Underchoice, Ein moralischer Tiefpunkt im Adventure-Genre
Das Indie-Adventure Underchoice wirbt mit tiefgründigen Entscheidungen, liefert aber eine Glitch-Orgie mit schlechten Rätseln und liebloser Umsetzung.
Erster Eindruck
Underchoice beginnt mit einer vielversprechenden Prämisse: Der Spieler schlüpft in die Rolle eines verbannten Händlers, der in einer unterirdischen Höhlenstadt ums Überleben kämpft. Die handgemalten Hintergründe im Stil von Tim Burton fallen sofort ins Auge, sie sind stimmungsvoll, wenn auch detailarm. Der Soundtrack mit seinen 15 Ambient-Tracks untermalt die düstere Atmosphäre passend, doch die ersten Dialoge enthüllen schon ein Problem: Die deutsche Übersetzung ist voller Tippfehler und falscher Satzzeichen.
- Die Grafik wirkt liebevoll, aber die Animationen sind steif.
- Die Sprachausgabe auf Englisch ist solide, aber deutsche Texte wirken hingeklatscht.
Das Entscheidungssystem
Der große Verkaufsversprechen ist das verzweigte Dialogmenü mit über 50 Optionen. Tatsächlich gibt es viele Gesprächspunkte, und je nach Wahl ändern sich kleine Reaktionen der NPCs. Doch die Entscheidungen fühlen sich selten bedeutsam an. Oft führen drei verschiedene Antworten zum selben nächsten Satz. Die Verzweigung ist gemogelt: Von den 12 angepriesenen Enden erreicht man die meisten nur durch stumpfes Ausprobieren.
- Die Dialogstruktur ist umfangreich, aber die Konsequenzen sind meist kosmetisch.
- Einige Entscheidungen beeinflussen den Spielverlauf, leider ohne nachvollziehbare Logik.
Rätseldesign und Steuerung
Die Rätsel sind der schwärzeste Punkt. Kein Hinweissystem, kein logischer Aufbau. Wer eine Truhe öffnen will, muss sechs Gegenstände in zufälliger Reihenfolge anklicken, erst der siebte Versuch klappt. Trial-and-Error ohne jedes Muster. Die Karte hilft nicht weiter: Sie zeigt nur grobe Umrisse, lässt sich weder zoomen noch bieten sie Markierungen. Man irrt stundenlang durch die gleichen Gänge.
- Ein Rätsel verlangt, eine Kerze zu entzünden, der benötigte Gegenstand liegt drei Bildschirme weiter versteckt.
- Die Steuerung reagiert träge, besonders beim Interagieren mit Objekten.
Technische Mängel
Hier wird es richtig bitter. Speicherstände korrumpieren regelmäßig, bei jedem dritten Speichern stürzt das Spiel ab oder die Datei ist unbrauchbar. Wer nicht alle fünf Minuten manuell speichert, verliert den Fortschritt der letzten Stunde. Zudem friert das Spiel oft für Sekunden ein, wenn man eine Tür öffnet. Auf einem modernen PC mit 16 GB RAM sind das schlicht unverzeihliche Fehler.
- Der Bug tritt besonders häufig in der Höhlenebene „Glimmer Deep“ auf.
- Ein Patch wurde angekündigt, aber seit drei Monaten nichts mehr gehört.
Fazit
Underchoice besitzt einen Kern aus guten Ideen, die düstere Optik, die üppigen Dialogoptionen und die kompetente englische Sprachausgabe. Doch das Spiel wird von katastrophalen Rätseln, einer unbrauchbaren Karte und technischen Abstürzen zerlegt. Wer bereit ist, sich durch eine kaputte Welt zu quälen, findet ein kurzes (ca. 4 Stunden) Erlebnis mit ein paar gelungenen Momenten. Die meisten Spieler sollten lieber zu funktionierenden Adventures wie „Unavowed“ oder „The Last Door“ greifen. Underchoice ist eine Warnung: Gute Absichten allein machen noch kein gutes Spiel.
+ PRO
- +Verzweigtes Dialogmenü mit über 50 Optionen
- +Handgemalte Hintergründe im düsteren Stil
- +15 Ambient-Tracks schaffen eine gruselige Atmosphäre
- +100 Speicherplätze sind großzügig
- +Englische Sprachausgabe mit 5 professionellen Sprechern
- CONTRA
- -Rätsel bestehen aus sinnlosem Trial-and-Error ohne Logik
- -Speicherstände korrumpieren bei etwa jedem dritten Speichern
- -Karte ohne Zoom und Markierungen ist nutzlos
- -Deutsche Übersetzung wimmelt von Rechtschreibfehlern
FAZIT
Underchoice ist ein ambitioniertes, aber technisch kaputtes Adventure, das nur geduldige Nostalgiker ansehen sollten, und selbst die werden enttäuscht.
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