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Wenn der Koffeinschub zum Albtraum wird: Ein Schluck Wahnsinn in „Anomalous Coffee Machine“
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Wenn der Koffeinschub zum Albtraum wird: Ein Schluck Wahnsinn in „Anomalous Coffee Machine“

In diesem surrealen Indie-Horror-Trip wird die morgendliche Routine an einer Kaffeemaschine zur lebensbedrohlichen Erfahrung. Ein atmosphärisches Kammerspiel, das mit wenig Mitteln viel Unbehagen erzeugt.

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Dennis Adam
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Es gibt diese Spiele, die man startet, ohne genau zu wissen, worauf man sich einlässt. Anomalous Coffee Machine ist genau so ein Titel. Als ich das erste Mal vor der glänzenden, leicht surrenden Maschine in der sterilen Büroküche stand, dachte ich noch an einen entspannten „Coffee-Simulator“. Doch wer hier Entspannung sucht, ist an der völlig falschen Adresse. Das Entwicklerteam hat hier ein Kammerspiel geschaffen, das den alltäglichen Wahnsinn eines Büroalltags nimmt und ihn in einen surrealen Albtraum verwandelt.

Die Banalität des Schreckens

Das Spielprinzip ist simpel: Du bist ein Angestellter, du brauchst Kaffee, du bedienst die Maschine. Doch schon beim ersten Knopfdruck merkt man, dass hier etwas nicht stimmt. Die Maschine gibt keinen Espresso aus, sondern beginnt, die Realität um sich herum zu verzerren. Die Wände atmen, das Licht flackert in Mustern, die an Morsezeichen erinnern, und plötzlich ist die Bürotür nicht mehr da, wo sie vor einer Sekunde noch war.

Was Anomalous Coffee Machine so effektiv macht, ist die Reduktion. Wir bewegen uns in einem extrem begrenzten Raum. Diese Enge erzeugt einen psychologischen Druck, der durch das exzellente Sounddesign perfekt untermauert wird. Das mechanische Klacken, das Zischen von heißem Dampf und das ferne, unnatürliche Grollen hinter den Wänden sorgen dafür, dass man sich als Spieler ständig beobachtet fühlt. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit minimalistischen Mitteln eine dichte Atmosphäre aufbaut, für die AAA-Studios oft Millionen an Assets benötigen.

Wenn die Logik den Dienst quittiert

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Das Spiel basiert auf einer Art Loop-Mechanik. Man versucht, die Maschine zu bedienen, scheitert, die Welt verändert sich, man versucht es erneut. Das ist erzählerisch brillant, führt aber spielerisch zu Frust. Einige der Rätsel, die nötig sind, um den „perfekten Kaffee“ (und damit den Fortschritt) zu erzielen, sind so kryptisch, dass man ohne einen Guide oder exzessives „Trial-and-Error“ kaum weiterkommt.

Besonders in der Mitte des Spiels verliert der Titel etwas an Fahrt. Wenn man zum zehnten Mal denselben Flur entlangläuft, nur um festzustellen, dass man ein winziges, fast unsichtbares Objekt übersehen hat, schwindet die Immersion. Hier hätte ein etwas klareres Feedback-System gutgetan. Auch die Animationen, wenn man mit der Maschine interagiert, wirken hölzern. Wenn die Hand des Protagonisten durch das Gehäuse der Maschine clippt, reißt das den Spieler kurzzeitig aus der ansonsten so dichten Horror-Erfahrung.

Ein Trip, den man erlebt haben muss

Trotz dieser Schwächen ist Anomalous Coffee Machine ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Es ist kein Spiel für zwischendurch, sondern ein Werk, das man in einer Sitzung – am besten bei ausgeschaltetem Licht – durchspielen sollte. Es stellt die Frage, wie viel Wahnsinn in unserem täglichen Trott steckt, und verpackt diese philosophische Frage in ein verstörendes, audiovisuelles Erlebnis.

Die Spielzeit ist mit etwa zwei bis drei Stunden recht knackig. Für den aufgerufenen Preis könnte man sich mehr Inhalt wünschen, aber in einer Zeit, in der viele Spiele durch unnötiges „Padding“ in die Länge gezogen werden, ist diese Kürze fast schon erfrischend. Man bekommt hier eine konzentrierte Dosis Horror, die keine Zeit mit unnötigen Erklärungen verschwendet.

Fazit

Anomalous Coffee Machine ist ein kleiner, feiner Indie-Titel, der vor allem durch seine Atmosphäre besticht. Es ist kein perfektes Spiel – die Rätsel-Logik und die technische Umsetzung haben ihre Ecken und Kanten. Doch wer sich auf den surrealen Trip einlässt und eine Schwäche für psychologischen Horror hat, wird hier bestens bedient. Es ist ein Spiel, das nach dem Abspann noch eine Weile im Kopf nachhallt. Und eins ist sicher: Nach diesem Spiel werdet ihr eure Kaffeemaschine im Büro mit ganz anderen Augen betrachten.

Wer bereit ist, über die kleinen technischen Schwächen hinwegzusehen, findet hier einen der atmosphärischsten Indie-Geheimtipps des Jahres 2024. Eine klare Empfehlung für alle, die das Unbehagen suchen.

7.8
/10
GUT

+ PRO

  • +Herausragendes Sounddesign, das unter die Haut geht
  • +Einzigartige, beklemmende Atmosphäre in einem minimalistischen Setting
  • +Clevere Nutzung von Loop-Mechaniken zur Erzählung der Geschichte

- CONTRA

  • -Gelegentlich frustrierende Rätsel-Logik
  • -Technisch etwas spröde Animationen bei Interaktionen
  • -Spielzeit ist für den Preis recht kurz bemessen

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