Göttliches Gemüse mit Ecken und Kanten
Ein ehrlicher Blick auf das skurrile Casual-Adventure „!2“, das zwischen Paradies-Simulation und Schrein-Rätseln eine charmante Nische findet.
Erster Eindruck
„!2“ setzt auf ein ungewöhnliches Konzept: eine kleine Insel, eine launische Göttin und die Aufgabe, den Boden mit einer Handvoll mystischer Samen zu heilen.
Der Einstieg gelingt schnell, die Tutorial-Phasen sind auf 20 Minuten komprimiert, bevor man zum ersten Mal die Hacke schwingt.
Anbausystem als Herzstück
Die Feldarbeit funktioniert wie ein präzises Puzzle, jede Pflanze braucht bestimmte Nährstoffe, Mondphasen und Abstand zu Nachbarpflanzen.
- 14 Feldfrüchte von glühendem Reis bis zu schattenfressenden Wurzeln
- Bodenqualität verändert sich je nach Fruchtfolge, das zwingt zum Durchdenken
- Jahreszeiten mit tatsächlichen Wetterextremen, Taifune zerstören ungeschützte Felder
Gerade die Mischung aus Gemüseanbau und Schreinforschung erzeugt einen Sog, der einen die ruppige Technik vergessen lässt.
Die Welt und ihre Rätsel
Die Schreine funktionieren nach eigenem Logik-System, manche öffnen sich nur bei Regen, andere verlangen eine bestimmte Kopfbedeckung.
Wer bereit ist, Notizen zu machen, entdeckt schnell Verbindungen zwischen den Inselregionen.
- Teleporter-Netz ab Kapitel 2 vorhanden, aber die Wege zwischen den Knotenpunkten sind unnötig weit
- Ein Schrein im Vulkan braucht eine Fackel, die nur nachts am Hafen gekauft werden kann, das ist echtes Adventure-Feeling
- Die Rätsel variieren zwischen Schieben, Kombinieren und Singen, keine Mechanik wiederholt sich zu oft
Präsentation und Technik
Der Grafikstil erinnert an koloriertes Papier, die Charaktere sprechen synthetisches Japanisch, Untertitel sind sauber übersetzt.
Auf einem Mittelklasse-PC läuft das Spiel mit stabilen 60 FPS, die Ladezeiten bleiben unter drei Sekunden.
- Kameraführung in engen Räumen, eine der größten Schwächen im Spiel
- Die Dschungelregion besteht aus zu viel leerer Fläche zwischen den interessanten Punkten
Die Charaktere und ihre Geschichten
Die Bewohner reagieren erstaunlich subtil auf die eigenen Anbau-Entscheidungen, wer viel Pfeffer anbaut, bekommt andere Quests als reine Reisfarmen.
Miko, die Begleiterin, trägt einen Großteil der Stimmung, leider endet ihre Dialog-Variation nach dem dritten Kapitel.
- Die Hafenstadt Tsumugi hat 12 Nebenaufträge, die über reine Botengänge hinausgehen
- Ein Fischer will eine bestimmte Blume, um den Müllberg vor der Küste zu verklagen, das ist herrlich absurd
- Die deutsche Lokalisierung hat ein paar Tippfehler, aber keine sinnentstellenden Übersetzungen
Lange Spannung, kleine Ärgernisse
Der Hauptpfad dauert rund 18 Stunden, mit allen Nebenaktivitäten lassen sich 30 Stunden erreichen.
Dabei stoßen zwei Design-Entscheidungen sauer auf:
- Der Süddschungel fühlt sich trotz Teleportern wie ein Umweg-Parcours an
- Speichern nur an Schreinen, ein plötzlicher Absturz während einer Sammelreise kann bis zu einer Stunde Fortschritt löschen
Die Balance zwischen Anbau-Simulation und Adventure bleibt bis zum Ende angenehm, kein Bereich verdrängt den anderen.
Fazit und Wertung
„!2“ ist kein Meisterwerk, aber genau das richtige Spiel für gemütliche Abende mit einem Notizblock auf dem Schoß. Wer die Eigenheiten der Technik ignoriert, findet ein durchdachtes, skurriles Abenteuer mit tiefer Mechanik und einer Welt, die man nicht so schnell vergisst. Das Spiel erreicht eine 7.5, weil die Mängel bei Kamera und Laufwegen den Spielspaß nicht brechen, aber ihn regelmäßig ausbremsen.
+ PRO
- +Anbausystem mit 14 Feldfrüchten und echten Jahreszeiten belohnt langfristige Planung
- +Schrein-Rätsel verlangen Kombination aus Ausrüstung, Tageszeit und Umgebungslogik
- +Soundtrack von Yoko Ueno passt sich dynamisch an Wetter und Tageszeit an
- +Bewohner reagieren mit individuellen Quests auf die angebauten Pflanzensorten
- +Hafenstadt Tsumugi bietet 12 Nebenaufträge, die die Welt glaubwürdig erweitern
- CONTRA
- -Kamera bleibt in Schreinen regelmäßig an Deckenbalken hängen und verdeckt die Aktion
- -Südlicher Dschungel trotz vier Teleporter-Punkten mit unnötigen Laufwegen gestreckt
- -Speichern nur an Gebetshäusern, ein Absturz nach langen Sammeltouren kostet massiv Zeit
- -Begleiterin Miko wiederholt nach Kapitel 3 dieselben Dialogzeilen für jede Interaktion
FAZIT
Ein charmantes, aber unsauber poliertes Abenteuer, das mit seinem Anbausystem und den cleveren Rätseln klar über seine Technik-Schwächen hinwegträgt.
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