Ein Kater mit zu vielen Leben
Die Rückkehr von Bubsy fühlt sich an wie ein Klassentreffen, zu dem man eigentlich gar nicht eingeladen wurde. Das grundlegende Gameplay funktioniert dieses Mal flüssiger als bei den berüchtigten Katastrophen der Vergangenheit.
Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack, sobald der Humor des Charakters den Bildschirm übernimmt. Die Sprüche wirken wie ein unlustiger Echo-Effekt aus den 90er-Jahren.
Historischer Ballast und Entwickler-Hintergrund
Das Franchise startete 1993 mit Bubsy in Claws Encounters of the Furred Kind auf dem Super Nintendo und Sega Genesis. Der Entwickler Accolade positionierte den Luchs damals als Konkurrenten für Sonic the Hedgehog, scheiterte jedoch an der mangelnden spielerischen Tiefe.
Das aktuelle Spiel stammt von Black Forest Games, einem Studio, das heute zur THQ Nordic-Gruppe gehört. Bekanntheit erlangte das Team vor allem durch die Giana Sisters: Twisted Dreams, welche als deutlich kompetentere Plattformer gelten.
Was unter der Haube steckt
Die Entwickler haben an den technischen Schrauben gedreht, um das Spielgefühl zu stabilisieren:
- Die Steuerung reagiert präziser auf Eingaben, was Frustmomente im Vergleich zu Bubsy 3D reduziert.
- Das Level-Design verzichtet weitgehend auf die unfairen Todesfallen, die das ursprüngliche Bubsy zur Zielscheibe von Kritikern machten.
- Die visuelle Präsentation bleibt zweckmäßig und nutzt eine moderne Engine, ohne optische Ausrufezeichen zu setzen.
Branchenkontext der Maskottchen-Reanimation
In der heutigen Industrie beobachten wir eine Welle an Remakes und Sequels ehemaliger Maskottchen der 16-Bit-Ära. Während Titel wie Crash Bandicoot N. Sane Trilogy oder Spyro Reignited Trilogy Verkaufszahlen in Millionenhöhe erreichten, bleibt Bubsy ein Nischenprodukt.
Die Budgetierung dieser Titel liegt weit unter den dreistelligen Millionenbeträgen moderner Triple-A-Produktionen. Publisher wie Accolade (die Marke wurde später von Atari übernommen und lizenziert) setzen hier auf den Wiedererkennungswert eines Namens, der ironischerweise durch seine schlechte Qualität in den 90ern Kultstatus erreichte.
Warum die Nostalgie schmerzt
Die Inszenierung wirkt wie ein Relikt aus einer Zeit, die mancher gerne vergessen würde. Die Anbiederung an veraltete Trends sorgt bei Spielern für Ermüdung.
Dabei stechen diese Punkte negativ hervor:
- Die Dialogzeilen wiederholen sich in einer Frequenz, die jeden Geduldsfaden reißen lässt.
- Das Design der Umgebung wirkt wie eine lieblose Kopie von Plattformer-Standards.
- Ein Mangel an frischen Ideen sorgt dafür, dass sich das Erlebnis trotz der technischen Stabilität altbacken anfühlt.
Ein Vergleich der Katastrophen
Die Serie hat eine lange Historie an Fehlgriffen, die das heutige Comeback erschweren. Der Tiefpunkt war der 1996 veröffentlichte 3D-Ableger Bubsy 3D, der regelmäßig in Listen der schlechtesten Spiele aller Zeiten auftaucht.
Verglichen mit zeitgenössischen Titeln wie Super Mario 64 bot Bubsy 3D eine kaum funktionierende Kamera und eine Steuerung, die das Gehen zur Herausforderung machte. Die heutigen Veröffentlichungen wirken im Vergleich fast schon professionell, bleiben jedoch inhaltlich inhaltsleer.
Ein Fazit zur Spielbarkeit
Wer die Serie aus purer Ironie oder tiefer Verbundenheit zu den 16-Bit-Tagen verfolgt, findet hier eine Überraschung vor. Das Spiel ist kein Totalausfall mehr, wie es bei früheren Ablegern der Fall war.
Die 90er-Jahre-Attitüde erstickt jedoch jeden Funken eigener Identität im Keim. Bubsy scheint nicht zu verstehen, dass eine Katze auch ohne neun Leben auskommt, wenn die ersten acht bereits verschwendet wurden. Die Verkaufszahlen der letzten Jahre zeigen zudem, dass der Markt für derartige Low-Budget-Produktionen zunehmend schrumpft.