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Zwischen Kassensturz und Warenverräumung: Warum uns Supermarket Simulator so süchtig macht
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Zwischen Kassensturz und Warenverräumung: Warum uns Supermarket Simulator so süchtig macht

Ein minimalistischer Simulator, der das monotone Leben eines Ladenbesitzers überraschend fesselnd in Szene setzt – trotz technischer Schwächen und repetitiver Abläufe.

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Tommes Parzl
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Es gibt diese Spiele, bei denen man sich nach zehn Minuten fragt: „Warum mache ich das eigentlich?“ Und nach drei Stunden stellt man fest, dass man gerade eine Excel-Tabelle für die optimale Anordnung von Dosen-Erbsen erstellt hat. Supermarket Simulator ist genau so ein Titel. Es ist kein grafisches Meisterwerk, es bietet keine tiefgründige Story und doch hat es mich – und tausende andere Spieler – in den letzten Wochen vollkommen in seinen Bann gezogen.

Der tägliche Wahnsinn im Gang 4

Das Spielprinzip ist so simpel wie genial: Du startest mit einem leeren Laden, ein paar Regalen und einem begrenzten Budget. Dein Ziel? Den Laden vergrößern, das Sortiment erweitern und natürlich: Gewinn machen. Der Gameplay-Loop besteht aus dem Bestellen von Waren über den PC, dem Auspacken der Kartons, dem Einräumen der Regale und dem Kassieren der Kunden.

Was sich auf dem Papier nach Arbeit anfühlt, entpuppt sich als eine Art „Zen-Modus“. Das Einräumen der Produkte in die Regale hat etwas Meditatives. Wenn man die Packungen akkurat ausrichtet und das Lager sortiert, stellt sich ein befriedigendes Gefühl von Ordnung ein. Doch der Schein trügt, denn der Supermarket Simulator verlangt dir einiges an Management-Geschick ab.

Die Tücken der Marktwirtschaft

Der wohl spannendste Aspekt ist die Preisgestaltung. Jeden Morgen checkst du den Marktpreis für deine Produkte. Ist der Preis für Milch gestiegen? Dann musst du deine Preise anpassen, sonst machst du Verlust. Die Kunden sind dabei gnadenlos: Ist dein Preis zu hoch, lassen sie die Ware liegen. Ist er zu niedrig, verschenkst du wertvolle Marge. Dieses kleine Wirtschafts-System verleiht dem Spiel eine notwendige Tiefe, die über das bloße „Klicken und Einräumen“ hinausgeht.

Besonders in den ersten Stunden ist das Erfolgserlebnis groß. Wenn du genug Geld für eine neue Lizenz gespart hast, um endlich Käse oder Reinigungsmittel ins Sortiment aufzunehmen, fühlt sich das wie ein echter Meilenstein an.

Wo das Licht ist, ist auch Schatten

Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten – und davon hat Supermarket Simulator leider einiges. Das größte Problem ist die Repetition. Nach etwa fünf bis sechs Stunden Spielzeit beginnt der Trott. Du hast den Laden auf eine gewisse Größe gebracht, die Regale sind voll, die Abläufe automatisiert. Ab diesem Punkt fehlt dem Spiel ein „Endgame“ oder zumindest eine größere spielerische Herausforderung. Die Kunden-KI ist zudem erschreckend simpel: Sie laufen stur ihre Wege, bleiben an Ecken hängen oder bilden Schlangen, die sich manchmal in Luft auflösen.

Auch technisch ist der Titel kein Glanzstück. Die Steuerung beim Platzieren von Gegenständen kann frustrierend fummelig sein, besonders wenn man versucht, die letzte Packung Nudeln in ein fast volles Regal zu quetschen. Gelegentliche Clipping-Fehler, bei denen Waren durch den Boden fallen oder Kartons in der Wand verschwinden, erinnern uns ständig daran, dass wir es hier mit einem Indie-Titel zu tun haben, der noch einige Patches vertragen könnte.

Warum wir trotzdem weiterspielen

Warum also die 7.2? Weil Supermarket Simulator trotz seiner Macken eine „Just one more day“-Mentalität erzeugt, die viele AAA-Titel vermissen lassen. Es ist die perfekte Feierabend-Beschäftigung, bei der man keine komplexen Combos lernen oder sich durch endlose Dialoge klicken muss. Man schließt den Laden ab, zählt das Geld, plant den nächsten Tag und denkt sich: „Morgen kaufe ich noch zwei weitere Regale für die Tiefkühlkost.“

Für Spieler, die Entspannung suchen und gerne organisieren, ist das Spiel ein absoluter Pflichtkauf. Wer jedoch eine komplexe Wirtschaftssimulation mit tiefgreifenden Management-Entscheidungen erwartet, wird hier vermutlich schnell enttäuscht werden. Supermarket Simulator ist kein Spiel für die Ewigkeit, aber es ist ein exzellenter Zeitfresser für zwischendurch.

Mein Fazit: Wenn die Entwickler in den kommenden Monaten noch an der KI und der Vielfalt der Events (vielleicht mal ein Ladendieb oder ein Lieferengpass?) arbeiten, könnte aus dem soliden Fundament ein echter Genre-Klassiker werden. Aktuell ist es ein charmantes, wenn auch etwas ungeschliffenes Erlebnis, das genau weiß, wie es seine Spieler bei der Stange hält. Und jetzt entschuldigt mich bitte – mein Lagerbestand an Mehl ist kritisch niedrig.

7.2
/10
GUT

+ PRO

  • +Extrem befriedigende „Loop“-Mechanik
  • +Intuitive Preisgestaltung und Markt-Dynamik
  • +Hoher Suchtfaktor trotz simpler Grafik

- CONTRA

  • -Zunehmend repetitive Spielweise im Mid-Game
  • -Fehlende Tiefe bei der KI der Kunden
  • -Technischer Schliff lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig

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