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Wenn das Smartphone zum Albtraum wird: MiSide im Test
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Wenn das Smartphone zum Albtraum wird: MiSide im Test

MiSide ist ein psychologischer Indie-Horror-Trip, der die Grenze zwischen digitaler Simulation und realem Wahnsinn verschwimmen lässt. Ein verstörendes Erlebnis, das trotz kleiner technischer Schwächen lange im Gedächtnis bleibt.

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Tommes Parzl
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Es gibt diese Art von Indie-Spielen, die mit einem simplen Konzept starten und sich dann wie ein schleichendes Gift in den Hinterkopf fressen. MiSide gehört genau in diese Kategorie. Als ich das Spiel startete, erwartete ich eine Art „Tamagotchi-Horror“, bei dem ich mich um ein virtuelles Wesen kümmern muss, das irgendwann böse wird. Doch was ich bekam, war eine psychologische Achterbahnfahrt, die mich mehr als einmal dazu brachte, mein eigenes Smartphone zur Seite zu legen, um sicherzugehen, dass ich nicht gerade selbst Teil des Spiels werde.

Die Fassade der Niedlichkeit

Die Prämisse von MiSide ist schnell erklärt: Wir laden eine App herunter, die uns verspricht, eine virtuelle Begleiterin namens Mita zu beherbergen. Was als harmlose Simulation beginnt – wir füttern sie, spielen Minispiele und unterhalten uns –, kippt schnell in eine unheimliche Richtung. Der Entwickler versteht es meisterhaft, die „Vierte Wand“ einzureißen. Wenn Mita plötzlich Dinge über meine reale Umgebung oder meine Spielweise weiß, die sie eigentlich nicht wissen dürfte, läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken.

Die Grafik ist bewusst zweigeteilt. Während die Interaktionen mit Mita in einem fast schon zu bunten, fast schon „glitchy“ Anime-Stil gehalten sind, wirkt die Welt außerhalb der App – also unser „echtes“ Zimmer im Spiel – kühl, steril und bedrohlich. Dieser Kontrast ist das größte Pfund von MiSide. Es ist diese subtile Unbehaglichkeit, die das Spiel so effektiv macht. Man fühlt sich als Spieler nie sicher, weil man nie genau weiß, ob das Spiel gerade „abgestürzt“ ist oder ob das Teil des Horrors sein soll.

Sound als Waffe

Ein besonderes Lob muss an dieser Stelle an das Sounddesign gehen. In einem Genre, das oft auf billige Jumpscares setzt, geht MiSide einen anderen Weg. Es sind die leisen Töne: das statische Rauschen, das unnatürliche Flüstern, das genau dann einsetzt, wenn man kurz nicht hinsieht, und die verzerrten Soundeffekte der App. Wer dieses Spiel mit Kopfhörern spielt – und das sollte man unbedingt tun –, wird das Gefühl nicht los, dass jemand direkt hinter einem steht.

Wo es hakt: Die Schattenseiten

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. MiSide ist kein perfektes Spiel. Besonders in Momenten, in denen das Spiel von der Simulation in eine Art „Flucht-Sequenz“ wechselt, zeigt sich die Schwäche der Steuerung. Die Bewegungen fühlen sich manchmal etwas schwammig an, was in hektischen Situationen zu unnötigen Toden führt. Nichts ist frustrierender, als in einem spannungsgeladenen Moment an einer unpräzisen Kollisionsabfrage zu scheitern, weil man nicht schnell genug um eine Ecke kommt.

Auch die Rätselstruktur ist nicht immer konsistent. Während einige Puzzles clever in die Geschichte eingebunden sind, wirken andere wie künstliche Barrieren, die nur dazu dienen, die Spielzeit zu strecken. Apropos Spielzeit: Mit rund drei bis vier Stunden ist MiSide ein sehr kurzes Vergnügen. Einerseits ist das gut, da das Konzept sich nicht abnutzt, andererseits hätte ich mir bei der dichten Atmosphäre etwas mehr Tiefe in der Charakterentwicklung von Mita gewünscht. Man erfährt zwar viel über ihre Hintergründe, aber am Ende bleiben doch einige Fragen offen, die sich nicht nur als „mysteriös“, sondern eher als „nicht zu Ende gedacht“ anfühlen.

Fazit: Ein Muss für Genre-Fans

Ist MiSide ein Meisterwerk? Vielleicht nicht ganz. Aber es ist ein verdammt mutiger Indie-Titel, der zeigt, wie viel Potenzial in kleinen, fokussierten Horror-Erfahrungen steckt. Es ist kein Spiel für Leute, die eine epische Open-World-Erfahrung suchen. Es ist ein Spiel für jene, die sich gerne gruseln, die Meta-Ebenen in Videospielen lieben und die bereit sind, für ein paar Stunden die Realität ein wenig aus den Augen zu verlieren.

Trotz der technischen Macken und der kurzen Spieldauer ist MiSide eine klare Empfehlung für alle, die Doki Doki Literature Club oder ähnliche psychologische Horrortitel mochten. Es ist ein Spiel, das dich nicht nur spielt, sondern dich herausfordert. Und wenn du nach dem Abspann dein Handy entsperrst und kurz zögerst, bevor du auf eine Nachricht klickst, dann weißt du: Die Entwickler haben alles richtig gemacht.

MiSide ist ab sofort auf den gängigen Plattformen verfügbar. Wer auf der Suche nach einem verstörenden, aber faszinierenden Abend ist, macht hier definitiv nichts falsch. Nur eines: Schaltet das Licht nicht komplett aus. Man weiß ja nie.

7.8
/10
GUT

+ PRO

  • +Einzigartige, beklemmende Atmosphäre durch den 'Handy-im-Spiel'-Ansatz
  • +Hervorragendes Sounddesign, das für ständige Anspannung sorgt
  • +Überraschende Meta-Elemente, die den Spieler direkt adressieren

- CONTRA

  • -Gelegentliche Frustmomente durch unpräzise Steuerung in hektischen Passagen
  • -Die Spielzeit ist mit etwa 3-4 Stunden recht kurz ausgefallen
  • -Einige Rätsel wirken etwas zu konstruiert und bremsen den Erzählfluss

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