20 Jahre als Hexer, Doug Cockle zieht Bilanz
Doug Cockle, die englische Stimme von Geralt von Riva, sprach mit Polygon über zwei Jahrzehnte als Synchronsprecher der Figur. Sein erster Einsatz war 2007 im ersten The Witcher-Spiel von CD Projekt Red. Seither hat er die Rolle in drei Haupttiteln, den Erweiterungen Heart of Stone und Blood and Wine sowie dem Spin-off Gwent gesprochen. Das Interview fällt in das 20. Jubiläumsjahr der Buchreihe, der erste Kurzgeschichtenband von Andrzej Sapkowski erschien 1993 auf Polnisch –, doch Cockle selbst bezieht sich vor allem auf seine Arbeit ab 2005, als die ersten Sessions für das Spiel stattfanden.
Warum er die Rolle fast verloren hätte
Cockle gab zu, dass er nach Abschluss der Arbeiten an The Witcher 2 (2011) überzeugt war, nicht mehr als Geralt zurückkehren zu dürfen. CD Projekt Red hatte damals intern überlegt, die Figur neu zu besetzen oder den Synchronsprecher für den dritten Teil zu wechseln. Im Gespräch mit Polygon beschrieb er, wie er erst 2013 einen Anruf vom Studio erhielt, der ihn zurückholte. Die genauen Gründe für die Verzögerung nannte er nicht, aber er deutete an, dass Vertragsdetails und die damalige Unsicherheit über die Zukunft der Serie eine Rolle spielten. Seltene Einblicke in die Casting-Geschichte eines Franchises, das heute als Maßstab für Rollenspiele gilt.
CD Projekt Red: Vom Publisher zum Spitzenstudio
Der Entwickler CD Projekt Red wurde 1994 in Warschau gegründet, zunächst als Publisher, der westliche Spiele nach Polen importierte und lokalisierte. Die erste Eigenproduktion war The Witcher (2007), basierend auf Sapkowskis Büchern. Davor hatte das Studio nur eine Handvoll kleiner Projekte realisiert, darunter den Point-and-Click-Adventure-Ableger The Witcher: Versus und eine browserbasierte Version. Der Durchbruch gelang mit The Witcher 3: Wild Hunt (2015), das über 50 Millionen Exemplare verkaufte und den Entwickler zum europäischen Top-Studio katapultierte. Seither arbeitet das Team an mehreren Projekten: der neuen Witcher-Trilogie (Codename Polaris), einem Multiplayer-Ableger (Sirius) und einer komplett neuen IP (Hadar).
Was kommt als Nächstes?
- Cockle verriet keine konkreten Details zu neuen The Witcher-Spielen, betonte aber, dass CD Projekt Red „große Pläne“ habe.
- Das Studio arbeitet an mindestens drei Titeln im Witcher-Universum: Polaris (erster Teil der neuen Trilogie, frühestens 2026 erwartet), Sirius (ein Multiplayer-Spiel des Entwicklers The Molasses Flood) und einem Remake des ersten Teils (Codename Canis Majoris).
- Ob Cockle in diesen Projekten wieder als Geralt auftritt, ließ er offen. Die neue Trilogie soll laut CD Projekt Red jedoch eine neue Hauptfigur einführen, möglicherweise Ciri.
Rückblick auf eine einzigartige Karriere
Seit dem ersten The Witcher 2007 prägt Cockle die Figur mit seiner rauen, aber warmen Stimme. Er erlebte den Aufstieg der Serie vom Nischentitel zum AAA-Blockbuster mit. Die Rolle des Geralt machte ihn zu einer der bekanntesten Stimmen der Videospielwelt. Zum Vergleich: Die gesamte Witcher-Reihe (inklusive der GOG-Versionen und der Netflix-Serie) hat bis 2023 über 75 Millionen verkaufte Einheiten überschritten. The Witcher 3 allein liegt bei über 50 Millionen nach den letzten öffentlichen Zahlen von 2023. Cockle sprach auch in den englischen Fassungen der Netflix-Animation The Witcher: Nightmare of the Wolf (2021) und mehreren Werbespots.
Keine klaren Antworten zur Zukunft
Cockle sprach im Interview über die kommenden Pläne von CD Projekt Red, hielt sich aber mit konkreten Details zurück. Ob er selbst in einem neuen The Witcher-Teil wieder als Geralt zu hören sein wird, bleibt vorerst offen. In einem Nebensatz sagte Cockle: „Die Tür ist nie ganz zu, aber ich habe gelernt, nie etwas zu erwarten.“ Das Studio selbst hat bestätigt, dass die neue Trilogie eine andere Hauptfigur besitzen wird, was Cockles Rolle als Geralt zumindest in den Hauptspielen beenden könnte. Ein endgültiger Abschied ist das noch nicht: Synchronsprecher werden oft für Cameos in Nebenmissionen oder Spin-offs engagiert.