Zwischen Regalschichten und Wahnsinn: Warum Supermarket Together süchtig macht
In Supermarket Together baust du mit Freunden dein eigenes Supermarkt-Imperium auf. Ein chaotischer Simulator, der trotz technischer Macken für stundenlangen Spielspaß sorgt.
Es gibt diese Spiele, bei denen man sich fragt: „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ Man verbringt Stunden damit, virtuelle Milchkartons in ein Regal zu sortieren, nur um festzustellen, dass man die falsche Sorte bestellt hat. Genau in diese Kerbe schlägt Supermarket Together. Als ich das Spiel zum ersten Mal startete, erwartete ich eine entspannte Simulation. Was ich bekam, war eine Mischung aus logistischer Meisterleistung und dem puren Chaos, wenn man versucht, mit drei Freunden gleichzeitig einen Laden zu schmeißen.
Der tägliche Wahnsinn im Supermarkt
Das Spielprinzip ist simpel: Du startest mit einem kleinen, fast leeren Laden. Du bestellst Ware, räumst sie in die Regale, scannst an der Kasse und versuchst, den Laden sauber zu halten. Soweit, so Casual. Doch sobald die Kundschaft durch die Tür strömt, verwandelt sich das Spiel in ein hektisches Management-Puzzle.
Der größte Pluspunkt von Supermarket Together ist der Koop-Modus. Zu viert wird der Laden zum Schauplatz für absurde Szenen. Während einer versucht, die Preise für die neuen Tiefkühlprodukte festzulegen, rennt ein anderer panisch mit einem Wischmopp hinter einem Kunden her, der gerade seinen Kaffee verschüttet hat. Diese Dynamik ist es, die das Spiel über den Durchschnitt hebt. Es ist kein hochkomplexer Wirtschaftssimulator, aber es fängt das Gefühl eines stressigen Arbeitstages im Einzelhandel erstaunlich gut ein – nur eben mit einer ordentlichen Portion Humor.
Wenn die KI den Dienst quittiert
Wo Licht ist, ist leider auch Schatten. Und bei Supermarket Together ist der Schatten die künstliche Intelligenz. Die Kunden verhalten sich oft so, als hätten sie noch nie einen Supermarkt von innen gesehen. Da stauen sich Menschenschlangen vor einer Kasse, während die daneben komplett leer ist. Manchmal bleiben NPCs einfach in den Gängen stehen, blockieren den Weg für meine Mitspieler und sorgen für frustrierende Momente, in denen man sie am liebsten einfach aus dem Laden schubsen würde (was leider nicht geht).
Auch technisch ist das Spiel kein Meilenstein. Die Grafik ist zweckmäßig – funktional, aber weit entfernt von modernem Standard. Die Texturen der Produkte wirken oft matschig, und die Animationen beim Einräumen der Regale sind eher hölzern. Wer hier grafische Brillanz erwartet, ist definitiv an der falschen Adresse. Aber ehrlich gesagt: Bei einem Spiel, das so sehr auf den Spielfluss und den Multiplayer-Spaß setzt, verzeiht man das nach der ersten Stunde.
Der Suchtfaktor: Nur noch eine Lieferung
Trotz der technischen Schwächen und der repetitiven Aufgaben – man macht im Grunde den ganzen Tag das Gleiche – gibt es diesen „Nur noch eine Lieferung“-Effekt. Das Fortschrittssystem ist simpel, aber effektiv. Wenn man genug Geld verdient hat, um den Laden zu erweitern, neue Regale zu kaufen oder endlich einen Selbstbedienungs-Scanner zu installieren, fühlt sich das wie ein echter Sieg an. Diese kleinen Belohnungen halten einen bei der Stange, selbst wenn man zum zehnten Mal an diesem Tag die Regale mit Konservendosen auffüllen muss.
Ein weiterer Kritikpunkt ist das Balancing. Sobald der Laden eine gewisse Größe erreicht, wird das Mikromanagement zur Qual. Man verbringt mehr Zeit damit, durch die Gänge zu rennen, um leere Stellen zu finden, als sich um die Strategie zu kümmern. Hier hätte ich mir mehr Automatisierungsmöglichkeiten gewünscht, um den Fokus stärker auf die Expansion und weniger auf das manuelle Schleppen von Kisten zu legen.
Fazit: Ein Muss für Koop-Fans
Ist Supermarket Together ein Meisterwerk? Nein. Es ist ein technisch mittelmäßiger Simulator mit einer fragwürdigen KI. Aber – und das ist ein großes Aber – es ist eines der unterhaltsamsten Koop-Erlebnisse des Jahres 2024. Wenn ihr Freunde habt, die bereit sind, mit euch gemeinsam in den Einzelhandels-Abgrund zu blicken, werdet ihr hier euren Spaß haben.
Für Solospieler ist das Spiel auf Dauer etwas zu eintönig und die Mängel in der KI fallen hier deutlich stärker ins Gewicht. Wer jedoch ein Spiel für einen verregneten Sonntagabend mit Discord-Freunden sucht, bei dem man sich über die Inkompetenz der virtuellen Kunden auslassen kann, der ist hier genau richtig. Supermarket Together ist kein Spiel für die Ewigkeit, aber für ein paar Dutzend Stunden voller Chaos und Lacher ist es definitiv eine Empfehlung wert.
Packt die Regale voll, stellt euch an die Kasse und hofft, dass heute kein Kunde den Boden vollkleckert – denn ihr wisst genau: Ihr werdet es sein, der den Mopp schwingt.
+ PRO
- +Extrem motivierender Loop aus Bestellen, Einräumen und Kassieren
- +Koop-Modus sorgt für unvorhersehbares Chaos und Lacher
- +Ständiges Progressionsgefühl durch Laden-Upgrades
- CONTRA
- -KI der Kunden ist teilweise unterirdisch
- -Grafik wirkt zweckmäßig und wenig detailreich
- -Repetitives Gameplay kann nach einigen Stunden ermüden
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