Ein unterschätzter Action-Klassiker
Vor 30 Jahren brachte Chuck Russell nach dem Erfolg von The Mask einen völlig anderen Film ins Kino: Eraser. Arnold Schwarzenegger spielt einen Bundesmarschall, der mit Hightech-Waffen und Muskelkraft Verbrecher jagt. Der Streifen, eine Mischung aus Action und Sci-Fi, geriet schnell in Vergessenheit.
Dabei war Eraser bei Release kein Flop. Warner Bros. gab dem Film ein Budget von 115 Millionen Dollar, damals der teuerste Film des Studios. Weltweit spielte er 242 Millionen Dollar ein, blieb aber hinter den Erwartungen. Russell, der zuvor mit The Mask (1994) 351 Millionen Dollar eingespielt hatte, wechselte hier vom absurd-komödiantischen Stil zu harter, realistischer Action. Das Studio setzte auf praktische Effekte und echte Stunts, um den damaligen CGI-Trend zu kontern.
Chuck Russell hatte vor Eraser bereits A Nightmare on Elm Street 3: Dream Warriors (1987) und The Blob (1988) inszeniert. Sein Talent für handgemachte Spektakel zeigte sich in der aufwendigen Railgun-Sequenz, für die ein echter Prototyp der Waffe gebaut wurde. Nach Eraser drehte Russell noch The Scorpion King (2002) und Dreamscape, beides kommerzielle Enttäuschungen.
Drei Szenen, die den Film tragen
In einem aktuellen Rückblick betonte Russell, dass drei konkrete Schlüsselszenen das Rückgrat von Eraser bilden. Ohne sie, so der Regisseur, wäre der Film nur ein weiterer durchschnittlicher Thriller gewesen.
Die erste Szene: ein Überfall auf einen Hafen, bei dem Schwarzenegger erstmals die Railgun einsetzt. Die zweite: eine Verfolgungsjagd durch einen Zoo, inklusive einem Krokodilangriff, der fast schiefging, der Stuntman wurde tatsächlich ins Wasser geschleudert. Die dritte: der Showdown in einem Frachtflugzeug, in dem der Marschall eine mit Waffenschmugglern besetzte Maschine in der Luft zerstört. Russell nannte diese Szenen in einem Interview mit Empire die „drei Säulen“ des Films, weil sie jeweils eine andere Facette von Schwarzeneggers Figur zeigen: Präzision, Improvisation und rohe Gewalt.
Fans haben diese drei Momente über die Jahre als die besten des Films identifiziert. Die Railgun-Sequenz wurde sogar von der US-Armee als frühe Demonstration von elektromagnetischen Waffen referenziert. Der Zoo-Kampf hingegen zeigt den Humor des Films: Schwarzenegger jagt Krokodile mit einer abgesägten Schrotflinte.
Retro-Charme für Gamer
Eraser spricht heute vor allem Retro-Enthusiasten an. Die kantigen Effekte und praktischen Stunts erinnern an die Ära, in der auch Spiele wie GoldenEye 007 oder TimeSplitters entstanden.
Die Railgun des Films tauchte später als Standardwaffe in diversen Shootern auf. Unreal Tournament (1999) führte eine „Sniper Rifle“ mit ähnlicher Ladeanimation ein, Half-Life 2 (2004) nutzte eine Railgun-artige Pulse Rifle im Kapitel „Sandtraps“. Sogar Fallout 2 (1998) enthielt eine „Gauss Rifle“, deren Design direkt von Eraser inspiriert wurde. Arnold Schwarzenegger selbst ist eine feste Größe in der Gaming-Kultur, von Terminator über Predator bis hin zu seinen Arcade-Ablegern wie Terminator 2: Judgment Day (1991) und Total Recall (1990).
Ein direkter Spiele-Ableger zu Eraser existiert nicht, aber der Film beeinflusste das Genre der „schweren Waffen“ nachhaltig. In Perfect Dark (2000) heißt die Railgun „FarSight XR-20“ und funktioniert ähnlich: sie durchschlägt Wände. Auch TimeSplitters: Future Perfect (2005) enthält eine „Eraser“-Waffe als Easter Egg.
Ein Geheimtipp bleibt
Eraser startete 1996 in den Kinos und ist bis heute ein Geheimtipp für alle, die knallharte Action mit einem Hauch Zukunft mögen. Russells drei Schlüsselszenen zeigen, wie viel in einem scheinbar einfachen Action-Streifen stecken kann.
Der Film hält bei Rotten Tomatoes eine Kritikerwertung von 38%, aber eine Zuschauerwertung von 55%, ein klassischer „guilty pleasure“. Im Vergleich zu anderen Sci-Fi-Actionfilmen des Jahres wie Independence Day (306 Mio. Budget, 817 Mio. Einspiel) oder Mission: Impossible (80 Mio., 457 Mio.) blieb Eraser kommerziell im Mittelfeld. Trotzdem wird er von Liebhabern praktischer Effekte geschätzt: Die Railgun wurde ohne CGI realisiert, die Zooszenen mit echten Krokodilen. Der Film kostete mehr als Terminator 2 (102 Mio.) und spielte weniger ein, aber sein Einfluss auf die Waffendesigns in Spielen ist unbestreitbar.