole kämpft, um – Überraschung – ein korruptes System zu stürzen. Die Story ist so generisch, dass man sie nach zehn Minuten bereits wieder vergessen hat. Die Dialoge wirken oft wie aus einem B-Movie der 80er Jahre zusammengeklaubt, und die Motivation der Hauptfigur bleibt bis zum Ende so flach wie eine Schießscheibe auf dem Übungsplatz. Hier wurde viel Potenzial verschenkt; eine düstere Welt wie diese hätte eine komplexere Geschichte verdient gehabt, die über “Gehe von A nach B und töte alles” hinausgeht.

Die KI: Kanonenfutter oder Taktik-Genie?

Ein weiterer Kritikpunkt ist die künstliche Intelligenz. Während die Gegner in den ersten Levels noch durch ihre schiere Überzahl beeindrucken, entpuppen sie sich schnell als taktische Totalausfälle. Oft laufen sie stur in das offene Feuer oder bleiben hinter Deckungen hängen, die gar keinen Schutz bieten. Das nimmt dem Spiel die Spannung, die durch das exzellente Leveldesign eigentlich aufgebaut wird. Wenn man einen Bossgegner besiegt, nur weil dieser in einer Ecke feststeckt, statt durch eine clevere Taktik, hinterlässt das einen faden Beigeschmack.

Optik und Sound: Ein audiovisueller Rausch

Wo das Spiel jedoch wieder Boden gutmacht, ist die Präsentation. Der Artstyle ist eine Wucht. Die neonbeleuchteten Straßenzüge, die im Kontrast zu den dreckigen, verfallenen Industriegebieten stehen, erzeugen eine dichte Atmosphäre. Unterstützt wird das Ganze von einem Soundtrack, der irgendwo zwischen Industrial-Techno und düsterem Synth-Wave pendelt. Die Musik treibt einen förmlich voran. Wenn der Bass bei einem Feuergefecht einsetzt, vergisst man kurzzeitig, dass die Story eigentlich nicht existiert. Das ist handwerklich hervorragend gelöst.

Das Problem mit der Länge

Gegen Ende hin verliert STRAFTAT leider den Faden. Die Entwickler scheinen gemerkt zu haben, dass das Spiel zu kurz sein könnte, und haben im letzten Drittel massives Backtracking eingebaut. Man rennt durch Areale, die man bereits kennt, nur um einen Schalter umzulegen oder einen Schlüssel zu finden. Das bremst das Pacing massiv aus und lässt den Spieler eher genervt als motiviert zurück. Ein kürzeres, aber dafür intensiveres Erlebnis hätte dem Spiel deutlich besser getan.

Fazit

STRAFTAT ist kein Spiel, das man wegen seiner tiefgründigen Geschichte oder seiner bahnbrechenden KI spielt. Es ist ein Spiel für den Feierabend, wenn man einfach mal den Kopf ausschalten und ein paar virtuelle Sünden bestrafen will. Das Gunplay ist erstklassig, die Atmosphäre dicht und der Soundtrack ein Brett. Wer über die schwache Story und die gelegentlichen KI-Aussetzer hinwegsehen kann, bekommt einen soliden Action-Shooter, der zwar keine neuen Maßstäbe setzt, aber für ein paar Stunden ordentlich Laune macht.

Für den Vollpreis ist es vielleicht etwas zu dünn, aber sobald STRAFTAT im Sale landet, sollten Action-Fans definitiv zuschlagen. Es ist ein ehrliches Spiel – es verspricht Chaos und liefert genau das. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

7.4
/10
GUT

+ PRO

  • +Extrem wuchtiges und befriedigendes Gunplay
  • +Einzigartiger, düsterer Artstyle mit atmosphärischer Beleuchtung
  • +Soundtrack, der den Puls bei jeder Schießerei in die Höhe treibt

- CONTRA

  • -Story-Erzählung bleibt oberflächlich und klischeebeladen
  • -KI-Gegner agieren oft vorhersehbar und dumm
  • -Deutliche Längen im letzten Spieldrittel durch Backtracking

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