Jile Meitu! 2 im Test: Emotionen als Werkzeug und Stolperstein
Ein kurzweiliger 2D-Plattformer, in dem Meili mit Emotionen als Projektile Rätsel löst, aber unter technischen Wacklern leidet.
Erste Schritte im Schwesternland
Drei Buttons für Freude, Trauer und Wut eröffnen in „!2“ ein kurioses Puzzle-Abenteuer. Die Protagonistin Meili schleudert diese Emotionen als farbige Projektile in die 2D-Umgebung. Das Tutorial ist in zwei Minuten durchgespielt, ohne belehrende Textwände.
Im ersten Level blühen auf Freude hin Gelbe Blumen, die als Sprungfedern dienen. Trauer lässt Regen fallen, der einen Fluss anschwellen lässt. Wut zerstört poröse Wände, aber auch zerbrechliche Brücken. Die Mechanik ist in den ersten Minuten schlüssig, weil sie auf nur drei Aktionen aufbaut.
Rätsel und Leveldesign
Die 12 Level des Hauptpfads sind kompakt gebaut, viele lösen sich in fünf bis zehn Minuten. Es gibt versteckte Wege, die sich nur mit der richtigen Emotion öffnen, etwa eine zerbrechliche Brücke aus Holz, die Wut in Stücke schlägt. Dahinter warten meist Teekannen, insgesamt 40 dieser Sammelobjekte sind verteilt.
Der Schwierigkeitsgrad bleibt angenehm, zumindest bis Level fünf. Danach verlangen einige Rätsel Kombinationen aus zwei Emotionen, etwa Regen erst, dann Blumen, um über eine aufgefüllte Schlucht zu springen. Die beste Idee steckt im achten Level: Hier muss man eine Lawine auslösen, um eine versunkene Tür freizulegen, die dann mit Wut aufgebrochen wird.
Atmosphäre und Humor
Das Spiel nimmt sich selbst nicht ernst. Die Dialoge der fünf Dorfbewohner sind angenehm absurd, etwa der Bäcker, der Meili bittet, seine Brezeln mit Freude-Projektilen aufgehen zu lassen. Der Soundtrack reagiert dynamisch auf die aktive Emotion: Dudelsack bei Freude, Moll-Klavier bei Trauer, verzerrte Gitarre bei Wut.
Die Pixelgrafik ist detailreich und die Animationen von Meili sind charmant, besonders wenn sie nach einem Wut-Schuss kurz keucht. Leider bremsen Ladezeiten von vier Sekunden zwischen den Levels den Fluss aus. Nach dem dritten Absturz im dritten Level wird klar, dass hier nicht alles poliert ist.
Technik und Bedienung
Der Absturz im dritten Level, ausgelöst durch mehrfache Trauer-Projektile auf dieselbe Brücke, ist reproduzierbar. Nach dem Neustart ist das Level unbespielbar, bis man einen früheren Speicherstand lädt. Das ist ein echter Patzer, auch wenn er nur einmal im Test auftrat.
Die Tastatursteuerung hinkt bei exakten Sprüngen etwa 100 Millisekunden hinterher. Mit einem Gamepad fühlt sich Meili deutlich spritziger an, was die Entwickler augenzwinkernd im Optionsmenü zugeben: „Wir empfehlen ein Pad, aber die Tastatur hat uns auch nicht alle geliebt.“
Wiederspielwert und Umfang
Der Hauptpfad dauert ungefähr fünf Stunden, mit allen Teekannen und den fünf Nebenaufträgen sechs. Der Speedrun-Modus mit Online-Bestenliste motiviert, die eigene Zeit zu verbessern, die schnellste Route liegt derzeit bei 38 Minuten. Dazu gibt es 20 Erfolge, die meisten belohnen das Finden der Sammelobjekte.
Die Nebenaufträge sind nett, aber ohne echte Belohnung außer einem Artwork in den Optionen. Hätte das Spiel eigene Outfits für Meili als Anreiz geboten, wäre der Wiederspielwert deutlich höher. So bleibt es ein kompaktes Erlebnis, das man an einem Wochenende durchgespielt hat.
Fazit
„
+ PRO
- +Emotions-Mechanik mit Freude, Trauer, Wut verändert Level und Lösungswege
- +12 kompakt gebaute Level mit optionalen Pfaden für Entdecker
- +40 versteckte Teekannen animieren zum Durchsuchen jeder Ecke
- +Dynamischer Soundtrack passt sich der gewählten Emotion an
- +Speedrun-Modus mit Online-Bestenliste erhöht den Wiederspielwert
- CONTRA
- -Ladezeiten von vier Sekunden zwischen Levels bremsen den Spielfluss
- -Absturzbug bei mehrfacher Trauer-Nutzung im dritten Level
- -Tastatursteuerung reagiert bei Sprüngen etwa 100 Millisekunden verzögert
- -Rätsel ab Level fünf oft mit nur einer Emotion lösbar
FAZIT
Wer über Ladezeiten und den einen Absturz hinwegsehen kann, bekommt sechs Stunden ungewöhnliche Rätselunterhaltung mit charmantem 2D-Look.
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