Acht Jahre und kein bisschen fertig
Der Epic Games Store ist seit 2018 auf dem Markt, und fühlt sich trotzdem oft wie eine Beta an. Klar, es gibt alle paar Tage Gratisspiele wie aktuell Citizen Sleeper, aber grundlegende Funktionen fehlen einfach. Laut einem aktuellen Bericht von Rock Paper Shotgun will Epic das jetzt endlich ändern.
Studio-Historie: Von Unreal Engine zu Fortnite
Epic Games existiert seit 1991, gegründet von Tim Sweeney in Cary, North Carolina. Der Durchbruch kam 1998 mit Unreal, einem Ego-Shooter, der durch seine Engine und Grafik auffiel. Die Unreal Engine wurde zum wichtigsten Produkt, lizenziert von Hunderten Studios, von Final Fantasy VII Remake bis Fortnite. Letzteres, 2017 gestartet, wurde zur Cash-Maschine: 2022 erzielte Epic mit Fortnite laut eigenen Angaben über 6 Milliarden US-Dollar Umsatz. Der Epic Games Store (EGS) war als Vehikel gedacht, um die 30-Prozent-Gebühren von Steam zu unterbieten, Epic nahm nur 12 Prozent. Startexklusive wie Metro Exodus (2019) und Borderlands 3 (2019) sollten Spieler locken. Aber die Plattform selbst blieb spartanisch.
Was kommt endlich?
- Patch-Notes sollen innerhalb der nächsten zwölf Monate in den Store integriert werden.
- Weitere einfache Features stehen ebenfalls auf der Liste, mehr Details gibt Epic noch nicht.
- Die Ankündigung klingt nach dem, was viele Spieler schon lange fordern: das absolute Minimum.
Frühere Versprechen und Auslassungen
Epic veröffentlichte 2019 eine öffentliche Roadmap für den Store, mit Punkten wie Mod-Support, Achievements, einem Shopping-Cart und einem Freundes-System. Vier Jahre später: Achievements gibt es seit 2020 (aber nur für ausgewählte Spiele), ein Cart kam im Dezember 2023. Das Freundes-System ist rudimentär, Mod-Support fehlt ganz. Stattdessen investierte Epic Millionen in Exklusiv-Deals: Allein Control (2019) soll 10,45 Millionen US Dollar Garantie gekostet haben, wie aus Gerichtsunterlagen hervorging. Bis Ende 2021 gab Epic über 400 Millionen Dollar für solche Exklusivitäten aus. Die Nutzerbasis wuchs auf etwa 230 Millionen Accounts (Stand 2022), aber die täglichen aktiven Nutzer blieben weit hinter Steam. Valve nennt keine Zahlen, aber Schätzungen gehen von über 30 Millionen gleichzeitigen Nutzern auf Steam aus.
Warum gerade jetzt?
Acht Jahre nach dem Start wirkt es fast absurd, dass selbst so triviale Dinge wie Patchnotizen eine „Revamp“-Meldung wert sind. Epic hat in der Vergangenheit viele Features wie Cloud-Saves oder eine Wunschliste nachgereicht, aber der Store hinkt der Konkurrenz immer noch hinterher. Die kommenden Updates sollen das Tempo deutlich erhöhen.
Branchenkontext: Was Steam, GOG und Co. seit Jahren können
Steam hat Patch-Notes als Standard-Feature seit Mitte der 2000er, automatisch verlinkt im Client und mit Kommentarfunktion. GOG Galaxy zeigt Änderungsprotokolle ebenso, und der branchenfremde Konsolen-Store von Sony und Microsoft ebenfalls. Dass Epic diesen Basisservice erst jetzt nachbessert, zeigt, wie wenig die Plattform auf die Bedürfnisse von Bestandsspielern ausgelegt war. Der EGS fokussierte sich auf die Neukundenakquise durch Gratis-Spiele: Seit Start verschenkte Epic über 700 Spiele im Wert von geschätzt 2.000 Euro pro Account. Aber ohne grundlegende Infrastruktur bleiben viele Nutzer nur für die Freebies da, die Conversion zu zahlenden Kunden ist niedrig. Laut einer Schätzung von GameDiscoverCo aus 2022 machten Gratis-Abholer nur 2 Prozent der monatlichen Käufer aus.
Gratisspiele vs. Grundfunktionen
- Bürgerlich: Citizen Sleeper und andere Freebies locken regelmäßig neue Nutzer an.
- Ärgerlich: Wer den Store öfter nutzt, stolpert ständig über fehlende Details, etwa Änderungsprotokolle zu Spielupdates.
- Der geplante Revamp adressiert genau diese Lücke, aber ob es reicht? Die nächsten Monate werden zeigen, ob Epic die Versäumnisse aufholt.
Ende einer langen Durststrecke
Patch-Notes sind kein innovatives Feature, sie sind das, was eine Spieleplattform heute einfach können muss. Dass Epic sie nun nach acht Jahren liefert, ist weniger ein Grund zum Jubeln als ein verspäteter Schritt in Richtung Normalität.