40 Jahre Bethesda: Ein neues Gesicht
Bethesda Softworks wird 40, und feiert das mit einem komplett neuen Logo. Die gestrige Enthüllung zeigt eine kräftige, cyberpunk-inspirierte Schrift mit Neon-Farben und dezenten dekorativen Elementen. „40 years of adventures. Here‘s to the worlds we‘ve built together… and those still to come“, schrieb der Publisher dazu.
Das Design ist eine radikale Abkehr von der schlichten, komplett schwarzen Schrift, die das Unternehmen seit 2010 verwendete. Damals wurde sogar der Wortbestandteil „Softworks“ gestrichen. Das neue Logo erinnert wieder an die handgemachte, verspielte Ära der frühen 90er und wirkt endlich wie das Markenzeichen eines echten Spieleverlags.
Gegründet wurde Bethesda Softworks 1986 in Bethesda, Maryland, von Christopher Weaver. Die ersten Jahre produzierte der Publisher vor allem lizenzierte Spiele wie The Terminator (1990) oder The Elder Scrolls: Arena (1994). Der Erfolg von Arena führte zur Gründung einer internen Entwicklerabteilung, die später als Bethesda Game Studios ausgegliedert wurde. 1999 übernahm der damalige Entwickler ZeniMax Media den Publisher und baute ihn zum Konzern aus.
Die Anfänge: Von PCs zu Konsolen
Die frühen 90er Jahre waren für Bethesda eine Phase der Experimente. Mit Way of the Warrior (1994) versuchte man sich an einem Prügelspiel für die 3DO-Konsole, ein finanzieller Fehlschlag. Parallel dazu legte The Elder Scrolls II: Daggerfall (1996) den Grundstein für die offene Spielwelt, die später zum Markenzeichen wurde. Daggerfall nutzte eine prozedural generierte Karte von der Größe Großbritanniens und wurde über 700.000 Mal verkauft.
1998 erschien The Elder Scrolls Adventures: Redguard, ein Action-Adventure, das grafisch beeindruckte, aber kommerziell enttäuschte. Der Publisher zog sich daraufhin aus dem Konsolenmarkt zurück und konzentrierte sich auf PC-Titel. Erst mit The Elder Scrolls III: Morrowind (2002) für Xbox und PC gelang der Durchbruch auf Konsolen. Morrowind verkaufte sich über vier Millionen Mal und etablierte die Reihe als Blockbuster.
Von Handarbeit zur Beliebigkeit, und zurück
Das erste Bethesda-Logo (bis 2010) war eine farbige Textzeile mit eigenem Charakter. Es zeigte ein kleines Zepter über dem „B“ und eine verspielte Schriftart, inspiriert von den Fantasy-Rollenspielen der Firma. Danach folgte 15 Jahre lang ein funktionales, aber seelenloses Schriftlogo. Die Entscheidung, den Wortbestandteil „Softworks“ zu streichen, fiel 2010 unter Marketing-Chef Pete Hines, um die Marke schlichter und moderner wirken zu lassen.
Achtung, Verwechslungsgefahr: Bethesda Game Studios (die Entwickler hinter The Elder Scrolls, Fallout, Starfield) nutzen seit 25 Jahren ein eigenes Logo mit einem stilisierten Zahnrad, das bleibt unverändert. Das Zahnrad-Logo wurde 1999 für Morrowind eingeführt und symbolisiert die technische Handwerkskunst der Entwickler. Der Publisher selbst betont, dass das neue Logo „von unseren Wurzeln inspiriert“ sei. Ob es dauerhaft bleibt oder nur ein Jubiläums-Gimmick ist, ließ man offen.
Im Branchenvergleich ist ein Logo-Rebranding zum Jubiläum selten radikal. Electronic Arts änderte sein Logo 2020 nur dezent, Ubisoft behielt sein abgerundetes „U“ seit 2003 bei. Bethesda wählt den gegenteiligen Weg: zurück zu einem unruhigen, fast punkigen Stil, der an die 90er-Jahre-Optik von Wolfenstein 3D oder Doom erinnert. Für Retro-Fans ist es eine willkommene Rückkehr zu mehr Persönlichkeit.
Fallout und Elder Scrolls: Die großen Meilensteine
Die Geschichte der zwei wichtigsten Bethesda-Franchises ist von Übernahmen und Rekordverkäufen geprägt. The Elder Scrolls V: Skyrim (2011) verkaufte sich über 60 Millionen Mal und gilt als eines der meistverkauften Rollenspiele aller Zeiten. Fallout 4 (2015) legte mit über 25 Millionen Einheiten nach, obwohl es von Puristen für seine vereinfachte Dialogstruktur kritisiert wurde. Beide Titel wurden von Bethesda Game Studios in Rockville, Maryland, entwickelt.
Nach der Übernahme durch Microsoft im Jahr 2021 für 7,5 Milliarden US-Dollar änderte sich die strategische Ausrichtung. Bethesda-Spiele erscheinen seither im Game Pass am ersten Tag, was die Verkaufszahlen der Einzeltitel drückte, aber die Reichweite massiv erhöhte. Starfield (2023) erreichte innerhalb von zwei Monaten über 13 Millionen Spieler, blieb aber unter den Erwartungen an eine dauerhafte Community.
Parallel dazu arbeitet Obsidian Entertainment, ein weiteres Studio unter Microsofts Dach, an einem neuen Fallout-Ableger. Obsidian hatte bereits Fallout: New Vegas (2010) entwickelt, ein Spiel, das von Fans oft als erzählerisch stärker als die Bethesda-eigenen Teile bewertet wird. Die Rückkehr dieser Partnerschaft könnte die Fallout-Reihe wieder stärker in Richtung rollenspielerischer Tiefe lenken.
Kein Teaser, aber jede Menge Zukunft
Nein, hinter dem Cyberpunk-Look steckt kein neues Sci-Fi-Spiel, die Gerüchte um einen Bethesda-Titel im Stil von Blade Runner oder Neuromancer bleiben unbestätigt. Der Publisher konzentriert sich stattdessen auf die große Expansion des Fallout-Universums.
- Fallout 5 ist offiziell in Entwicklung, aber Todd Howard deutete an, dass es noch Jahre dauern wird, erst nach The Elder Scrolls 6.
- Remaster von Fallout 3 (2008) und Fallout: New Vegas (2010) wurden bestätigt, inklusive technischer Updates für moderne Konsolen und PC.
- Auch Obsidian Entertainment arbeitet an einem neuen Fallout-Ableger, Gerüchte sprechen von einem Spin-off im Stil von Fallout: New Vegas mit moderner Engine.
Für The Elder Scrolls 6 erklärte Game Director Todd Howard, dass der Großteil der Belegschaft von Bethesda Game Studios daran arbeitet, und man den Aufschlag unbedingt treffen wolle. Ein Erscheinungsdatum gibt es nicht, aber die Entwicklung läuft seit 2018 in der Pre-Production. Die Engine Creation Engine 2, die bereits in Starfield zum Einsatz kam, soll für TES 6 weiter optimiert werden. Die Vorfreude bleibt riesig, und das neue Logo erinnert daran, dass Bethesda diesen Moment schon 40 Jahre lang vorbereitet hat.