All But Weak, Wenn Schwäche zum Prinzip wird
Ein minimalistischer Action-Plattformer, der mit einer originellen Grundidee scheitert, weil Umsetzung und Umfang nicht über das Konzeptstadium hinauskommen.
Ein erster Eindruck
„All But Weak“ möchte zeigen, dass ein Held auch ohne Kraft überleben kann. Die Prämisse: Der Protagonist kann nicht angreifen, nur ausweichen und springen. Ein mutiger Ansatz für ein Action-Spiel. Leider bleibt genau das die einzige Idee.
Nach dem Start findet man sich in einem leeren, pixeligen Raum wieder. Kein Tutorial, keine Erklärung. Nur eine unsichtbare Wand, die den Weg nach rechts blockiert. Nach kurzem Herumirren löst ein zufälliger Sprung den ersten Gegner aus: ein Quadrat mit Augen, das auf einen zurollt.
Gameplay: Ausweichen als einzige Mechanik
Die Steuerung beschränkt sich auf eine Taste: Springen oder Ausweichen, je nach Kontext. Kein Sprint, kein Blocken, keine Interaktion. Gegner kommen in Wellen aus einer Richtung. Man muss ihnen im richtigen Moment ausweichen.
- Das grundlegende Timing funktioniert, wenn die Kollisionsabfrage mitspielt.
- In etwa 40% der Fälle wird man getroffen, obwohl man längst außerhalb der Trasse ist.
- Nach zehn Wellen erscheint ein Endgegner: ein größeres Quadrat, das doppelt so schnell rollt.
- Der Kampf dauert exakt 30 Sekunden, dann erscheint der Abspann. Ein credits screen, der länger ist als das Spiel selbst.
Die Idee, einen Ausweich-Only-Plattformer zu bauen, ist nicht dumm. Aber ohne Varianten, ohne Power-Ups, ohne Risiko-Belohnung-System wird aus der Mechanik eine fade Aneinanderreihung von Glückstreffern.
Grafik & Sound: Retro-Charme trifft auf leere Bühne
Die Pixelgrafik ist minimalistisch, aber stimmig. Die Farbpalette setzt auf gedecktes Blau und Orange. Der Hintergrund zeigt eine sich wiederholende Skyline mit Bäumen, die sich nicht bewegen. Nach drei Minuten hat man jedes Detail gesehen.
- Der einzige Soundeffekt ist ein dumpfes „Plopp“ beim Ausweichen.
- Die Musik ist ein 8-Bit-Loop mit vier Takten, der nach 25 Durchläufen nervt.
- Keine Sprachausgabe, keine Atmo-Geräusche. Stille zwischen den Wellen.
Es gibt ein Hauptmenü mit einem Pixel-Logo. Das ist alles. Keine Optionen, keine Einstellungen. Man startet das Spiel, spielt, schließt es.
Technik und Mängel
Technisch ist „All But Weak“ auf dem Niveau eines Programmieranfängers. Die .exe wiegt 12 Megabyte. Der Code scheint in einem einfachen Framework geschrieben zu sein.
- Das Spiel stürzt beim Verlassen eines Levels manchmal ab.
- Nach dem Tod gibt es keinen Continue, man startet von vorne.
- Die Fenstergröße ist fix 640x480, kein Vollbild möglich.
- Alt-Tab führt zu schwarzem Bildschirm. Man muss den Task-Manager bemühen.
Besonders ärgerlich: Der Speicherstand existiert nicht. Jede Sitzung beginnt bei Null. Selbst der erreichte Highscore wird nicht gespeichert. Das ist kein Feature, sondern ein Bug.
Fazit: Ein Geistesblitz ohne Bodenhaftung
„All But Weak“ hätte ein interessanter minimalistischer Titel sein können, wenn das Entwicklerteam die Mechanik weiterentwickelt und die technischen Probleme behoben hätte. So bleibt nur das Gefühl, ein Tech-Demo-Fragment aus dem Jahr 2005 zu spielen, inklusive fehlender Speicherfunktion und glückhafter Kollisionserkennung.
Wer einen netten Fünf-Minuten-Zeitvertreib sucht, findet hier allenfalls eine Kuriosität. Für jeden anderen ist es pure Zeitverschwendung. Die Wertung von 3,5/10 spiegelt den Funken Potenzial wider, der niemals gezündet hat.
+ PRO
- +Eine einzige Steuertaste reduziert die Einstiegshürde auf null
- +Pixel-Art-Style mit einigen hübschen Farbverläufen in Hintergründen
- +Kurze Ladezeiten unter 2 Sekunden auf älterer Hardware
- +Soundtrack enthält einen eingängigen Loop, der im Ohr bleibt
- +Spiel lässt sich in unter 20 Minuten komplett durchspielen
- CONTRA
- -Hitbox-Erkennung erfasst Treffer erst nach 0,5 Sekunden Verzögerung
- -Leveldesign besteht aus genau 4 leeren Korridoren ohne Abwechslung
- -Gegner-KI wiederholt 3 identische Bewegungen, nach 5 Minuten auswendig gelernt
- -Keinerlei Speicherfunktion: Fortschritt wird nach Schließen des Spiels gelöscht
FAZIT
Eine gut gemeinte, aber katastrophal umgesetzte Spielerei, die weder als Technikdemo noch als Zeitvertreib taugt.
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