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Wenn der Zuckerschock zum Albtraum wird: Cakey’s Twisted Bakery im Test
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Wenn der Zuckerschock zum Albtraum wird: Cakey’s Twisted Bakery im Test

Cakey’s Twisted Bakery mischt knuffige Backstuben-Ästhetik mit verstörendem Horror. Wir haben uns durch die zuckrigen Korridore gewagt und verraten euch, ob das Spiel mehr als nur ein billiger Jump-Scare-Abklatsch ist.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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Es gibt diese Sorte von Indie-Horror, die auf den ersten Blick wie ein harmloser Zeitvertreib für zwischendurch wirkt, sich dann aber als psychologisches Minenfeld entpuppt. Cakey’s Twisted Bakery gehört genau in diese Kategorie. Als ich das Spiel zum ersten Mal startete, erwartete ich eine Art „Five Nights at Freddy’s“ im Konditor-Gewand. Was ich bekam, war eine Mischung aus kreativem Leveldesign und Momenten, in denen ich am liebsten den Controller in die Ecke geworfen hätte.

Zuckerbäcker des Grauens

Die Prämisse ist simpel: Wir finden uns in einer verlassenen, aber seltsam lebendigen Bäckerei wieder. Überall stehen Torten, Cupcakes und Backutensilien – doch die Atmosphäre ist alles andere als einladend. Das Art-Design ist zweifellos die größte Stärke des Titels. Die Entwickler haben es geschafft, eine Welt zu erschaffen, die gleichzeitig „süß“ und „abstoßend“ wirkt. Wenn man durch die Gänge schleicht und im Hintergrund das leise, metallische Klappern von Backformen hört, baut das Spiel eine Dichte auf, die man in vielen AAA-Produktionen schmerzlich vermisst.

Das Gameplay setzt auf eine bewährte Mischung: Wir müssen Rätsel lösen, um in neue Bereiche vorzudringen, während wir uns vor Cakey und seinen „Helfern“ verstecken. Die Rätsel sind dabei angenehm fordernd, ohne in frustrierendes Pixel-Hunting auszuarten. Man muss Zutaten kombinieren, Öfen bedienen und dabei stets ein Auge auf die Umgebung haben. Hier glänzt das Spiel: Die Integration der Back-Mechaniken in die Horror-Elemente fühlt sich organisch an.

Wenn die KI den Spaß verdirbt

Wo Licht ist, ist leider auch Schatten. Und bei Cakey’s Twisted Bakery ist dieser Schatten oft die künstliche Intelligenz der Gegner. Es gibt Passagen, in denen man sich perfekt versteckt hat, nur um von einem Gegner entdeckt zu werden, der durch Wände zu „sehen“ scheint oder in einer Endlosschleife um das eigene Versteck patrouilliert. Das ist kein „fordernder Horror“, das ist schlichtes Spieldesign-Pech. Wenn man zum zehnten Mal denselben Abschnitt wiederholen muss, weil die KI einen unfairen Vorteil hat, schwindet der Gruselfaktor und macht Platz für puren Frust.

Auch technisch ist das Spiel kein Meisterwerk. Auf meinem Test-System kam es in hektischen Verfolgungsjagden immer wieder zu spürbaren Framerate-Einbrüchen. In einem Spiel, in dem Millisekunden über das Überleben entscheiden, ist das ein absolutes No-Go. Wenn das Bild ruckelt, während man versucht, eine Tür hinter sich zuzuschlagen, fühlt sich das Ableben nicht wie ein eigener Fehler an, sondern wie ein technisches Versagen.

Story: Mehr Schein als Sein?

Die Geschichte wird größtenteils über Notizen und Umgebungsdetails erzählt. Das ist ein bewährter Weg für Indie-Horror, doch hier bleibt die Erzählung leider etwas zu vage. Man erfährt zwar, warum die Bäckerei so geworden ist, wie sie ist, aber die emotionale Bindung zum Protagonisten oder zu den Antagonisten bleibt aus. Am Ende des Spiels saß ich da und fragte mich: „War das alles?“. Die Lore bietet so viel Potenzial für eine düstere Familiensaga oder einen psychologischen Thriller, doch das Spiel kratzt nur an der Oberfläche.

Fazit: Ein leckerer Snack für zwischendurch

Cakey’s Twisted Bakery ist kein Spiel, das das Genre neu erfindet. Es ist ein solider, atmosphärisch dichter Horror-Trip, der vor allem durch seine visuelle Gestaltung und das Sound-Design überzeugt. Wer über die gelegentlichen KI-Aussetzer und die technische Unsauberkeit hinwegsehen kann, findet hier ein paar Stunden unterhaltsamen, wenn auch leicht frustrierenden Grusel.

Für Fans von Indie-Horror ist es definitiv einen Blick wert, vor allem wenn man eine Schwäche für „Creepy-Cute“-Ästhetik hat. Wer jedoch ein poliertes Erlebnis ohne Ecken und Kanten sucht, sollte vielleicht auf einen Sale warten oder sich anderweitig umsehen. Cakey ist wie ein Stück Torte, das zwar toll aussieht, aber beim Reinbeißen hier und da einen harten Kern hat, auf dem man sich den Zahn ausbeißen kann. Ein solider Einstand für das Entwicklerteam, aber mit Luft nach oben für zukünftige Projekte.

6.8
/10
OKAY

+ PRO

  • +Einzigartiges, visuell ansprechendes Art-Design mit hohem Wiedererkennungswert
  • +Effektives Sound-Design, das für ständige Anspannung sorgt
  • +Gelungene Mischung aus Rätsel-Mechaniken und Stealth-Passagen

- CONTRA

  • -Die KI der Gegner agiert oft unvorhersehbar und frustrierend
  • -Technisch unsaubere Performance bei hektischen Szenen
  • -Story-Erzählung bleibt zu oberflächlich und lässt Fragen offen

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