Der Überraschungscoup aus dem Weltall
Among Us Story: On Guard ist kein weiteres Multiplayer-Impostor-Geplänkel. Der Polygon-Preview zeichnet das Bild eines Spinoffs, der die bekannte Crewmate-Routine in ein Singleplayer-Mystery verwandelt. Und das funktioniert offenbar richtig gut.
Innersloth, das Studio hinter dem 2018 veröffentlichten Among Us, hat mit diesem Ableger eine riskante Kehrtwende vollzogen. Das Originalspiel erlebte seinen Durchbruch erst 2020 durch Twitch-Streams und verzeichnete über 500 Millionen Downloads weltweit. Seitdem experimentierte das Team mit VR-Umsetzungen (Among Us VR, 2022) und neuen Spielmodi wie Hide & Seek (2023). On Guard ist der erste Versuch, aus der sozialen Deduktionsmechanik ein erzählerisches Einzelspieler-Erlebnis zu formen.
Was ist anders? Fast alles
- Kein soziales Deduktionsspiel mit Freunden. Stattdessen: Ermittlungsarbeit als einsamer Wächter.
- Die klassischen Aufgaben (wires, shields, swipe card) bleiben, aber sie dienen jetzt dem Lösen eines Rätsels.
- Der Fokus liegt auf Dialog, Beobachtung und Logik, nicht auf Misstrauen und Abstimmungen.
Die Entscheidung, ein Solo-Abenteuer zu entwickeln, ist nicht aus heiterem Himmel gefallen. Innersloth hatte bereits 2023 in einem Entwickler-Blog angedeutet, die „lore“ des Among-Us-Universums vertiefen zu wollen. Das Studio, das nur aus drei Kernmitgliedern (Forest Willard, Amy Liu, Marcus Bromander) besteht, setzt damit auf eine Nische, die viele Multiplayer-Erfolge bisher gemieden haben. Vergleichbare Versuche wie The Wolf Among Us (Telltale) oder Her Story (Sam Barlow) zeigen, dass Detektivspiele mit starkem Fokus auf Text und Logik ein treues Publikum finden.
Ein Hauch von Retro-Adventure
Die Struktur erinnert an klassische Point-and-Click-Detektivgeschichten der 90er. Man sammelt Hinweise, befragt NPCs und trifft Entscheidungen, die den Ausgang beeinflussen.
On Guard verzichtet auf Hektik. Stattdessen bekommt man Zeit, um den Tathergang zu rekonstruieren. Das ist ein mutiger Schritt für ein Franchise, das sonst von 15-Sekunden-Abstimmungen lebt.
Polygon nennt in der Preview explizit The Case of the Golden Idol und Return of the Obra Dinn als Referenzen, zwei Spiele, die mit minimaler UI und maximaler Beobachtungsgabe arbeiten. Anders als diese Titel bleibt On Guard jedoch der knalligen, cartoonartigen Optik von Among Us treu. Der Kontrast zwischen quietschbunten Charakteren und einer düsteren Mordgeschichte erzeugt eine Spannung, die Polygon als „eigenwilligen Charme“ beschreibt.
Warum „überraschend solide“?
Polygon lobt vor allem den guten Spielfluss und die klare Erzählstruktur. Keine verwirrenden Sprünge, keine überflüssigen Minispiele. Die Rätsel sind fordernd, aber fair, und bieten mehrere Lösungswege.
Ein zentraler Punkt: Der Spinoff nutzt die gewohnte Ästhetik (die bunten, niedlichen Crewmitglieder) für eine überraschend düstere Geschichte. Das sorgt für einen reizvollen Kontrast.
Dass der Spielfluss stimmt, ist kein Zufall. Innersloth hat für On Guard das bewährte Dialogsystem aus The Henry Stickmin Collection adaptiert, einer Point-and-Click-Reihe, die das Studio vor Among Us bekannt machte. Diese Sammlung verkaufte sich über 2 Millionen Mal und bewies, dass das Team narrative Entscheidungsbäume beherrscht. Die Rätsel in On Guard sind kürzer und direkter als in den Stickmin-Spielen, aber die Logik dahinter ist ähnlich: Jeder Hinweis öffnet neue Dialogoptionen, jeder Fehlschluss führt in Sackgassen.
Ein Solo-Abenteuer für alte und neue Fans
Wer schon immer wissen wollte, was auf dem Raumschiff wirklich passiert, bekommt hier konkrete Antworten. On Guard erzählt eine abgeschlossene Story, kein Cliffhanger für Season 2.
Innersloth beweist, dass aus einer simplen Multiplayer-Idee ein echtes Adventure wachsen kann. Ob das Experiment den hohen Erwartungen standhält, wird sich zeigen. Der Preview macht jedenfalls Lust auf mehr.
Die konkrete Fallzahl im Spiel umfasst laut Polygon fünf Kapitel mit jeweils etwa 20 Minuten Spielzeit, insgesamt rund zwei Stunden Detektivarbeit. Zum Vergleich: Among Us VR hatte eine etwa einstündige Kampagne. Innersloth legt Wert darauf, dass On Guard keine Mikrotransaktionen oder kosmetische Lootboxen enthält. Der Preis liegt bei 9,99 Euro, was im Rahmen vergleichbarer Adventures wie The Darkside Detective liegt. Sollte der Spinoff die Erwartungen erfüllen, könnte er den Weg für weitere narrative Ableger ebnen, Polygon spekuliert über eine mögliche Fortsetzung, die an verschiedenen Schauplätzen des Among-Us-Universums spielt.