Ein Grid für das digitale Zeitalter
Chivalware greift die Grid-basierten Echtzeitkämpfe von Mega Man Battle Network auf und verdichtet sie zu einem knackigen Roguelike.
Statt eines linearen Story-Modus erwartet euch zufällig generierte Level, in denen ihr euren Cyber-Avatar von Raum zu Raum treibt.
Das Kern-Gameplay bleibt dem Vorbild treu: Ihr wählt Chips (Angriffe, Heilung, Buffs) aus einem vorgegebenen Deck und setzt sie auf einem 3x5-Raster ein.
Der Clou: Jeder Zug ist begrenzt, Gegner agieren parallel, das erzeugt eine Hektik, die an alte Battle Network-Duelle erinnert, aber noch schneller tickt.
Warum ich es kaum weglegen kann
Der Roguelike-Twist zwingt euch, ständig neue Chip-Kombinationen auszuprobieren, denn jeder Run ändert das verfügbare Arsenal.
- Perk-System nach jedem Bosskampf: passive Upgrades, die eure Taktik fundamental verändern
- Vier verschiedene Klassen (z.B. Nahkampf-Berserker, Fernkampf-Taktiker) mit jeweils eigenem Chip-Pool
- Gegner-Vielfalt: von Hacking-Drohnen bis zu schweren Panzer-Einheiten mit eigenen Grid-Manipulationen
Die Steuerung ist direkt: Pfeiltasten bewegen den Avatar, Aktionen per Knopfdruck, kein Umschalten zwischen Menüs.
Das fühlt sich nach einer schnörkellosen Neuinterpretation an, die den Geist des Originals bewahrt, ohne sklavisch zu kopieren.
Retro-Optik mit modernem Feinschliff
Grafisch setzt Chivalware auf Pixel-Art mit grellen Neon-Farben. Die Arenen sind kleine, verschiebbare Raster, die an CRT-Monitore erinnern.
Der Soundtrack drückt von ruhigen Erkundungsphasen bis zu brachialen Boss-Kämpfen ordentlich auf die Tube, Gitarren-Riffs treffen auf Chiptune.
Besonders gelungen: Die Geschwindigkeit lässt sich in Echtzeit anpassen. Ihr könnt die Action jederzeit verlangsamen, um Chips zu sortieren. Das verhindert Frust, ohne den Druck zu killen.
Eine Schwäche gibt es: Die Tutorial-Phase ist knapp gehalten. Wer Mega Man Battle Network nicht kennt, braucht ein paar Runs, um die Taktik zu verstehen.
Dafür belohnt Chivalware mit einem soliden Wiederspielwert. Jeder Run dauert 20 bis 30 Minuten, ideal für schnelle Sessions.
Das Spiel ist jetzt auf Steam erhältlich, eine Switch-Version ist angekündigt. Wer einen rasanten Deck-Bauer mit taktischem Tiefgang sucht, sollte die virtuelle Diskette einlegen.
Die Macher: PixelForge Games
Entwickelt wird Chivalware vom Berliner Studio PixelForge Games, gegründet 2018 von drei ehemaligen QA-Testern. Das Team wuchs auf acht Personen an. Ihr erster Titel Circuit Breaker (2020) war ein minimalistisches Puzzle-Spiel über Stromnetze, 80% positive Bewertungen auf Steam bei 12.000 verkauften Einheiten. 2022 folgte Data Stream, ein Twin-Stick-Shooter mit Hacking-Mechaniken, der 90% positive Reviews und 45.000 Verkäufe erreichte. Beide Spiele liefen auf Eigenfinanzierung; Chivalware erhielt einen Entwicklungskredit der Medienboard Berlin-Brandenburg in Höhe von 150.000 Euro. Die Produktion dauerte 18 Monate, das Budget lag bei insgesamt 420.000 Euro.
Der Lead Designer Felix Mertens gab in einem Interview an, dass die Inspiration direkt von Mega Man Battle Network 6 (2005) und One Step from Eden (2019) stamme. Er wollte die Deck-Strategie des Originals bewahren, aber die Runden durch gleichzeitige Aktionen ersetzen, eine Idee, die er in einem Game Jam 2021 erstmals testete.
Markt und Vergleichstitel
Chivalware bewegt sich in einer Nische, die seit One Step from Eden (500.000+ verkaufte Einheiten laut Capcom-ähnlichen Schätzungen) wiederbelebt wurde. 20 Minutes Till Dawn (2022) zeigte, dass hektische Deck-Roguelikes auf Steam funktionieren; es erreichte 1,2 Millionen Spieler in zwei Monaten. Chivalware ist mit 15.000 Verkäufen in der ersten Woche und 85% positiven Reviews auf Steam ein ordentlicher Starter. Im Vergleich dazu startete One Step from Eden mit 8.000 Verkäufen in Woche eins und wuchs durch Mundpropaganda.
Die Switch-Version ist für Q3 2024 angekündigt, ein Plattformwechsel, der bei ähnlichen Titeln (z.B. Slay the Spire) oft die Verkaufszahlen verdoppelte. Preislich liegt Chivalware bei 17,99 Euro, etwas unter dem Genre-Durchschnitt (19,99 Euro). Ein Day-1-Patch brachte bereits Balancing für die Berserker-Klasse und reparierte einen Bug, bei dem Chips im Multiplayer-Modus nicht korrekt geladen wurden. Multiplayer ist lokal nur im Koop-Modus spielbar, ein Online-Patch ist für Oktober geplant.