30 Jahre Wartezeit
Brad Bird, der Mann hinter „The Incredibles“ und „Ratatouille“, gibt nicht auf. Seit fast drei Jahrzehnten versucht er, seinen Neo-Noir-Traum „Ray Gunn“ zu realisieren. Laut einem Bericht von Polygon wendet sich der Regisseur jetzt direkt an Netflix, mit einer ungewöhnlichen Bitte.
Brad Birds Erfolgsbilanz
Birds bisherige Filme haben an den Kinokassen über 2,5 Milliarden US-Dollar eingespielt. „The Incredibles“ (2004) holte 633 Millionen Dollar, „Ratatouille“ (2007) 620 Millionen, und „Incredibles 2“ (2018) sogar 1,24 Milliarden. Der Regisseur gewann zwei Oscars (Bester Animationsfilm für „Ratatouille“ und „The Incredibles“). Sein Debüt „The Iron Giant“ (1999) floppte mit 31 Millionen Dollar Einspiel, gilt aber heute als Klassiker. Birds Markenzeichen sind Mischungen aus actiongeladener Animation und tiefgründigen Charakteren.
Theatralische Veröffentlichung gefordert
- Bird bittet den Streaming-Dienst, „Ray Gunn“ nicht nur digital zu veröffentlichen.
- Er wünscht sich einen echten Kinostart, Leinwand, Popcorn, Saallicht aus.
- Der Film soll als abendfüllende Animation erscheinen, vermutlich im Stil eines düsteren Detektiv-Thrillers.
Details zur Handlung oder Besetzung gibt es noch nicht. Nur die Grundidee steht: eine Neo-Noir-Geschichte, die Bird seit den 1990ern im Kopf trägt.
Netflix’ Kinostart-Politik
Netflix hat bisher nur wenigen Eigenproduktionen breite Kinostarts gewährt. „The Irishman“ (2019) startete in rund 500 Kinos, „Roma“ (2018) in etwa 1000. Der Grund: Die Academy verlangt für eine Oscar-Qualifikation einen mindestens einwöchigen Kinostart in Los Angeles. Für Animationsfilme gilt die gleiche Regel. 2023 brachte Netflix keinen animierten Spielfilm ins Kino. Zum Vergleich: Disney-Pixar lässt seine Filme exklusiv im Kino starten, was ihnen oft Milliarden-Einnahmen beschert. Ein Kinostart von „Ray Gunn“ wäre für Netflix ein Risiko: Der Film müsste sich gegen Blockbuster wie „Die Eiskönigin 3“ behaupten, der für 2027 erwartet wird.
Ein schwieriges Erbe
„Ray Gunn“ ist Birds persönlichstes Projekt. Nach den Erfolgen von „The Incredibles“ und „Ratatouille“ hatte er mehrfach Anläufe genommen, bei verschiedenen Studios.
- Ursprünglich für Warner Bros. in der Mache, dann zu Pixar gewandert.
- 2018 wurde das Projekt bei Netflix angesiedelt, mit „The Iron Giant“ -ähnlichem Retro-Look.
- Jetzt, 2026, liegt der Ball beim Streaming-Giganten.
Ob Netflix auf Birds Bitte eingeht? Kino-Starts für Netflix-Filme sind selten, aber nicht unmöglich, „The Irishman“ und „Roma“ bekamen begrenzte Läufe.
Historische Neo-Noir-Animationen
Der Neo-Noir-Stil ist in der Animationsbranche selten. „The Iron Giant“ spielte mit 1950er-Ästhetik, aber ohne Noir-Elemente. Näher dran sind „The Wolf House“ (2018), ein experimenteller Stop-Motion-Film, oder „Blade Runner: Black Lotus“ (2021), eine Anime-Serie. Klassische Vorbilder wie „The Big Sleep“ (1946) oder „Chinatown“ (1974) liefern die visuelle Referenz. Bird plant, „Ray Gunn“ in einem Schwarz-Weiß-Farbschema mit roten Akzenten zu halten, ähnlich der „Sin City“-Verfilmung von 2005. Ein solcher Look ist auf einer großen Leinwand deutlich wirkungsvoller als auf einem Heimbildschirm.
Der Neo-Noir-Traum lebt
Brad Bird hat seine Karriere auf qualitativ hochwertige Animationen aufgebaut. Sein Wunsch nach einem Kinoerlebnis für „Ray Gunn“ ist nachvollziehbar. Der Film soll visuell an Schwarz-Weiß-Film noirs der 40er Jahre erinnern, mit einer modernen Note. Für Hardcore-Fans von „The Incredibles“ ist das ein Leckerbissen. Bisher hat Netflix keine offizielle Stellungnahme zu Birds Appell abgegeben.