EndeNews Logo EndeNews
The Sinking City 2: Albtraum mit Schönheitsfehlern
Reviews

The Sinking City 2: Albtraum mit Schönheitsfehlern

The Sinking City 2 taucht Oakmont in Lovecraft'schen Horror, leidet aber unter technischen Hürden und enttäuschenden Nebenwegen.

D
Dennis Adam
TEILEN: Twitter Reddit
SPIEL The Sinking City 2
ENTWICKLER Frogwares
PUBLISHER Frogwares
RELEASE 18. August 2026
PLATTFORMEN: Xbox | PC | PS5

Erster Aufenthalt in Oakmont

Oakmont ist eine Stadt im Ausnahmezustand. Nach dem Hochwasser steht das brackige Wasser in U-Bahn-Schächten, Hausfluren und Kellern, in denen sich die Fälle abspielen. Der Sog des Meeres hat die Straßen überflutet, und die Bewohner mutieren zu wandelnden Kreaturen.

Die Ermittlungsarbeit steht im Mittelpunkt, nicht das schnelle Schießen. Ihr sammelt Hinweise, fotografiert Tatorte, verknüpft Beweise im Notizbuch und zieht Schlüsse, die den weiteren Weg verzweigen. Das ist kein Beiwerk. Die Logik-Rätsel um Schallplatten, Tagebücher und vertonte Botschaften sind mehr als simples Zusammenklicken.

  • Das Notizbuch sammelt alle Fundstücke, inklusive passiver Hinweise auf Geheimnisse in der Spielwelt.
  • Falsche Schlussfolgerungen führen in Sackgassen, die ihr durch neue Hinweise korrigieren müsst.

Gameplay zwischen Schrotflinte und Notizbuch

Der Shooter-Anteil geht nicht unter. Das Arsenal umfasst knorrige Schrotflinten, Repetierer und improvisierte Harpunen, die sich mit Aufsätzen, Munitionstypen und Schäften anpassen lassen. Wer mag, setzt auf Betäubungs- oder Leuchtmunition, um Gegner zu desorientieren, statt sie zu erschießen.

Die Kreaturen kommen aus dem Wasser, aus Wänden und aus der Decke. Ihre Bewegungsmuster werden nach ein paar Stunden vorhersehbar, was den Schrecken mindert, aber die Effektivität im Kampf erhöht. Problematisch bleibt die Kamera: In engen Räumen klebt sie zu dicht am Protagonisten, sodass ihr Gegner im Nahkampf oft nicht seht.

Erkundung auf dem Frachtkahn

Ihr bewegt euch nicht nur zu Fuß durch die Bezirke, sondern auch mit einem motorbetriebenen Frachtkahn. Das Gefährt ist langsam, aber es erlaubt Zugang zu Dächern, Hinterhöfen und halb versunkenen Läden, die zu Fuß unerreichbar bleiben. Diese Routen verstecken Sammelobjekte und alternative Lösungswege für Rätsel.

Doch die große Karte wirkt ausgedünnt. Viele Straßen sind leere Kulissen ohne Interaktionspunkte, und die Überflutung wird zum Treibstoff für Ladezeiten, wenn ihr per Schnellreise von Distrikt zu Distrikt wechselt. Dreißig bis fünfundvierzig Sekunden Wartezeit sind auf der PS5 keine Seltenheit.

Atmosphäre und Sound

Der Soundtrack setzt auf tiefe Streicher und hohle Klaviertöne, die an Bernard Herrmann erinnern. Besonders der Hall in den U-Bahn-Schächten erzeugt ein beklemmendes Gefühl, bevor ein Gegner um die Ecke schlurft. Die Stimmen sind konsequent britisch-mürrisch vertont, Protagonist Charles Reed flucht trocken, wenn er wieder einen Hinweis übersieht.

Die Vertonung der Nebenfiguren bleibt blass, was die Stadt aber nicht unbelebt macht. Die Hauptgeschichte mit ihren Verweisen auf Innsmouth und das Haus auf dem Hügel trägt die Stimmung zuverlässig. Die Beleuchtung spielt dabei eine Hauptrolle: Gelbe Laternen brechen sich in schmutzigem Wasser, während Nebelschwaden die Sichtweite begrenzen.

Technische Baustellen

Abseits der Ladezeiten patzt die Technik regelmäßig. Die KI der Feinde bleibt an Treppengeländern hängen, läuft gegen Türen oder reagiert nicht auf Schüsse durch offene Fenster. Dieser Bug trat in fünfzehn Spielstunden rund ein Dutzend Mal auf.

Die Nebenmissionen enttäuschen, weil sie zu häufig auf Botengänge hinauslaufen. Bringt

7
/10
GUT

+ PRO

  • +Lovecraft-Atmosphäre mit konsequent düsterem Wetter- und Lichtsystem
  • +Abwechslungsreiches Arsenal mit modularen Waffen-Upgrades und Betäubungsmunition
  • +Verzweigte Ermittlungen mit Notizbuch-Mechanik, die echtes Detektivgefühl vermitteln
  • +Frachtkahn-Erkundung eröffnet alternative Routen über das überflutete Oakmont
  • +Derb-nervöse Vertonung des Protagonisten Charles Reed ist mitreißend umgesetzt

- CONTRA

  • -Karte fühlt sich trotz Überflutung zu großen Teilen leer und repetitiv an
  • -Ladezeiten beim Schnellreisen von bis zu 45 Sekunden auf PS5
  • -Gegner-KI bleibt in Büscheln stecken und attackiert gegen Wände
  • -Nebenmissionen degradieren oft zu Botengängen ohne belohnende Auflösung

FAZIT

Lovecraft-Fans bekommen eine dichte Detektivgeschichte, die trotz technischer Stolpersteine und mauer Füllung ihre düstere Faszination entfaltet.

VERWANDTE ARTIKEL