Technik, die heute noch Gänsehaut macht
Der Game Boy von Nintendo erschien 1989 in Japan und verkaufte sich weltweit rund 118 Millionen Mal, inklusive aller Revisionen. Entwickelt von Gunpei Yokoi und seiner Abteilung Research & Development 1, basierte das Gerät auf dem Konzept der „veralteten Technik“: Ein 8-Bit-Prozessor aus den 70ern, ein grünliches LCD ohne Hintergrundbeleuchtung und drei AA-Batterien für rund 15 Stunden Spielzeit. Vorgänger war die Game & Watch-Serie (1980), die mit einfachen LCD-Bildern und einer Knopfbatterie auskam.
Das Tamagotchi von Bandai kam 1996 in Japan auf den Markt. Entwickelt von Aki Maita, die ein digitales Haustier als Begleiter für Pendler entwarf, wurden bis 2007 über 82 Millionen Einheiten verkauft. Jedes Gerät enthielt einen 8-Bit-Chip mit 32 KB ROM und 512 Byte RAM. Die Pflege, Füttern, Spielen, Aufräumen, war simpel, aber strikt: Ein vernachlässigtes Tamagotchi starb nach etwa 24 Stunden und ließ sich nicht neu starten.
Der Walkman (1979) und der spätere Discman (1984) stammen von Sony. Der Discman CD-Player mit „Anti-Shock“-Puffer (ab 1991) speicherte 10 Sekunden Musik in einem RAM-Chip, um Sprünge bei Erschütterungen zu glätten. In der Praxis reichte das selten. Verkaufszahlen: Bis 1999 verkaufte Sony rund 50 Millionen Discman-Einheiten.
Von Pixel-Helden bis zum Wählscheiben-Terror
Der Nintendo 64 (1996) war die erste 64-Bit-Konsole und setzte auf Cartridges statt CDs, ein strategischer Fehler, der Sony den Markt öffnete. Mit 32,93 Millionen verkauften Einheiten blieb sie hinter dem PlayStation-Erfolg (102 Mio.) zurück. Super Mario 64 und The Legend of Zelda: Ocarina of Time definierten 3D-Spielmechaniken, die bis heute nachwirken. Die Entwicklung dauerte vier Jahre, die CPU war ein 93,75 MHz MIPS R4300i.
Der Sega Mega Drive (in den USA als Genesis bekannt) erschien 1988 in Japan. Sega hatte zuvor mit dem Master System (1985) nur Nischenerfolge erzielt. Der Mega Drive brachte 16-Bit-Grafik und den Soundchip Yamaha YM2612, der für markante Bassläufe bekannt ist. Verkaufszahlen: rund 30 Millionen Einheiten. Sonics erster Auftritt 1991 war die Antwort auf Nintendos Mario, Sega setzte auf Tempo und „Blast Processing“ als Marketinglüge.
Die Game Boy Camera (1998) war ein Modul mit einer 128×128 Pixel CMOS-Kamera. Entwickelt von Nintendo und dem japanischen Unternehmen OmniVision, speicherte sie vier Bilder im internen RAM. Ein Drucker (Game Boy Printer) druckte die Fotos auf Thermopapier. Die Auflösung entsprach 0,016 Megapixeln. Heute ist das Modul bei Sammlern wegen seiner Seltenheit gefragt.
Das Wählscheiben-Telefon war in den 90ern bereits ein Auslaufmodell, die meisten Haushalte nutzten Tastentelefone. Es taugt hier als Symbol für die analoge Vergangenheit, die parallel zur Digitalisierung existierte.
Warum diese Geräte heute Kult sind
Akkus der 90er waren Nickel-Cadmium-Zellen mit geringer Kapazität. Der Game Boy Color (1998) hielt mit zwei AA-Batterien rund 10 Stunden, der Vorgänger Game Boy Pocket (1996) sogar nur 8. Displays waren monochrom oder maximal 56 Farben (Game Boy Color). Tamagotchi-Batterien (CR2032) hielten zwei bis drei Wochen, danach war das Tier tot.
Der Discman-Anti-Shock-Mechanismus basierte auf einem Puffer von 10 bis 40 Sekunden, je nach Modell. Bei starkem Schütteln riss der Ton dennoch ab. Die Konkurrenz, etwa Panasonic mit „Anti-Shock 40s“, bot keine echte Verbesserung.
Die MiniDisc (Sony, 1992) nutzte ATRAC-Kompression, um 74 Minuten Musik auf eine 2,5-Zoll-Disc zu pressen. Die Qualität lag unter der von CDs, der Formfaktor war aber portabler. Sony verkaufte bis 2011 etwa 22 Millionen Player. Der iMac G3 (1998) von Apple brachte USB und CRT-Monitor in einem bunten Gehäuse. Entwickelt von Jony Ive, verkaufte er sich 5,5 Millionen Mal und rettete Apple aus der Krise.
Ein Test für echte 90s-Kids
Die vollständige Liste mit 23 Geräten findet sich bei GIGA. Wer mehr als die Hälfte benennen kann, hat die Schulzeit in den 90ern verbracht. Der Game Boy Color (32,47 Millionen Einheiten) und das Tamagotchi Connection (2004, mit IR-Schnittstelle) sind heute auf Flohmärkten für 30 bis 80 Euro zu haben. Der iMac G3 bringt im Originalzustand bis zu 400 Euro, mehr als das doppelte des Neupreises von 1998.