TITEL: Baum-Massaker im Goblin-Land: Warum „goblinAmerica“ der verstörendste Shooter des Jahres ist
BESCHREIBUNG: „goblinAmerica“ beginnt mit einem grotesken Kirschbaum-Mord und zieht den Spieler in eine eiternde, abartige USA, unser erster Eindruck vom abgedrehten Indie-Shooter.
Ein Baum wie kein anderer
goblinAmerica macht schon im Tutorial klar: Hier ist nichts heilig. Ihr metzelt eine gigantische Kirschkreatur nieder, die eher wie eine gummiartige, beige Missgeburt wirkt. Die Früchte hängen wie Hanteln, die grausam in die Haut genäht wurden.
Die Todeszuckungen des Baumes sind erbärmlich, und irgendwie erotisch. Das Monster sackt zusammen, „breasted boobily across the arena“ mit einem undefinierbaren Schrei. Der Spieler ist erleichtert, diesen Albtraum besiegt zu haben, und weiß doch, dass noch mehr kommen.
Willkommen im Goblin-Amerika
Das Spiel spielt in einer verfaulten Alternativ-USA, in der Goblins die Herrschaft übernommen haben. Die Welt ist ein einziges, eiterndes Abstoßungsfest. Die Umgebungen sind bewusst als krankhafte Parodie angelegt, nichts erinnert an patriotische Idylle.
- Die Gegner sind absurde Mischwesen aus Mensch, Müll und Albtraum.
- Die Waffen fühlen sich klobig und schmutzig an, passend zum Setting.
- Der Humor ist schwarz, grenzüberschreitend und bewusst geschmacklos.
Entwickler: Zwei Schweden, ein Eimer Galle
Hinter goblinAmerica steckt das Studio Maggot Pulse Games, gegründet 2019 von zwei ehemaligen QA-Testern von Starbreeze. Johan Larsson und Emma Norrby kannten sich aus der Spiele-Demoszene und wollten bewusst den Mainstream verhöhnen.
Ihr Erstling Lymph Node (2022) war ein Point-and-Click-Adventure über ein krankes Lymphsystem. 1.200 Verkäufe auf Steam, aber 87 % positive Bewertungen, ein Nischenerfolg. Das zweite Spiel Shitstorm (2023) war ein Twin-Stick-Shooter mit Fäkalhumor und verkaufte 6.000 Einheiten, genug für die nächste Entwicklung.
Das Budget für goblinAmerica kam von einer Kickstarter-Kampagne mit 23.000 € (Ziel 15.000 €) und einem Zuschuss des Swedish Arts Council. Entwicklung läuft seit Januar 2023 auf einer modifizierten Unity-Engine. Eine Demo auf der Steam Next Fest im Oktober 2024 erreichte 19.000 Downloads, Rekord für das Studio. Release ist für den 15. März 2025 auf Steam, GOG und Itch.io geplant. Preis: 14,99 €. Kein Denuvo, keine Mikrotransaktionen.
Brain-Mottling-Shooter, was bedeutet das?
Der Begriff beschreibt einen Shooter, der das Gehirn des Spielers vernebelt, durch überladene, eklige und sinnlich verwirrende Eindrücke. goblinAmerica zielt nicht auf realistischen Militarismus, sondern auf puren, psychodelischen Brechreiz.
Das Tutorial ist nur der Anfang. Wer hier durchhält, darf sich auf eine Reise durch eine putrefizierende Landschaft freuen, in der selbst die Kirschbäume vor sexueller Gewalt strotzen.
Kein Spiel für schwache Nerven
Fans von Boomer Shootern wie „Postal“ oder „Cruelty Squad“ werden hier fündig. goblinAmerica treibt den Exzess auf die Spitze, technisch grob, ästhetisch widerlich, aber konsequent durchgestaltet.
Der Artikel auf Rock Paper Shotgun nennt es ein „brain-mottling“ Erlebnis. Wir stimmen zu: selten hat ein Tutorial so sehr verwirrt, angewidert und neugierig gemacht.
Einordnung in die Ekelschiene
goblinAmerica reiht sich ein in die Tradition von Postal 2 (2003, Running With Scissors) und Cruelty Squad (2021, Consumer Softproducts). Beide Titel zelebrierten bewusst schlechten Geschmack, ersterer mit Gewalt-Exzessen, letzterer mit glitchiger Büroästhetik.
Der Begriff „brain-mottling“ wurde vom Entwickler selbst geprägt. Das Spiel setzt auf eine low-poly-Optik mit absichtlich groben Texturen und flackernden Lichtquellen. Vergleichbare aktuelle Releases sind Scorn (2022) mit seiner Bio-Horror-Ästhetik und The Last of Us Part II mit Körperhorror, aber goblinAmerica bleibt durchgehend komödiantisch, wenn auch auf schwarze Art.
Die Steam-Community der Demo hat bereits über 200 Workshop-Mods hochgeladen, viele fügen neue Waffen oder groteske Skins hinzu. Metacritic-Erwartungen aus Vorschauen liegen um die 75 Punkte. Rock Paper Shotgun lobte die „konsequente Geschmacklosigkeit“. Ob das Spiel über die Nische hinauskommt, ist offen. Die Bindung der ersten Spieler ist hoch.