Remake-Maschine läuft auf Hochtouren
Gregor Elsholz merkt bei GIGA an: Amazon dreht an der Remake-Schraube. Der Konzern verkauft alte Spiele immer wieder neu, mal als Remaster, mal als Definitive Edition. Die Spieler greifen trotzdem zu.
- Der Kreislauf ist simpel: Ein bekannter Titel erscheint erneut.
- Die Fangemeinde johlt, die Vorbesteller-Rekorde purzeln.
- Amazon kassiert, und wir zahlen.
Ein Paradebeispiel: The Last of Us Part I erschien im September 2022 für die PS5 und später für den PC. Naughty Dog, das Studio hinter Crash Bandicoot (1996), Uncharted (2007) und dem originalen The Last of Us (2013), hatte das Spiel bereits 2014 als The Last of Us Remastered für die PS4 neu aufgelegt. Das Original verkaufte sich über 20 Millionen Mal, das Remaster rund 10 Millionen. Das Remake von 2022, eine nahezu identische Spielerfahrung mit aufpolierter Grafik, erzielte in den ersten drei Monaten etwa 2,5 Millionen Einheiten. Laut Amazon-Charts war es die meistvorbestellte Neuerscheinung der Woche.
Warum wir nicht widerstehen können
Nostalgie ist ein mächtiges Werkzeug. Wir erinnern uns an endlose Nächte vor dem Monitor, an pixelige Helden und epische Quests. Die Verheißung „jetzt mit 4K und 60 fps“ reicht oft, um uns erneut in die Tasche greifen zu lassen.
- Hinzu kommt die Bequemlichkeit: Neue Versionen landen direkt im Prime-Abo.
- Der Kauf fühlt sich risikolos an, man kennt das Spiel ja schon.
- Elsholz‘ Kommentar fasst es treffend: „Ich kann einfach nicht widerstehen.“
Capcoms Remake-Strategie liefert harte Zahlen: Resident Evil 2 Remake (2019) verkaufte sich über 8 Millionen Mal, Resident Evil 4 Remake (2023) in der ersten Woche 3 Millionen Einheiten, mehr als das Original 2005 in den ersten drei Monaten. Capcom, 1979 gegründet, hatte bereits 2002 ein GameCube-Remake des ersten Resident Evil veröffentlicht, das heute als Kultklassiker gilt. Amazon listet diese Titel häufig mit Prime-Rabatten oder als Teil des Prime-Gaming-Katalogs, was die Kaufhürde senkt. Der Nostalgie-Effekt wird durch gezielte Marketing-Kampagnen verstärkt: Trailer mit dem Original-Soundtrack, wiederkehrende Charaktere und die Verheißung „wie damals, nur besser“.
Ein Tanz auf der Stelle?
Die Frage bleibt: Bringen diese Remakes echte Neuerungen? Oder nur ein frisches Make-up?
- Manche Titel bekommen eine komplett überarbeitete Grafik-Engine.
- Andere bieten nur ein bisschen mehr Auflösung und schnellere Ladezeiten.
- Der Mehrwert schwankt, der Kaufimpuls bleibt stark.
Amazon hat verstanden, dass bewährte Marken sichere Verkäufe sind. Ob Rollenspiel, Shooter oder Adventure, jedes Remake ist ein garantierter Hype.
Ein Vergleich: The Last of Us Part I nutzt die Engine von The Last of Us Part II (2020) mit haptischem Feedback und 3D-Audio. Die Gegner-KI und Animationen sind identisch zum Original, ein Spieler auf Reddit analysierte, dass 90 % der Spielzeit unverändert seien. Dagegen bietet Dead Space Remake (2023) von EA Motive eine neue Kameraperspektive, erweiterte Story-Elemente und nahtlose Levelübergänge. EA Motive, gegründet 2015, hatte zuvor Star Wars: Squadrons entwickelt. Das Remake kostete rund 60 Millionen Dollar, ein Bruchteil der 200 Millionen für ein neues AAA-Spiel, und verkaufte sich über 2 Millionen Einheiten. Der Mehrwert ist messbar: Spiele mit substanziellen Neuerungen erzielen höhere Metacritic-Werte (Dead Space: 89, The Last of Us Part I: 88) und bessere Mundpropaganda.
Kein Ausweg in Sicht
Gregor Elsholz‘ Beobachtung trifft den Nerv: Solange die Kasse klingelt, wird die Maschine weiterlaufen. Die einzige Konstante ist unser eigenes Verhalten, wir lassen uns immer wieder aufs Neue ködern. Und ehrlich? Ein bisschen freuen wir uns ja auch darauf.
Für 2024 und 2025 sind bereits mehrere Remakes angekündigt: Metal Gear Solid Delta: Snake Eater (Konami, entwickelt von Virtuos), Prince of Persia: The Sands of Time Remake (Ubisoft, nach Verschiebung) und The Witcher Remake (CD Projekt, basierend auf Unreal Engine 5). Amazon Prime Gaming hat exklusive Inhalte für einige dieser Titel angekündigt. Im Geschäftsjahr 2023 machte Capcom 70 % seines Umsatzes mit Neuauflagen bestehender Franchises, darunter Street Fighter 6 und die Resident Evil-Remakes. Die Kosten für ein Remake liegen typischerweise zwischen 20 und 100 Millionen Dollar, während ein neues IP-Risiko 100 bis 200 Millionen kostet. Solange diese Kennzahlen stimmen, wird die Remake-Maschine weiterlaufen, und wir werden weiter vorbestellen.