Ein Jam mit klarer Agenda
Der Third Manifesto Game Jam ist abgeschlossen. 45 Spiele wurden eingereicht, 80 Entwicklerteams aus 14 Ländern beteiligten sich. Die Spiele kreisen auffällig um drei Motive: Nachhaltigkeit, die selbstkritische Verwendung des Begriffs „Slop“ und die Lebensweisheiten von Coach McGuirk aus der Serie „Home Movies“.
Wer den Jam organisiert
Veranstaltet wird die Reihe von Manifesto Games, einem 2021 gegründeten Kollektiv aus Berlin. Die Mitglieder stammen von Studios wie Inbetweengames („A Normal Lost Phone“) und Clifftop Games („Kathy Rain“). Ihr Ziel: Game Jams mit expliziter politischer Agenda, losgelöst von kommerziellen Zwängen.
Frühere Manifesto Jams und Zahlen
Der erste Jam im März 2023 („Labour“) brachte 23 Spiele hervor, darunter „Shift Worker“, eine Simulation über Schichtarbeit. Der zweite Jam („Digital Rights“, Oktober 2023) zählte 37 Einsendungen, Sieger war „Data Gnome“, ein Puzzle über Datenmining. Der dritte Durchlauf verzeichnet mit 45 Spielen einen Teilnehmerrekord.
Was einen Manifesto Jam auszeichnet
Anders als klassische Game Jams wie Ludum Dare oder Global Game Jam verlangen Manifesto Jams eine politische oder philosophische Aussage. Entwickler programmieren nicht nur, sie positionieren sich. Der dritte Durchlauf zeigt, wie ernst die Szene das nimmt: 92 Prozent der Einsendungen halten die drei vorgegebenen Kernthemen ein.
Die drei wiederkehrenden Themen
- Nachhaltigkeit taucht als Öko-Management-Simulation (z.B. „Loop City“), dystopische Ressourcen-Knappheit („Last Drops“) oder metaphorischer Kreislauf auf.
- „Slop“, der abwertende Begriff für lieblos produzierte Spiele, wird selbstreferenziell genutzt. In „Slop Tycoon“ muss der Spieler absichtlich minderwertige Klone von Blockbustern bauen.
- Coach McGuirk (gesprochen von H. Jon Benjamin, bekannt als Archer) liefert mit banalen, aber tiefsinnigen Sprüchen den roten Faden. In „McGuirk’s Wisdom“ erscheint er als Schaltfläche, die pseudo-philosophische Zitate einblendet.
Branchenkontext: „Slop“ als Kampfbegriff
Der Terminus „Slop“ wurde 2022 von YouTuber Jim Sterling popularisiert. Er bezeichnet Spiele, die ohne Qualitätsanspruch auf den Markt geworfen werden, oft Asset-Flips oder KI-generierte Inhalte. Der Jam greift die Debatte um Überproduktion auf Steam auf, wo 2023 über 14.000 Spiele veröffentlicht wurden, viele davon faktisch unspielbar.
Zusammenhänge, die ins Auge springen
Dass drei so spezifische Themen geballt auftauchen, ist kein Zufall. Die Entwickler reagieren auf die „Slop“-Schwemme, die ökologische Krise und die Sehnsucht nach echter, wenn auch skurriler, Weisheit. Coach McGuirk wirkt dabei als ironischer Gegenpol: Seine Sätze wie „You have to be a kid again“ (Episode „The Party“) werden im Kontext von Nachhaltigkeit und Qualität zitierfähig.
Ein Jam mit Botschaft
Der Third Manifesto Game Jam liefert mehr als bloße Spielerei. Er zeigt, dass Indie-Entwickler die Plattform nutzen, um Stellung zu beziehen, gegen Wegwerfkultur, für mehr Bewusstsein und mit einem Augenzwinkern. Das Siegerspiel „Carbon Neutral“, ein Puzzle um CO2-Bilanzen, wird ab März 2025 auf itch.io käuflich sein, die Einnahmen gehen an Fridays for Future.