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Wenn Lego auf den Abgrund trifft: Cataclismo baut an der Perfektion
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Wenn Lego auf den Abgrund trifft: Cataclismo baut an der Perfektion

Cataclismo verbindet komplexe Stein-auf-Stein-Bauweise mit knallharter Tower-Defense-Strategie. Ein Spiel, das süchtig macht, aber gelegentlich an seiner eigenen Komplexität erstickt.

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Dennis Adam
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Es gibt Spiele, die versuchen, das Rad neu zu erfinden, und dann gibt es Cataclismo. Die Entwickler von Digital Sun haben sich nicht damit begnügt, ein weiteres generisches Strategiespiel in die Regale zu stellen. Stattdessen haben sie eine Brücke geschlagen zwischen dem kindlichen Vergnügen, mit Bauklötzen eine Festung zu errichten, und dem panischen Überlebenskampf eines klassischen Tower-Defense-Titels. Das Ergebnis ist ein Spiel, das mich in den letzten Tagen sowohl begeistert als auch an den Rand des Wahnsinns getrieben hat.

Stein für Stein zum Sieg

Das Herzstück von Cataclismo ist das Bausystem. Hier wird nicht einfach ein Gebäude aus einem Menü ausgewählt und per Mausklick in die Landschaft geklatscht. Nein, ihr baut eure Mauern, Zinnen und Türme Stein für Stein. Das klingt zunächst nach einer lästigen Fleißarbeit, entpuppt sich aber schnell als das befriedigendste Element des Spiels. Wenn man sieht, wie die eigene, mühsam konstruierte Festung einem Ansturm von Monstern standhält – oder eben nicht, weil man an einer entscheidenden Stelle die Statik vernachlässigt hat –, dann ist das ein Erfolgserlebnis, das kaum ein anderes Strategiespiel in diesem Jahr bieten konnte.

Die Physik spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wenn ein Katapultgeschoss in eure Mauer einschlägt, stürzt sie nicht einfach in einer vorprogrammierten Animation ein. Sie bricht physikalisch korrekt zusammen. Steine fallen, Trümmer begraben eure Bogenschützen unter sich, und plötzlich klafft eine Lücke in eurer Verteidigung, die ihr in Sekunden flicken müsst. Dieses dynamische Element macht jede Schlacht zu einem einzigartigen Erlebnis.

Der Preis der Komplexität

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Freiheit, die das Bausystem bietet, ist gleichzeitig der größte Feind des Spielers. In den hitzigen Phasen der Kampagne, wenn die Nacht hereinbricht und die Horden von „Horrors“ aus dem Nebel kriechen, wird die Steuerung zur Zerreißprobe. Das präzise Platzieren von Treppen oder schmalen Wehrgängen erfordert eine Geduld, die man in einem hektischen Gefecht selten aufbringt. Oft habe ich mich dabei ertappt, wie ich fluchend vor dem Monitor saß, weil ich den zehnten Stein nicht an die richtige Stelle bekam, während meine Bogenschützen bereits von den ersten Monstern überrannt wurden.

Auch das Ressourcenmanagement ist ein zweischneidiges Schwert. Während der Aufbau der Wirtschaft in den ersten Stunden motiviert, verkommt das Sammeln von Holz und Stein im späteren Spielverlauf zu einer repetitiven Pflichtaufgabe. Man baut die immer gleichen Produktionsketten auf, um die immer gleichen Mauern zu verstärken. Hier hätte ich mir mehr Varianz oder eine intelligentere Automatisierung gewünscht, um den Fokus stärker auf das taktische Verteidigen zu legen.

Atmosphäre und Präzision

Optisch ist Cataclismo ein Leckerbissen. Der düstere, fast schon melancholische Grafikstil unterstreicht die Hoffnungslosigkeit der Welt perfekt. Die Kontraste zwischen den grauen, zerfallenden Ruinen und den hellen, fast schon leuchtenden Effekten der Angriffe erzeugen eine dichte Atmosphäre. Auch der Soundtrack fügt sich nahtlos ein – er treibt an, wenn es brenzlig wird, und lässt einen kurz durchatmen, wenn die Sonne aufgeht und die Aufräumarbeiten beginnen.

Die Kampagne selbst erzählt eine Geschichte, die zwar nicht das Rad neu erfindet, aber durch ihre Charaktere und die stetig steigende Schwierigkeitskurve gut motiviert. Man fühlt sich als Kommandant, der gegen eine Übermacht ankämpft, und jeder gewonnene Meter Boden fühlt sich verdient an.

Fazit

Cataclismo ist kein Spiel für Gelegenheitsspieler, die nach einer schnellen Runde „Feierabend-Strategie“ suchen. Es ist ein Spiel für Architekten, für Tüftler und für Strategen, die den Schmerz eines einstürzenden Turms als Lektion begreifen. Trotz der gelegentlichen Frustmomente bei der Steuerung und der leichten Abnutzungserscheinungen beim Ressourcen-Management ist es eines der innovativsten Strategiespiele des Jahres 2024.

Wer sich auf die Lernkurve einlässt und bereit ist, seine Fehler in Stein gemeißelt zu sehen, wird mit einem der befriedigendsten Spielerlebnisse belohnt, die das Genre aktuell zu bieten hat. Digital Sun hat hier ein Fundament gegossen, auf dem man in Zukunft noch Großes aufbauen kann. Eine klare Empfehlung für alle, die Strategie nicht nur spielen, sondern buchstäblich „erbauen“ wollen.

8.4
/10
GROSSARTIG

+ PRO

  • +Einzigartiges, physikbasiertes Bausystem, das sich extrem befriedigend anfühlt.
  • +Herausfordernde Kampagnenstruktur mit hohem Wiederspielwert.
  • +Hervorragende visuelle Identität, die den düsteren Ton perfekt trifft.

- CONTRA

  • -Die Steuerung der Kamera und das präzise Platzieren von Bauteilen kann in hektischen Momenten frustrieren.
  • -Das Ressourcenmanagement wirkt gegen Ende hin teils repetitiv.

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