Neue Spieler, trotzdem Minus
200 Millionen monatlich aktive Xbox-Nutzer, Microsoft gab diese Zahl im April 2024 bekannt. Das entspricht einem Plus von 15 Prozent zum Vorjahr (damals 178 Millionen MAU). Der Zuwachs kommt vor allem von Cloud-Gaming und Game Pass auf PC und Mobilgeräten. Im selben Quartal sank der Xbox-Gesamtumsatz um 2 Prozent auf 5,4 Milliarden US-Dollar. Hardware-Verkäufe brachen um 30 Prozent ein, während Game Pass-Umsätze um 61 Prozent stiegen.
Die Diskrepanz zwischen Nutzerwachstum und finanzieller Performance hat einen handfesten Grund: Viele der neuen Spieler nutzen die günstige Game-Pass-Core-Stufe (10 Euro/Monat) oder kostenlose Cloud-Trials. Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer (ARPU) liegt bei etwa 8 US-Dollar, rund 40 Prozent niedriger als der ARPU von PlayStation Plus (ca. 13 US-Dollar). Microsoft hatte stark in Game Pass und Cloud-Gaming investiert, die Nutzerzahlen bestätigen diese Strategie, die Bilanz noch nicht.
Der CEO: „We need to close that gap“
Asha Sharma, Chief Financial Officer der Xbox-Sparte (nicht CEO, der ist Phil Spencer), kommentierte die Lage im aktuellen Geschäftsbericht mit deutlichen Worten: „We need to close that gap.“ Microsofts Gaming-Chef Phil Spencer hatte bereits 2023 betont, dass man die Monetarisierung der großen Nutzerbasis verbessern müsse. Die Übernahme von Activision Blizzard (68,7 Milliarden US-Dollar, Oktober 2023) soll helfen, deren Spiele wie Call of Duty und Candy Crush generieren hohe In-Game-Käufe.
- 200 Millionen monatlich aktive Nutzer (Stand: April 2024)
- Gleichzeitig rückläufige Hardware-Verkäufe (Series X|S: 28 Millionen Einheiten insgesamt, PS5: über 50 Millionen)
- CEO fordert Maßnahmen zur Schließung der Lücke, vor allem via Free-to-Play-Modellen und höheren Abo-Stufen
Die Herausforderung: Spieler zu Geld machen
Die 200 Millionen Nutzer sind eine enorme Basis, aber viele zahlen kaum. Microsofts Game Pass hat rund 34 Millionen Abonnenten (Stand Juni 2024), davon 13 Millionen auf der teureren Ultimate-Stufe (18 Euro/Monat inklusive Cloud-Gaming). Der Rest nutzt Core oder PC-Only-Abonnements. Zum Vergleich: PlayStation Plus hat 47 Millionen Abonnenten, Nintendo Switch Online 30 Millionen, beide mit höheren Durchschnittsumsätzen.
Microsoft muss Wege finden, die Free-to-Play-Nutzer zu Käufen zu bewegen. Das Unternehmen setzt auf Werbung im Xbox-Dashboard (Beta seit 2023) und In-Game-Werbung in Titeln wie Forza Motorsport. Exklusive Inhalte wie der Call of Duty: Black Ops 6-Early-Access für Ultimate-Abonnenten (Oktober 2024) sollen ebenfalls helfen.
Asha Sharma: „Dieses Jahr wird Xbox wachsen“
Asha Sharma gibt sich optimistisch. Sie glaubt, dass Xbox im laufenden Geschäftsjahr 2026 endlich wieder wachsen wird. Die getätigten Investitionen in Abodienste und Cloud-Infrastruktur sollen sich nun auszahlen. Konkret erwartet Microsoft einen Umsatzschub durch:
- Call of Duty: Black Ops 6 (Release Oktober 2024, Day-1 im Game Pass)
- Indiana Jones and the Great Circle (Dezember 2024, exklusiv auf Xbox und PC)
- Die Integration von Candy Crush-Mikrotransaktionen in den Game Pass (laut Branchenberichten für 2025 geplant)
Sharmas Optimismus basiert auf der gewachsenen Community und der Annahme, dass die Monetarisierung jetzt an Fahrt gewinnt. Die nächsten Quartalszahlen (Februar 2025) werden zeigen, ob ihre Prognose aufgeht.
Die Xbox-Strategie im Branchenkontext
Microsofts Gaming-Sparte hat mit der Activision-Übernahme das größte Spiele-Portfolio der Branche: über 30 Studios, darunter Bethesda (Starfield, Fallout) und Activision Blizzard (Call of Duty, World of Warcraft). Der Umsatz der Sparte lag im Geschäftsjahr 2024 (Ende Juni) bei 21,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr, getrieben von Activision. Ohne die Übernahme wäre der Umsatz um 4 Prozent gesunken.
Zum Vergleich:
- Sony PlayStation: Umsatz 2024: 29,5 Milliarden US-Dollar, operativer Gewinn 2,6 Milliarden (Marge: 8,8 %)
- Nintendo: Umsatz 2024: 11,5 Milliarden US-Dollar, operativer Gewinn 3,5 Milliarden (Marge: 30 %)
- Microsoft Gaming: Operativer Gewinn 2024: 2,1 Milliarden US-Dollar (Marge: 9,8 %)
Die Xbox-Sparte hat die niedrigste Marge der drei großen Konsolenhersteller, trotz des größten Nutzerpools. Der Grund: hohe Kosten für den Game Pass (Lizenzen, Server-Infrastruktur) und niedrige Hardware-Margen (die Series S wird oft unter Herstellungskosten verkauft).
Ausblick, ohne Floskel
Mit 200 Millionen monatlich aktiven Nutzern hat Xbox die größte aktive Gaming-Community weltweit, noch vor PlayStation (ca. 120 Millionen MAU) und Nintendo (ca. 100 Millionen MAU). Die Frage bleibt: Lässt sich daraus nachhaltig Umsatz generieren? Microsoft hat die Lücke benannt, und mit Call of Duty, Candy Crush und der wachsenden Cloud-Infrastruktur die Werkzeuge, sie zu schließen. Ob die nächste Konsolengeneration oder ein neuer Premium-Abo-Tier dazukommt, entscheiden die Quartalszahlen 2025.