EndeNews Logo EndeNews
Ein dreckiger kleiner Held: Warum Doronko Wanko das Chaos-Spiel ist, das wir gerade brauchen
Reviews

Ein dreckiger kleiner Held: Warum Doronko Wanko das Chaos-Spiel ist, das wir gerade brauchen

In Doronko Wanko schlüpfst du in die Rolle eines kleinen Zwergspitzes, der in einem luxuriösen Haus für maximales Chaos sorgt. Ein kurzweiliger, schlammiger Spaß für zwischendurch, der jedoch spielerisch schnell an seine Grenzen stößt.

D
Dennis Adam
TEILEN: Twitter Reddit

Es gibt Tage, da möchte man keine komplexen RPG-Systeme durchdringen, keine taktischen Shooter-Matches gewinnen und keine epischen Story-Kampagnen verfolgen. An solchen Tagen möchte man einfach nur ein kleiner, flauschiger Zwergspitz sein, der durch ein sündhaft teures Haus rennt und alles mit Matsch beschmiert. Genau hier setzt Doronko Wanko an, ein Titel, der 2024 aus dem Nichts auftauchte und uns daran erinnert, dass Gaming manchmal einfach nur „dumm und glücklich“ sein darf.

Das Spielprinzip ist so simpel wie genial: Du bist ein Hund, du bist schmutzig, und du hast den Auftrag, ein makelloses, steriles Haus in eine einzige Schlamm-Katastrophe zu verwandeln. Je mehr du dich im Schlamm wälzt und je mehr Möbel, Wände und Teppiche du mit deinen Pfotenabdrücken verzierst, desto mehr Punkte sammelst du. Es ist im Grunde ein „Reverse-Cleaning-Simulator“. Wo man in PowerWash Simulator den Dreck entfernt, um Befriedigung zu finden, ist es hier das exakte Gegenteil. Und ich muss zugeben: Es ist überraschend befriedigend, eine weiße Designercouch mit einem gezielten Schlammsprung in ein braunes Kunstwerk zu verwandeln.

Der größte Pluspunkt von Doronko Wanko ist zweifellos die Atmosphäre. Der Grafikstil ist zuckersüß, die Animationen des kleinen Hundes sind liebevoll gestaltet – wenn er sich schüttelt oder aufgeregt durch die Gegend wuselt, geht einem das Herz auf. Als „Casual“-Titel erfüllt das Spiel seinen Zweck perfekt: Es ist ein digitaler Stressabbau. Man kann nicht verlieren, man kann nicht sterben, man kann einfach nur sein.

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. Und bei Doronko Wanko ist der Schatten vor allem die Spielzeit. Wer nicht gerade versucht, jeden einzelnen Pixel des Hauses perfekt einzusauen, wird nach etwa 45 bis 60 Minuten die Credits sehen. Das ist für einen Vollpreis-Titel – auch wenn er günstig ist – schon eine Ansage. Es gibt keine nennenswerte Progression, keine neuen Fähigkeiten, die man freischaltet, und die Umgebung ist recht überschaubar.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Steuerung. Während das Wuseln durch die Räume meist Spaß macht, fühlt sich die Kollisionsabfrage manchmal etwas unpräzise an. Wenn man versucht, gezielt eine bestimmte Ecke zu treffen, oder wenn man an einer Kante hängen bleibt, merkt man, dass das Spiel technisch nicht auf AAA-Niveau poliert wurde. Es ist kein „Game-Breaking“-Bug, aber es kann in den kurzen Momenten, in denen man etwas präziser agieren möchte, für ein leichtes Stirnrunzeln sorgen.

Auch die spielerische Tiefe fehlt komplett. Man läuft durch Räume, wälzt sich im Schlamm, läuft über Möbel. Das war’s. Es gibt keine Rätsel, keine Interaktion mit den Bewohnern des Hauses, die über ein kurzes Weglaufen hinausgeht. Man hätte sich hier mehr Interaktionsmöglichkeiten gewünscht – vielleicht ein paar Spielzeuge, die man zerstören kann, oder verschiedene Hundetypen mit unterschiedlichen Eigenschaften. So bleibt es bei einer sehr repetitiven, wenn auch charmanten Erfahrung.

Warum gebe ich dem Spiel dann trotzdem eine 7.2? Weil Doronko Wanko genau das liefert, was es verspricht, ohne dabei prätentiös zu sein. In einer Industrie, die oft von „Live-Service“-Druck, toxischen Communities und überladenen Mechaniken dominiert wird, ist dieser kleine Matsch-Hund ein erfrischendes Statement. Es ist ein Spiel, das man seinem nicht-spielenden Partner oder seinem Kind in die Hand drücken kann, und beide werden nach fünf Minuten lächelnd vor dem Bildschirm sitzen.

Fazit: Doronko Wanko ist kein Spiel für die Ewigkeit. Es ist kein Meilenstein der Spielegeschichte und wird bei den Game Awards sicher keine Preise für das beste Gamedesign abräumen. Aber es ist ein wunderbares „Snack-Spiel“ für zwischendurch. Wenn ihr einen schlechten Tag hattet und einfach nur mal kurz die Welt (oder zumindest ein Wohnzimmer) in Schlamm versinken lassen wollt, dann ist dieser Titel genau das Richtige für euch. Erwartet nur kein tiefgründiges Abenteuer – erwartet einen kleinen, dreckigen Hund, der einfach nur spielen will. Und manchmal reicht das völlig aus.

7.2
/10
GUT

+ PRO

  • +Extrem hoher Niedlichkeitsfaktor und charmantes Art-Design
  • +Befriedigendes Spielgefühl beim „Einsauen“ der Umgebung
  • +Absolut stressfreies Gameplay ohne Zeitdruck oder Game-Over-Bildschirm

- CONTRA

  • -Sehr geringer Umfang, nach einer Stunde ist alles vorbei
  • -Die Steuerung wirkt teils etwas schwammig und unpräzise
  • -Kaum spielerische Tiefe oder nennenswerte Herausforderungen

VERWANDTE ARTIKEL