Ein Berserker blickt durchs Visier
Die knapp siebenminütige Kurzgeschichte „Blood and Chains“ startete am 14. März 2025 auf Warhammer+. Fast die gesamte Laufzeit zeigt die Action aus der Egoperspektive eines World Eaters Berzerker, eines Khorne-treuen Chaos Space Marines. Kein Schnitt, kein Third-Person-Blick. Kettensägen, blitzende Klingen, Blut.
Produziert wurde die Animation vom britischen Studio Axis Studios. Axis arbeitete zuvor an den Zwischensequenzen für Dawn of War III (2017) und den Trailern für Total War: Warhammer (2016). Für Games Workshop erstellte das Studio bereits die Serie Hammer and Bolter (22 Episoden, 2022–2024), jedoch stets in klassischer Third-Person- oder feststehender Kameraperspektive. Die Ego-Perspektive ist für eine offizielle Warhammer-Animation ein Novum.
Der Geist von Space Marine 2 meets Doom
Space Marine 2 (Saber Interactive, 2024) verkaufte sich in den ersten zwei Wochen knapp 2,5 Millionen Mal, der Metacritic-Wert liegt bei 81. Boltgun (Auroch Digital, 2023), ein Retro-Ego-Shooter mit Space Marines, erreichte rund 500.000 Verkäufe bei einem Metascore von 76. Beide zeigen: Das Publikum für Warhammer-Shooter existiert, schwankt aber zwischen Third-Person und Retro-Stil.
- Doom Eternal (2020): 10 Millionen verkaufte Einheiten, prägt das Genre der blutigen Ego-Shooter.
- Warhammer 40.000: Darktide (2022): 3 Millionen Spieler, aber menschliche Charaktere statt Space Marines.
Eine First-Person-Space-Marine-Variante fehlt im Katalog, auch weil kein größeres Studio das Risiko einging. Die Animation skizziert nun eine Machbarkeitsstudie.
Wer produzierte die Animation?
Axis Studios wurde 2008 in Großbritannien gegründet. Neben Games Workshop arbeiteten sie für Halo Wars 2 (2017, Cinematics) und Evil Dead: The Game (2022, Zwischensequenzen). Das Team zählt rund 70 Angestellte. Die Arbeit an der Ego-Perspektive erforderte neue Kameratechniken, die übliche filmische Inszenierung von Space-Marines-Schlachten funktioniert normalerweise aus der Totalen.
Games Workshop selbst hat mit Astartes (2018) Erfahrung gesammelt: Der Fan-Film von Syama Pedersen wurde lizenziert und später zur Serie ausgebaut. Auch The Tithes (2023) und Pariah Nexus (2024) sind Eigenproduktionen, aber keine Egoshooter. Die Animation ist kein Teaser für ein Spiel, doch der interne Testballon könnte als Blaupause für zukünftige Projekte dienen.
Kein Spiel, aber ein starkes Argument
Offiziell gibt es kein angekündigtes First-Person-Chaos-Space-Marine-Spiel. Die Animation ist eigenständig, kein Vorgeschmack auf ein konkretes Produkt. Dennoch: Games Workshop hat wiederholt signalisiert, dass sie nach dem Erfolg von Space Marine 2 weitere Shooter-Formate prüfen.
- Inoffizielle Mods für Space Marine 2 bieten bereits eine First-Person-Kamera, die Community zeigt Interesse.
- Vergleichbare Genre-Lücken gab es zuletzt bei Warhammer 40.000: Inquisitor, Martyr (2018, Diablo-artig) und Warhammer 40.000: Battlesector (2021, rundenbasiert).
Die Animation zeigt, wie roh und intensiv ein Ego-Shooter mit Kettensägen und Chaos-Symbolen wirken könnte. Sie liefert ein visuelles Argument, das bei Fans und potenziellen Entwicklern auf fruchtbaren Boden fällt.
Frühere Releases und Marktdaten
Wer einen First-Person-Warhammer-Shooter bauen will, kann an folgende Titel anknüpfen:
- Warhammer 40.000: Fire Warrior (2003, PS2/PC): Der einzige offizielle Ego-Shooter mit einem Space Marine? Nein, darin steuerte man einen Tau-Feuerkrieger. Verkaufszahlen unter 200.000.
- Warhammer 40.000: Space Marine (2011): Third-Person, aber ein erster Anlauf mit Nahkampffokus, verkaufte sich 1,2 Millionen Mal.
- Boltgun (2023): Budget ca. 1,5 Millionen Euro, Rentabilität durch positive Mundpropaganda.
Die Branche sieht aktuell einen Boom bei Ego-Shootern: Doom: The Dark Ages (id Software, 2025 angekündigt) und Unreal Tournament-Neuauflagen (Gerüchte) deuten auf eine Renaissance. Ein Warhammer-Titel könnte hier Anschluss finden, vorausgesetzt, ein Studio mit Erfahrung in brutaler Action (Saber Interactive, id Software, Fatshark) greift die Idee auf.