Aus für Altman-Biopic: Zu heiß für Bezos?
Einem Bericht von Kotaku zufolge hat Amazon einen fast fertigen Film über Sam Altman aus dem Programm genommen. Der Grund: Der Konzern schloss zeitgleich einen 50-Milliarden-Dollar-Deal mit Altmans Firma OpenAI ab.
Regisseur Luca Guadagnino („Call Me by Your Name”) hatte das Projekt bereits vollendet, es fehlten wohl nur noch letzte Schnitte. Das Biopic zeigt Altman als „buffoon billionaire”, einen albernen Milliardär.
- Der Deal zwischen Amazon und OpenAI soll Cloud-Dienste und KI-Integration umfassen.
- Der Film enthielt mutmaßlich kritische Töne gegenüber Altman und seiner Firma.
- Amazon befürchtete wohl Imageschaden oder Vertragsbruch.
Hintergrund: Guadagnino, Amazon Studios und frühere Projekte
Luca Guadagnino ist kein unbeschriebenes Blatt für Amazon. Sein Horror-Remake „Suspiria” (2018) wurde von Amazon Studios in den USA vertrieben und kostete rund 20 Millionen Dollar, ein ähnliches Budget wie das Altman-Biopic. Guadagninos Filme wie „Bones and All” (2022) oder „We Are Who We Are” (HBO-Serie) sind für ihre politische Subtext und sensible Figurenzeichnung bekannt. Das Altman-Projekt war seine erste direkte Regiearbeit für Prime Video.
Amazon Studios selbst hat in der Vergangenheit bereits Projekte nach Fertigstellung gestoppt. 2021 zog das Studio eine Serie über Jeffrey Epstein zurück, nachdem interne Prüfungen ethische Bedenken ergaben. 2022 wurde die Science-Fiction-Serie „The Peripheral” nach einer Staffel abgesetzt, obwohl Kritiken positiv ausfielen, offiziell wegen Kosten, inoffiziell wegen strategischer Neuausrichtung. Der Altman-Film reiht sich in diese Muster ein: künstlerische Fertigstellung, dann plötzlicher Rückzug.
Der OpenAI-Deal: Zahlen und Kontext
Der 50-Milliarden-Deal zwischen Amazon und OpenAI wäre eine der größten Cloud-Partnerschaften der Tech-Geschichte. Zum Vergleich: OpenAI schloss 2023 einen 13-Milliarden-Deal mit Microsoft, der hauptsächlich Azure-Rechenleistung und KI-Training umfasste. Amazon will offenbar mit AWS und dem hauseigenen KI-Assistenten Amazon Q nachziehen.
- Amazons Cloud-Geschäft (AWS) erzielte 2023 einen Umsatz von 90,8 Milliarden Dollar.
- Prime Video gab laut Schätzungen 16 Milliarden Dollar für Originals und Lizenzen im selben Jahr aus.
- Die Produktionskosten des Altman-Films lagen Berichten zufolge zwischen 20 und 30 Millionen Dollar, ein Bruchteil des Deal-Volumens.
Das Biopic zu stoppen, spart Amazon also kaum Geld. Es ist ein politisches Signal: Kritik am Partner OpenAI wird nicht geduldet, selbst wenn das fertige Werk bereits positive Testvorführungen durchlief.
Luca Guadagninos bissige Vision
Guadagnino ist bekannt für sensible, oft politische Stoffe. Sein Altman-Film sollte kein freundliches Porträt werden, sondern eine satirische Abrechnung.
Die Hauptfigur wird als selbstverliebter Tech-Mogul gezeichnet, der mit KI-Ängsten spielt und dabei Milliarden scheffelt. Genau dieses Bild passte Amazon offenbar nicht mehr, nach der Unterschrift unter den OpenAI-Deal.
- Der Film war für Amazon Prime Video geplant.
- Interne Testvorführungen sollen positiv verlaufen sein.
- Die Produktionskosten lagen Berichten zufolge im zweistelligen Millionenbereich.
Vergleichbare Fälle: Wenn Geschäftsinteressen Filme killen
Der Vorgang erinnert an andere Fälle, in denen Tech-Konzerne kritische Inhalte unterbanden. Netflix stoppte 2019 eine Dokumentation über die saudische Regierung, nachdem Saudi-Arabien mit Investitionsentzug drohte. Sony Pictures zog 2014 den Film „The Interview” zurück, nachdem Nordkorea Hackerangriffe durchführte, entschied sich später doch für eine Veröffentlichung.
Im Unterschied dazu handelt es sich hier nicht um geopolitische Drohungen, sondern um einen reinen Geschäftsdeal. Amazon opfert ein abgeschlossenes Kunstwerk für eine Cloud-Partnerschaft. Branchenkenner vergleichen das mit Disneys Umgang mit Pixar-Kritiken: Nach dem Kauf von Pixar 2006 modifizierte Disney die Darstellung von Konzernchefs in späteren Filmen. Hier wird nicht modifiziert, das Werk wird komplett kassiert.
Was bedeutet das für Amazon Gaming?
Amazon betreibt mit Prime Gaming und Amazon Games eigene Gaming-Sparten. Der OpenAI-Deal dürfte auch hier Wellen schlagen.
KI-Tools wie Amazon Q oder AWS Bedrock werden künftig Spieleentwicklung und Streaming beeinflussen. Dass Amazon einen kritischen Film über den Chef des Partners OpenAI killt, zeigt, wie eng Tech-Geschäft und Content-Management verwoben sind.
- Prime Gaming-Abonnenten profitieren von Cloud-Gaming über Amazon Luna.
- OpenAI könnte künftig NPC-Dialoge oder Level-Design unterstützen.
- Der Film-Rückzieher ist ein politisches Signal: Kritik am Deal-Partner wird nicht geduldet.
Keine offizielle Stellungnahme
Weder Amazon noch OpenAI haben den Vorgang bestätigt. Kotaku beruft sich auf mehrere anonyme Quellen aus der Filmproduktion.
Der Fall zeigt, wie schnell künstlerische Freiheit hinter milliardenschweren Geschäftsinteressen zurückstehen muss, und dass selbst fast fertige Projekte geopfert werden, wenn ein 50-Milliarden-Check auf dem Tisch liegt. Guadagninos Agentur lehnte eine Stellungnahme ab. Die Frage, ob das Material jemals öffentlich wird, bleibt offen.