Milliarden für die Cloud
Meta steckt weiterhin Unsummen in künstliche Intelligenz. Laut einem Bericht von PCGamer könnten die Ausgaben für Datencenter auf über 8 Milliarden Dollar steigen.
Das Unternehmen beteuert, dass sich die Investitionen längst auszahlen. Nur weil Meta das sagt, muss es noch lange nicht stimmen.
- Meta setzt voll auf KI, für Facebook, Instagram und die hauseigene VR-Platte Meta Quest.
- Neue Rechenzentren sollen Sprachmodelle und Recommender-Systeme antreiben.
Meta hat 2023 insgesamt 35 Milliarden Dollar in Kapitalausgaben gesteckt, für 2024 sind ähnliche Summen geplant. Die 8 Milliarden für KI-Rechenzentren sind ein Teil davon, aber nicht der größte. Die Sparte Reality Labs, die VR und AR entwickelt, verbrannte allein 2023 rund 16,2 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von weniger als 2 Milliarden. Das entspricht etwa dem Doppelten der Jahresausgaben für das gesamte Oculus-Ökosystem von 2014 bis 2020.
Zum Vergleich: Microsoft investierte 2023 über 50 Milliarden in Cloud- und KI-Infrastruktur, Google etwa 32 Milliarden. Metas 8 Milliarden sind kein Alleingang, sondern Teil eines Wettrüstens, bei dem die großen Plattformen KI-Rechenleistung als neue Mangelware sehen. Mark Zuckerberg sprach Anfang 2024 davon, dass KI „die größte Investitionsmöglichkeit“ seines Konzerns sei, noch vor Metaverse-VR.
Was heißt das fürs Gaming?
Die Meta-eigene VR-Plattform Horizon Worlds und künftige Oculus-Titel hängen direkt an diesen KI-Modellen. Bessere NPCs, flüssigere Handverfolgung, das verspricht der Milliarden-Push.
Doch ob die Kohle wirklich bei den Spielern ankommt, ist fraglich. Meta hat in der Vergangenheit viel Geld in Projekte gesteckt, die dann eingestampft wurden.
- Horizon Worlds kämpft mit mauen Nutzerzahlen. Im Frühjahr 2024 lag die monatliche Nutzerzahl bei unter 200.000, ein Bruchteil von Rec Room (3 Millionen) oder VRChat (4 Millionen).
- Die VR-Brille Meta Quest 3 ist da, aber der große Durchbruch blieb bisher aus. 2023 wurden schätzungsweise 7 Millionen Quest-Headsets verkauft, die Quest 3 startete mit unter 1 Million in den ersten sechs Monaten.
Die Geschichte von Metas VR-Sparte begann 2014 mit dem Kauf von Oculus für 2 Milliarden Dollar. Damals war VR ein Nischenprodukt. 2018 erschien die Oculus Go, eine eigenständige Brille, eingestellt 2020. Es folgten Rift S (2019, 2021 eingestellt) und die Quest 2 (2020). Die Quest 2 verkaufte sich über 20 Millionen Mal, brachte aber kaum exklusive Spiele, die den Markt belebten. Stattdessen kaufte Meta Studios wie Sanzaru Games („Asgard’s Wrath“) und Beat Games („Beat Saber“), und ließ sie weitgehend eigenständig arbeiten.
Ein konkretes Beispiel für gescheiterte Ambitionen: Horizon Worlds sollte ein offenes Metaverse werden, in dem Spieler eigene Welten bauen. Meta investierte über 10 Milliarden Dollar in die Entwicklung, bisher ohne nennenswerten kommerziellen Erfolg. Die meisten aktiven Nutzer bleiben unter 30 Minuten pro Sitzung, viele kehren nicht zurück. Im Vergleich dazu bringt Roblox täglich über 70 Millionen Nutzer mit simplen Blöcken-Grafiken.
Fazit für Zocker
Aktuell sieht es so aus: Meta verbrennt lieber Geld für Rechenzentren, als in exklusive Spiele-Kracher zu investieren. Ob sich das irgendwann auszahlt, werden wohl erst die nächsten Jahre zeigen.
Bis dahin bleibt es ein teures KI-Experiment, mit ungewissem Ausgang für die Gaming-Bubble.
Meta hat in den letzten fünf Jahren mindestens drei VR-Studios geschlossen oder verkauft: Ready at Dawn („Echo VR“, 2023 geschlossen), Sanzaru Games (2024 an eine Investmentfirma abgegeben) und das interne Oculus Studios-Team aus San Francisco. Zurück bleiben lizenzierte Titel wie „Assassin’s Creed Nexus“ und „Resident Evil 4 VR“, beides Ports, keine Eigenentwicklungen. Im selben Zeitraum investierte Sony über 2 Milliarden Dollar in die PSVR2, brachte aber zum Launch 2023 nur ein Dutzend Exklusivtitel, darunter Horizon Call of the Mountain, das laut Sony weniger als 1 Million Einheiten verkaufte.
Die 8 Milliarden Dollar für KI-Rechenzentren fließen zu einem großen Teil in Nvidia H100-Grafikprozessoren, Chips, die kaum für VR-Echtzeitspiele optimiert sind. Stattdessen trainieren sie Sprachmodelle und Empfehlungsalgorithmen für Werbung. Gamer und VR-Fans sehen davon nur die Nebenprodukte: schnellere Hand-Tracking-Updates, bessere Sprachsteuerung in Horizon Worlds, vielleicht irgendwann adaptive NPCs. Aber die großen Spiele-Kracher bleiben aus, weil Meta seine Entwicklerressourcen in die KI-Infrastruktur umleitet, nicht in Content.