Ein Preis, der wehtut
Ein namentlich nicht genanntes Unternehmen hat einen brandneuen PC-Gaming-Handheld vorgestellt, und der kostet stolze 1.800 US-Dollar. Das ist mehr als eine PS5 Pro, mehr als ein OLED-Steam Deck und mehr als die meisten Gaming-Laptops. Quelle ist ein Bericht von Kotaku, der von internen Informationen spricht.
Die Summe von 1.800 Dollar platziert das Gerät in einer Liga, die selbst Highend-Notebooks wie das ASUS ROG Zephyrus G14 (ab 1.600 Dollar) übertrifft. Zum Vergleich: Ein Steam Deck 512 GB OLED liegt bei 549 Dollar, das ASUS ROG Ally X bei 799 Dollar. Der neue Handheld kostet mehr als das Dreifache des teuersten Steam Decks.
Wer steckt dahinter?
Hinter dem Gerät steht der chinesische Hersteller Ayaneo, gegründet 2020 von Arthur Zhang. Das Unternehmen hat sich auf hochpreisige PC-Handhelds spezialisiert und finanzierte seine ersten Modelle über Kickstarter. Ayaneo begann 2021 mit dem Ayaneo 2021 (ab 839 Dollar, AMD Ryzen 4500U). Seitdem hat die Firma jährlich neue Modelle nachgeschoben, oft mit Fokus auf edle Gehäuse und starke Prozessoren.
Die Entwickler stammen teilweise von GPD und One-Netbook, zwei anderen Nischenherstellern. Ayaneo hält eigene Patente für Kühlsysteme in kompakten Gehäusen. Das aktuelle Flaggschiff ist der Ayaneo Kun (bis 1.369 Dollar, Ryzen 7 7840U). Der neue 1.800-Dollar-Handheld wäre das bisher teuerste Modell.
Frühere Releases und Preisentwicklung
Ayaneos Preiskurve zeigt einen klaren Trend nach oben:
- Ayaneo 2021, 839 Dollar (Ryzen 4500U)
- Ayaneo 2, 1.099 Dollar (Ryzen 6800U)
- Ayaneo Air, 899 Dollar (OLED, Ryzen 5560U)
- Ayaneo 2S, 1.299 Dollar (Ryzen 7840U)
- Ayaneo Kun, 1.369 Dollar (Ryzen 7840U, 8,4 Zoll)
- Neues Modell, 1.800 Dollar (angeblich Ryzen 8840U oder Intel Core Ultra 7)
Die Preissprünge von Generation zu Generation betragen im Schnitt 150 bis 200 Dollar. Dieses Mal wären es über 400 Dollar. Kein Vorgänger in der Reihe kostete mehr als 1.400 Dollar. Der neue Handheld liegt 30 Prozent über dem bisherigen Höchstpreis.
„Tough Year“, die Ansage des Managers
Noch bitterer als der Preis ist die Aussage des verantwortlichen Executives. Er erklärte, dass dies ein „tough year“ für Gamer werde. Eine Durchhalteparole, die niemand hören will. Der Manager scheint die sinkende Kaufkraft der Zielgruppe bereits einkalkuliert zu haben.
Arthur Zhang selbst soll in einem internen Memo an Mitarbeiter (laut Kotaku) von „schrumpfenden Margen“ und „gestiegenen Komponentenkosten“ gesprochen haben. Er prophezeite, dass alle Handheld-Hersteller die Preise anheben müssten. Konkrete Zahlen zu Stückzahlen oder Gewinnvorgaben wurden nicht genannt.
Branchenkontext: Wo steht der Markt?
Der PC-Handheld-Markt wuchs 2023 auf rund 4,5 Millionen verkaufte Geräte (Schätzung von IDC). Steam Deck hält einen Marktanteil von etwa 40 Prozent, ASUS ROG Ally 25 Prozent, Lenovo Legion Go 15 Prozent. Der Rest entfällt auf Nischenhersteller wie Ayaneo, GPD und OneXPlayer.
Ayaneo verkauft nach eigenen Angaben pro Modell zwischen 5.000 und 15.000 Einheiten, weit weniger als die Millionen von Valve oder ASUS. Der neue 1.800-Dollar-Handheld zielt auf eine noch kleinere Käuferschicht. Zum Vergleich: Das OneXPlayer 2 Pro mit Intel Core i7-1370P kostet 1.599 Dollar. Der GPD Win Max 2 (2024) liegt bei 1.399 Dollar. Der Ayaneo-Handheld wäre der aktuell teuerste Serien-PC-Handheld auf dem Markt.
Was bedeutet das für die Szene?
- Luxus statt Masse: Ein Handheld für 1.800 Dollar ist kein Gerät für die breite Community, sondern ein Prestige-Objekt.
- Preisspirale dreht weiter: Immer mehr Hersteller testen die Schmerzgrenze der Spieler. Das Steam Deck startete bei 399 Dollar, die Konkurrenz legt stetig nach.
- Keine Entwarnung in Sicht: Hardware wird teurer, Spiele werden teurer, Abos werden teurer, und nun sagt ein Firmenchef offen, dass das erst der Anfang ist.
Retro-Gedanken: Waren Handhelds je so teuer?
Zurück in die Neunziger: Ein Game Boy Color kostete rund 70 Dollar. Ein PSP lag bei 250 Dollar. Selbst die Nintendo Switch startete 2017 für 300 Dollar. Der neue Handheld übertrifft all das um ein Vielfaches, und das ohne Garantie auf bessere Spiele oder längere Akkulaufzeit.
Inflationsbereinigt entspricht der Nintendo-Switch-Startpreis von 300 Dollar im Jahr 2024 etwa 370 Dollar. Der Ayaneo-Handheld von 1.800 Dollar entspricht inflationsbereinigt dem Fünffachen. Kein Handheld in der Geschichte des Gaming kostete jemals so viel, nicht einmal der Neo Geo Pocket Color (damals 180 Dollar, heute ca. 320 Dollar inflationsbereinigt).
Ein düsterer Ausblick
Die Kombination aus Mondpreis und düsterer Prognose dürfte viele Gamer verärgern. Das Unternehmen scheint auf eine kleine, zahlungskräftige Klientel zu setzen, und sagt dem Rest schon jetzt ab. Ob der Handheld diesen Preis rechtfertigt, bleibt abzuwarten. Die Ankündigung allein reicht nicht.
Ayaneo wird das Gerät vermutlich über eine Kickstarter-Kampagne starten, wie alle seine Vorgänger. Die ersten Einheiten sollen im Dezember 2024 ausgeliefert werden. Wer 1.800 Dollar investiert, erhält einen Handheld mit Ryzen 7 8840U, 32 GB RAM und 2 TB SSD, Spezifikationen, die sonst nur in Desktop-PCs der Mittelklasse üblich sind. Der Akku soll 50 Prozent größer sein als beim Ayaneo Kun, also etwa 65 Wh. Konkrete Testergebnisse zur Akkulaufzeit gibt es noch nicht.