Kein Ende der Preisspirale in Sicht
Die Hoffnung auf sinkende Grafikkartenpreise war kurzlebig. Statt günstigerer Hardware verkündet Nvidia die nächste Runde der Verteuerung. Besonders bestimmte Modelle sind jetzt kaum noch erschwinglich.
- Aktuelle Preissteigerungen treffen vor allem High-End-Modelle
- Mittelklasse bleibt knapp und teuer
- Angebote für Schnäppchenjäger bleiben Mangelware
Nvidia setzt diesen Trend fort seit der Einführung der RTX-3000-Serie im Jahr 2020. Die UVP der RTX 3080 lag damals bei 699 US-Dollar. Heute kostet die Nachfolgerin RTX 4080 mit 1.199 US-Dollar knapp 70 Prozent mehr. Die RTX 4090 startete bei 1.599 US-Dollar und wird im Handel teils für über 1.900 Euro gehandelt. Die GTX 1080 Ti von 2017 hatte eine UVP von 699 US-Dollar, inflationsbereinigt wären das heute rund 830 US-Dollar, aber kein Faktor für die aktuellen Preise.
Die Kosten für Nvidia steigen: TSMC verlangt für 5-Nanometer-Wafer (Ada Lovelace) rund 20.000 US-Dollar, fast doppelt so viel wie für die 8-Nanometer-Wafer der Ampere-Generation. Der AD102-Chip der RTX 4090 misst 608 Quadratmillimeter, ein teures Stück Silizium. Nvidia gibt die gestiegenen Herstellungskosten an die Kunden weiter. Gleichzeitig kürzt das Unternehmen die Produktion älterer Modelle, um den Preis der neuen Serie zu stützen. Im dritten Quartal 2023 sank der GPU-Absatz um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während die durchschnittlichen Verkaufspreise stiegen.
Wer auf günstigere Karten hoffte, wird enttäuscht
Viele Gamer hatten mit einem Preisrutsch gerechnet, etwa durch neue Fertigungsprozesse oder nachlassende Nachfrage. Doch Nvidia liefert das Gegenteil: Die Karten werden absurd teuer, ein klarer Schock für alle, die auf ein Upgrade gewartet haben.
- Kein Nachlass trotz inzwischen älterer Architekturen
- Auch die RTX-4000-Serie bleibt preislich hoch
- Gebrauchtmarkt zieht nach: kaum günstige Alternativen
Der Kryptomining-Boom von 2021 trieb die Preise in die Höhe. Als der Ethereum-Merge im September 2022 das Mining beendete, fielen die GPU-Preise zunächst. Gebrauchte RTX 3080-Karten waren für unter 500 Euro zu haben. Doch Nvidia reagierte schnell: Es reduzierte die Auslieferungen an Boardpartner und ließ die Lagerbestände schrumpfen. Nvidia-Marketingchefin Laura Delgado sagte im Februar 2024: „Wir sehen eine starke Nachfrage nach High-End-Produkten zu Premiumpreisen.“ Die mittleren und unteren Segmente werden vernachlässigt.
Die RTX 4060 kostet offiziell 299 US-Dollar, im deutschen Handel liegt sie bei 320 bis 350 Euro. Ihre Vorgängerin RTX 3060 startete bei 329 US-Dollar, inflationsbereinigt fast gleich, geboten wird jedoch weniger Leistung pro Euro. In Benchmarks liegt die RTX 4060 nur 20 Prozent vor der RTX 3060, verbraucht aber weniger Strom. Preis-Leistung verbessert sich kaum. Nvidia hat die Fertigungstiefe der RTX-4060-Chips reduziert, um die Lager der Vorgänger zu schonen, was die Knappheit verstärkt.
Was bedeutet das für Spieler?
Wer jetzt eine neue Grafikkarte braucht, muss tief in die Tasche greifen. Zwei mögliche Reaktionen: Entweder ihr spart länger oder ihr weicht auf ältere Generationen oder AMD-Modelle aus. Letztere werden ebenfalls teurer, bleiben aber oft günstiger als Nvidias Spitzenreiter.
- Hochpreisige Karten treiben auch die Preise für Mittelklasse nach oben
- Raytracing-Leistung bleibt ein Nvidia-Privileg, zu einem hohen Preis
- Gaming-Hits wie Cyberpunk 2077 oder Starfield laufen auf älteren Karten nur mit Abstrichen
Die Konkurrenz von AMD bietet mit der RX 7900 XTX (UVP 999 US-Dollar) ein Modell, das in Rasterleistung die RTX 4080 schlägt, aber beim Raytracing klar unterlegen ist. Im Spiel Cyberpunk 2077 mit aktiviertem Path Tracing erreicht die RX 7900 XTX rund 25 Bilder pro Sekunde, die RTX 4080 mit DLSS 3 über 60. Ohne Raytracing liegt die AMD-Karte gleichauf oder vorn. Auch Intel Arc A770 (ab 300 Euro) konkurriert im Einsteigerbereich, leidet aber unter Treiberproblemen.
Gebrauchtmarkt: Eine RTX 3070 kostet etwa 300 Euro, eine RTX 3060 Ti 250 Euro. Beide sind für 1080p-Gaming noch tauglich, aber für aktuelle Titel wie Alan Wake 2 oder Starfield reicht der Videospeicher (8 GB) oft nicht aus. Starfield läuft auf einer RTX 3070 nur mit niedrigen Texturen bei 60 fps. Nvidia hat mit der RTX 4060 Ti 16 GB ein Modell mit ausreichend Speicher gebracht, verlangt aber 499 US-Dollar, fast das Doppelte der RTX 3060 Ti zum Launch. Der Preis pro Gigabyte VRAM ist auf einem Allzeithoch. Eine RTX 5090, deren Architektur für 2025 erwartet wird, soll auf 3-nm-Fertigung wechseln bei weiter steigenden Waferkosten.