Physisch statt digital, ein Statement mit Gewicht
Dan Houser, Mitbegründer von Rockstar Games, hat sich in einem aktuellen Interview klar positioniert: Wenn Spieler Spiele auf Disc oder Modul verlangen, sollten Unternehmen diese Wünsche erfüllen. „Companies should provide it“, so Houser wörtlich.
- Das Statement ist brisant, weil Houser Rockstar 2024 verlassen hat.
- Sein Name steht dennoch für Ären, in denen physische Releases Standard waren.
Rockstars Weg zum physischen Giganten
Rockstar Games entstand 1998 aus dem britischen Publisher BMG Interactive. Die Brüder Sam Houser und Dan Houser übernahmen das Team von DMA Design, das bereits Grand Theft Auto (1997) entwickelt hatte. Dan Houser war Chefautor und Produzent der gesamten 3D-GTA-Reihe sowie von Red Dead Redemption und Bully.
- Physische Releases waren von Anfang an das Geschäftsmodell. GTA III (2001) erschien auf PS2-Disc, GTA: San Andreas (2004) auf DVD. Die Spiele wurden in aufwendigen Boxen verkauft, oft mit Karten, Handbüchern.
- GTA V (2013) verkaufte sich über 195 Millionen Mal, die große Mehrheit als Disc-Version für PS3, PS4 und Xbox. Erst 2020 kam eine reine Digital-Edition für PS5 und Xbox Series.
- Red Dead Redemption 2 (2018) wurde in einer Collector’s Box mit Karte, Briefmarken und Kunstdrucken ausgeliefert. Houser persönlich bestand auf solchen Extras.
Housers Statement ist vor diesem Hintergrund kein Zufall. Er hat zwei Jahrzehnte lang den physischen Vertrieb mitgestaltet. Sein Weggang von Rockstar 2024 beendete eine Ära, aber seine Haltung bleibt.
Der digitale Trend und seine Kehrseite
Immer mehr Publisher setzen auf rein digitale Veröffentlichungen. Spiele wie Alan Wake 2 oder Hellblade 2 erschienen ohne Discversion, und stießen auf gemischte Reaktionen.
- Sammler und Retro-Fans fühlen sich abgehängt.
- Physische Medien bieten volle Eigentumsrechte, keine Abhängigkeit von Servern.
Housers Aussage trifft einen Nerv, der in der Community schon lange schwelt. Die Debatte um Erhalt von Spielkultur und Besitzrechten wird lauter.
Der Druck der Digital-only-Publisher
Viele Publisher setzen auf rein digitale Veröffentlichungen, um Kosten für Fertigung, Logistik und Ladenregale zu sparen. Alan Wake 2 (Remedy Entertainment, 2023) erschien nur digital, Publisher Epic Games betreibt keinen eigenen physischen Vertrieb. Hellblade 2 (Ninja Theory, 2024) folgt demselben Modell. Beide Spiele sind auf Xbox und PC spielbar, wo Microsoft den Disc-Verkauf nicht erzwingt.
- In Deutschland betrug der Anteil physischer Spiele am Gesamtumsatz 2023 laut game e.V. 39 Prozent (1,3 Milliarden Euro). Bei Nintendo Switch waren es sogar 60 Prozent physische Cartridges.
- Take-Two Interactive (Rockstars Mutterkonzern) veröffentlicht weiterhin alle großen Titel physisch. Grand Theft Auto VI wird laut aktuellen Angaben auch auf Disc erscheinen. CEO Strauss Zelnick sagte 2023: „Wir werden physische Produkte liefern, solange Kunden sie kaufen.“
- Der Druck auf Publisher, auf Discs zu verzichten, kommt weniger von Spielern als von Kostenkalkulationen. Eine Disc-Pressung kostet etwa 1 bis 2 Euro pro Einheit, bei Millionenauflagen ein sechsstelliger Betrag. Dazu kommen Transport, Lagerung, Rücknahmen.
Housers Appell richtet sich genau an diese Kalkulation: Er argumentiert, dass die Nachfrage vorhanden ist und bedient werden sollte, nicht dass sie kosteneffizient sein muss.
Was bedeutet das für Rockstar?
Rockstar selbst hält an physischen Releases fest: Grand Theft Auto VI erscheint laut aktuellen Infos auch auf Disc. Ob das unter dem neuen Mutterkonzern Take-Two so bleibt, ist offen.
- Housers Meinung könnte als Wink an alte Weggefährten verstanden werden.
- Er selbst arbeitet inzwischen mit Absurd Ventures an neuen Projekten, ob dort auch physisch ausgeliefert wird, ist unklar.
Fazit: Ein Appell an die Branche
Dan Houser bringt auf den Punkt, was viele Spieler seit Jahren fordern: Wahlfreiheit. Nicht jeder will Spiele nur streamen oder herunterladen, und die Industrie sollte das respektieren.
Ob Publisher darauf hören, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Die Nachfrage nach physischen Spielen ist da. Houser hat sie nur lauter ausgesprochen.