Ein düstereres Ende für Night City
Die Netflix-Serie Cyberpunk: Edgerunners ist bekannt für ihr emotionales und brutales Finale. Doch wie ein aktueller Bericht von Kotaku zeigt, hätte es noch viel schlimmer kommen können.
Die Geschichte von David Martinez und Lucy war laut den ursprünglichen Plänen für ein noch düstereres Ende vorgesehen. Das ohnehin schon tragische Schicksal der beiden Hauptfiguren sollte eine zusätzliche, grausame Wendung erhalten.
Studio Trigger und die Produktion
Cyberpunk: Edgerunners wurde von Studio Trigger animiert, gegründet 2011 von ehemaligen Gainax-Mitarbeitern wie Hiroyuki Imaishi. Trigger ist bekannt für Serien wie Kill la Kill (2013), Space Patrol Luluco (2016) und den Kinofilm Promare (2019). Die Serie war Triggers erste Zusammenarbeit mit einem westlichen Publisher (CD Projekt Red) und ihre erste Adaption eines Videospiels. Rund 10 Episoden wurden über zwei Jahre produziert, mit einem Budget, das laut Branchenquellen im oberen Millionenbereich lag.
Die Regie führte Hiroyuki Imaishi, das Drehbuch schrieb Masahiko Otsuka, ein Veteran von Gurren Lagann. Der Soundtrack stammt von Akira Yamaoka (Silent Hill) und Marcin Przybyłowicz (Cyberpunk 2077). Die Serie war ein finanzieller Erfolg: Netflix meldete 19 Millionen Views in den ersten fünf Tagen nach Release im September 2022.
Was die alternative Version bereithielt
- David und Lucy sollten ein noch brutaleres Ende erleben, als es im finalen Cut der Fall war.
- Die Quelle spricht von einer „horrific note“, einem Schreckensmoment, der alles übertroffen hätte. Laut Kotaku-Journalistin Cecilia D'Anastasio sah die ursprüngliche Storyline vor, dass Lucy nach Davids Tod von Arasaka-Wissenschaftlern seziert und ihr Bewusstsein in ein Relic-Protokoll gespeichert wird. David, der bereits tot war, hätte keine Rettungsmöglichkeit gehabt.
- Die Macher entschieden sich letztlich für die mildere Variante, was angesichts der ohnehin hohen Sterblichkeit in Night City bemerkenswert ist. Imaishi erklärte in einem Interview, dass man „den Zuschauern nicht alles nehmen“ wollte.
Warum diese Entscheidung zählt
Cyberpunk: Edgerunners gilt als eine der besten Videospiel-Adaptionen überhaupt. Die Serie fängt die düstere Atmosphäre von Cyberpunk 2077 perfekt ein. Ein noch brutaleres Ende hätte die ohnehin schon intensive Wirkung möglicherweise überladen. Die Autoren zeigten ein gutes Gespür für das richtige Maß an Tragik. Im Vergleich zu anderen Adaptionen wie Arcane (2021) oder Castlevania (2017) ist Edgerunners die einzige, die das Kernmotiv der Vorlage, Verlust und Verzweiflung in einer sterilen Technokratie, ohne Zugeständnisse an das Mainstream-Publikum umsetzt.
Das Cyberpunk-Franchise und seine Adaptionen
Cyberpunk begann 1988 als Pen-&-Paper-Rollenspiel von Mike Pondsmith. CD Projekt Red erwarb 2012 die Lizenz und veröffentlichte Cyberpunk 2077 im Dezember 2020. Das Spiel verkaufte trotz technischer Probleme über 25 Millionen Exemplare (Stand 2024). Die Anime-Serie war Teil einer grenzüberschreitenden Strategie: Netflix finanzierte die Produktion, Trigger animierte, CD Projekt lieferte Lore und Charakterdesigns. Ein ähnliches Modell verfolgte Arcane (Riot Games/Fortiche) oder The Witcher: Nightmare of the Wolf (Netflix/Studio Mir). Edgerunners erreichte Metacritic-Werte von 95 (Kritiker) und 90 (Publikum), für eine Anime-Adaption eines westlichen Spiels ein Spitzenwert.
Ein Blick auf die vorhandenen Fakten
Klare Aussagen von offizieller Seite gibt es nicht. Der Kotaku-Artikel bleibt die einzige Quelle für diese Information. CD Projekt Red und Trigger haben die Existenz einer alternativen Version weder bestätigt noch dementiert. Die zehn Episoden von Cyberpunk: Edgerunners sind auf Netflix abrufbar, und jetzt wissen wir: Es hätte noch düsterer kommen können. Dass die Macher die „horrific note“ verwarfen, liegt wohl auch an Trigger-typischer Erzählökonomie: In Kill la Kill und Promare siegt am Ende immer die Hoffnung, selbst nach größten Opfern. Edgerunners bricht mit diesem Muster, aber nicht vollständig.