Die Ruhe nach dem Release
Nicht jedes Spiel muss nach 20 Stunden enden. Manche Titel liefern Stoff für Wochen, Monate oder sogar Jahre. Die Kollegen von GIGA haben 14 solcher Dauerbrenner zusammengestellt. Darunter Klassiker wie The Witcher 3: Wild Hunt (CD Projekt Red, 2015), das mit über 100 Haupt- und Nebenquests aufwartet und laut HowLongToBeat für eine Komplettierung rund 170 Stunden benötigt. Der polnische Entwickler hatte zuvor vor allem die The Witcher-Reihe (2007, 2011) geprägt, die auf den Romanen von Andrzej Sapkowski basiert, ein Franchise, das sich weltweit über 50 Millionen Mal verkauft hat.
Was macht ein Spiel unendlich?
- Umfangreiche Welten mit Hunderten von Nebenquests
- Wiederspielbarkeit durch unterschiedliche Klassen oder Entscheidungen
- Multiplayer-Komponenten oder Modding-Support
- Skill-Bäume und Sammelobjekte, die zum Erkunden animieren
Diese Zutaten sind kein Zufall. Entwickler setzen bewusst auf Langzeitmotivation, weil sie wissen: Spieler wollen nicht nach einem Wochenende den Abspann sehen. Ein Paradebeispiel ist RimWorld (Ludeon Studios, 2018), das durch prozedurale Generierung und tiefe KI-Simulationen unendliche Wiederspielbarkeit bietet. Der kanadische Ein-Mann-Entwickler Tynan Sylvester hatte zuvor an Osiris: New Dawn (2016) mitgearbeitet, bevor er mit RimWorld ein Spiel schuf, das 2022 die Marke von 1,5 Millionen verkauften Exemplaren erreichte, ohne nennenswerte Marketingkampagne, nur durch Mundpropaganda und Modding-Community.
Nicht mehr, sondern die richtigen
Die Botschaft der Liste ist klar: Ihr braucht nicht 50 Spiele in der Bibliothek. Vierzehn reichen, wenn es die richtigen sind. Jeder Titel auf der GIGA-Liste bietet hunderte Stunden Unterhaltung, ohne Füller oder sinnlose Grinds. Retro-Fans kommen dabei genauso auf ihre Kosten wie Liebhaber moderner Open Worlds. Die Auswahl deckt Action, Rollenspiele, Strategie und sogar Indie-Perlen ab.
Betrachtet man die Studio-Historie, fällt auf: Viele dieser Dauerbrenner stammen von kleineren Teams, die vorher Nischenprodukte ablieferten. Factorio (Wube Software, 2020) wurde von zwei tschechischen Brüdern (Michal und Tomáš Kovařík) entwickelt, die zuvor an kaum beachteten Flash-Spielen gearbeitet hatten. Das Fabrik-Bau-Spiel verkaufte sich über 3,5 Millionen Mal und war jahrelang im Early Access, ein Modell, das Fans früh einband. Im Branchenkontext ist das bemerkenswert: Während große Publisher wie EA oder Ubisoft auf jährliche Releases setzen, halten diese Titel ihre Spieler über Jahre ohne Sequel-Druck.
Ein Wochenende ist erst der Anfang
Manche Entwickler treiben es auf die Spitze: Ihre Spiele sind so dicht gepackt, dass man nach 100 Stunden noch Neues entdeckt. Das ist kein Zufall, sondern Handwerkskunst. Elden Ring (FromSoftware, 2022) etwa enthält über 100 Bosse und eine Karte, die laut Entwicklerangaben so groß ist wie die von The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Das japanische Studio hatte zuvor die Dark Souls-Reihe (2011–2016) und Sekiro: Shadows Die Twice (2019) veröffentlicht, alles Titel mit hohem Schwierigkeitsgrad, die Spieler über hunderte Stunden beschäftigen. Verkaufszahlen: Elden Ring erreichte nach einem Jahr über 20 Millionen Einheiten, mehr als jedes vorherige FromSoftware-Spiel.
Wer also das nächste Mal im Store stöbert, sollte sich fragen: Will ich viele kurze Spiele oder eines, das mich wirklich fordert? Die Antwort gibt die GIGA-Liste, 14 Titel, die niemand so schnell vergisst. Selbige umfasst übrigens auch Stardew Valley (ConcernedApe, 2016): Der Einzelentwickler Eric Barone programmierte das Farming-RPG vier Jahre lang in Eigenregie, inspiriert von Harvest Moon. Das Spiel verkaufte sich über 20 Millionen Mal und wird bis heute mit kostenlosen Updates versorgt, ein Modell, das zeigt, wie ein einziger Mensch mit Fokus auf Qualität eine Community über Jahre binden kann.