Strengere Regeln: Kein Wort mehr mit Fremden
Der britische Online-Sicherheitsminister Kanishka Narayan hat gegenüber The Times ein pauschales Verbot für Kinder vorgeschlagen, in Online-Spielen mit Fremden zu kommunizieren. Das Verbot soll Teil eines übergeordneten Gesetzes gegen soziale Medien für Minderjährige werden, das derzeit im Vereinigten Königreich geprüft wird. Narayan betonte, dass „die Aktivitäten auf Gaming-Plattformen bei der Frage, wie wir die schlimmsten Schäden für Jugendliche verhindern, schwer ins Gewicht fallen werden“.
Australien als Vorbild, aber ohne Gaming-Sperre
Australien verabschiedete 2024 ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren und wurde damit zum Vorbild für die britischen Pläne. Die australische Regelung betrifft jedoch keine Spieleplattformen, nur Twitch wurde dort explizit ausgeschlossen. Großbritannien könnte hier einen anderen Weg gehen und die Beschränkungen direkt auf Spiele wie Roblox, Fortnite und Minecraft ausweiten. Konkrete Titel nannte Narayan nicht, doch die jüngsten Lawinen an Vorwürfen gegen Roblox lassen wenig Zweifel, wer im Fokus steht.
Roblox unter schwerem Beschuss internationaler Behörden
Die Liste der Anschuldigungen gegen Roblox ist lang: Australien stellte die Plattform wegen Berichten über Grooming und Sexualinhalte an die Wand. Floridas Generalstaatsanwalt bezeichnete Roblox als „Brutstätte für Pädophile“. Texas verklagte die Roblox Corporation wegen des Vorwurfs der Kinderausbeutung. Als Reaktion darauf kündigte das Unternehmen an, 12 Millionen US-Dollar in sicherere Umgebungen zu investieren. „Wir werden härter daran arbeiten, Kinder vor Fremdenkontakten zu schützen“, hieß es in einer Stellungnahme. Ob das reicht, um Narayans Schleudersitz zu entkommen? Das UK hat noch nicht abgestimmt, der Wind dreht sich rasant.
Die Unternehmen hinter den Zielplattformen
Roblox wird von der Roblox Corporation entwickelt, gegründet 2004 von David Baszucki und Erik Cassel. Baszucki hatte zuvor Knowledge Revolution aufgebaut, ein Unternehmen für physikalische Simulationssoftware wie Interactive Physics. Die Plattform startete 2006 unter dem Namen Dynablocks, später Roblox. Fortnite stammt von Epic Games (gegründet 1991), bekannt für die Unreal Engine und Titel wie Gears of War. Epic veröffentlichte Fortnite 2017 als Free-to-Play-Battle-Royale und zog schnell Millionen junger Spieler an. Minecraft wurde von Mojang unter Markus „Notch“ Persson entwickelt, 2014 an Microsoft verkauft. Minecrafts Multiplayer-Server bieten ebenfalls offene Chatsysteme.
- Roblox hat keine klassischen Serienvorgänger, aber innerhalb der Plattform erzielte das Spiel Adopt Me! (2017) über 30 Milliarden Besuche.
- Fortnite durchlief mehrere Saison-Updates und Kartenänderungen, aber keinen direkten Vorgänger.
- Minecraft startete als Alpha 2009 und erreichte 2024 über 300 Millionen verkaufte Kopien.
Globale Regulierungsversuche im Vergleich
China führte 2021 strikte Spielzeitlimits für Minderjährige ein: maximal eine Stunde pro Tag an Freitagen, Wochenenden und Feiertagen. Südkorea schaffte 2021 sein „Shutdown-Gesetz“ ab, das Nachtsurfen für Spieler unter 16 Jahren verboten hatte. In der EU verpflichtet der Digital Services Act Plattformen zur Risikobewertung von Kinderschutzverstößen. Der UK Online Safety Act 2023 zwingt Betreiber bereits zur systematischen Bekämpfung von illegalen Inhalten und Grooming, jedoch ohne pauschales Kommunikationsverbot. Narayans Vorschlag würde weit über diese bestehenden Regeln hinausgehen.
Zahlen zur Kindersicherheit in Online-Spielen
Roblox verzeichnete 2024 rund 79,5 Millionen täglich aktive Nutzer, davon schätzungsweise 40 Prozent unter 13 Jahren. Eine BBC-Recherche aus dem Jahr 2024 dokumentierte mehr als 100 gemeldete Grooming-Fälle auf Roblox allein in Großbritannien. Die zugesagten 12 Millionen Dollar für Sicherheitsmaßnahmen entsprechen weniger als einem Prozent des Roblox-Umsatzes von 2,7 Milliarden Dollar (2023). Epic Games gibt für Fortnite keine detaillierten Sicherheitsausgaben an, bietet aber eingeschränkte Chatfunktionen und elterliche Kontrollen seit 2018. Mojang (Microsoft) implementierte 2022 ein System, das verdächtige Nachrichten auf Minecraft-Servern filtert. Ein komplettes Fremdverbot würde diese technischen Ansätze obsolet machen, und die Geschäftsmodelle der Plattformen treffen, die auf sozialer Interaktion und In-Game-Käufen basieren.