Update beendet Zensur-Debatte
AdHoc Studios hat ein neues Update für Dispatch auf Nintendo Switch und Switch 2 veröffentlicht. Der Patch adressiert die seit dem Launch viel gescholtene Zensur des Titels, der auf dem PC rund 500.000 Einheiten verkaufte, bevor die Konsolenversionen im Januar erschienen. Die Community hatte sich lautstark über die Eingriffe in Grafik und Dialoge beschwert. Jetzt rollt das Team die meisten Änderungen zurück.
Der Schritt ist für ein Studio dieser Größe ungewöhnlich. AdHoc Studios, gegründet 2015 in Berlin, beschäftigt rund 25 Angestellte und finanzierte Dispatch über einen erfolgreichen Kickstarter (320.000 Euro). Zwei Vorgängertitel, das Puzzle-Adventure Signal Trace (2018) und der narrative Thriller Crosslink (2021), blieben ohne Zensur und erhielten auf Steam „sehr positive“ Bewertungen. Bei Dispatch, einem taktischen Rogue-like mit politischer Handlung, griff Nintendo jedoch bei der Portierung durch.
Was genau geändert wurde
- Bestimmte Charaktermodelle und Blutdarstellungen wurden wieder in die Originalfassung versetzt. Die Switch-Version hatte ursprünglich weiche Texturen und reduzierte Partikeleffekte bei Kämpfen.
- Dialogzeilen, die im Launch-Build entschärft worden waren, insbesondere Schimpfwörter und direkte Verweise auf reale Konflikte, sind nun in ihrer ungekürzten Form spielbar.
- Die Anpassungen gelten sowohl für die Switch als auch für die Switch 2, ein separater Patch pro Konsole entfällt. Die Dateigröße beträgt 1,8 GB.
Das Update wird automatisch ausgeliefert. Ein manueller Download ist nicht nötig. AdHoc Studios hat die Patch Notes auf der offiziellen Discord-Seite veröffentlicht, die auch die technischen Anpassungen für die Switch-2-Hardware betreffen: Ladezeiten und Framerate bleiben unverändert.
Reaktion der Spieler
In sozialen Netzwerken und Foren überwiegt die Erleichterung. Viele sehen den Schritt als späte, aber richtige Reaktion des Studios auf die anhaltende Kritik. Die Petition auf Change.org, die innerhalb von zwei Wochen über 8.000 Unterschriften sammelte, wurde inzwischen als erfolgreich markiert. Ein Nutzer auf Reddit schrieb: „Endlich kann ich das Spiel so erleben, wie es gedacht war.“ Negative Bewertungen im eShop, rund 300 Stück mit einem Durchschnitt von 2,1 Sternen vor dem Patch, wurden teilweise zurückgezogen.
AdHoc Studios selbst hat sich bislang nur mit einem knappen Patch-Hinweis geäußert. Ein ausführliches Statement steht noch aus. Branchenbeobachter spekulieren, dass die Zurückhaltung mit den andauernden Verhandlungen über eine physische Sonderedition zusammenhängt.
Ende der Zensur-Ära?
Mit diesem Update ist die Kontroverse um Dispatch wohl endgültig beigelegt. Das Spiel ist nun auf beiden Nintendo-Konsolen in der Fassung spielbar, die Fans von Anfang an erwartet hatten. Der Patch kommt rund drei Monate nach dem Launch der Switch-Version und sechs Wochen nach der Switch-2-Veröffentlichung, eine Verzögerung, die AdHoc Studios mit „technischen Prüfungen und Lizenzfragen“ begründet hatte.
Hintergrund: AdHoc Studios und die Zensur-Debatte
AdHoc Studios arbeitet seit 2016 mit Nintendo zusammen. Ihr erster Konsolenport, Crosslink für die Switch, wurde 2022 ohne Zensur freigegeben. Bei Dispatch lagen die Eingriffe anders: Nintendo Japan bestand auf Änderungen an bestimmten Animationen, die an reale Unruhen erinnerten. Das Studio gab später zu, diese Auflagen übererfüllt zu haben, um Verzögerungen zu vermeiden. Ein interner QA-Bericht, der im Februar durchsickerte, zeigte, dass 14 Szenen entschärft wurden, 12 davon auf Nintendos Wunsch, 2 freiwillig.
Die Switch-2-Portierung erlitt denselben Zensur-Code, obwohl Nintendos Richtlinien für die neue Konsole inzwischen angepasst sind. Das sorgte für zusätzlichen Unmut, da Spieler auf der leistungsstärkeren Hardware eine eigene, unzensierte Version erwarteten. Der Patch behebt nun beide Versionen gleichzeitig.
Branchenkontext und vergleichbare Fälle
Zensur auf Nintendo-Konsolen ist kein neues Phänomen. The Last of Us Part II erhielt in Japan eine reduzierte Gewaltdarstellung. Catherine: Full Body wurde auf Switch mit veränderten Kostümen ausgeliefert. Was Dispatch von diesen Fällen unterscheidet: Der Eingriff betraf nicht nur Gewalt, sondern politische Dialoge, die auf reale Konflikte im Nahen Osten anspielten. AdHoc Studios hatte diese Elemente bereits auf PC und Xbox unzensiert veröffentlicht, die Switch-Fassung war die einzige, die nachträglich beschnitten wurde.
Verkaufszahlen zeigen den Impact: Die Switch-Version von Dispatch startete mit 35.000 Einheiten in der ersten Woche in Europa, weit unter den Erwartungen des Studios (geplant waren 60.000). Nach der Zensur-Debatte sank der Wert weiter. Das Update könnte den Absatz auf der Switch 2 ankurbeln, wo das Spiel mit höherer Auflösung läuft und nun die vollständige Fassung bietet.
AdHoc Studios hat bereits angekündigt, an einem neuen Titel zu arbeiten, einem Stealth-Spiel mit dem Arbeitstitel Shadowline. Ob dieser erneut Zensurkonflikte mit Plattformbetreibern provoziert, bleibt abzuwarten. Der aktuelle Patch zeigt, dass das Studio bereit ist, nachzubessern, auch wenn es drei Monate dauerte.