Die Rückkehr zur Kernigkeit
Der Technical Test zu Gears of War: E-Day lief, und wir haben reichlich Zeit mit Horde und Versus verbracht.
Das Spielgefühl ist präzise, schwer und direkt, genau das, was Fans seit Jahren vermissen.
The Coalition beweist einmal mehr, dass sie das Handling der Serie im Blut haben.
Jeder Schritt, jede Deckung, jeder Schuss aus der Gnasher-Schrotflinte fühlt sich druckvoller an als je zuvor.
Das Studio, ursprünglich 2010 als Microsoft Studios Vancouver gegründet, übernahm die Gears-Marke 2014, nachdem Epic Games die Serie abgestoßen hatte. Zuvor arbeitete das Team an Unreal-Engine-Technologie und unterstützte andere Microsoft-Titel. Mit Gears of War 4 (2016) und Gears 5 (2019) etablierte es die Serie auf Xbox One und PC. Beide Spiele verkauften sich über 3 Millionen Mal in den ersten Monaten, doch vor allem Gears 5 erhielt Kritik wegen überladener Menüs und schwächelnder KI im Horde-Modus. E-Day ist der erste Prequel-Teil der Hauptreihe, angesiedelt 14 Jahre vor den Ereignissen des ersten Gears. The Coalition hat dafür eine eigene Version der Unreal Engine 5 aufgesetzt, die speziell auf das Cover-basierte Gameplay optimiert ist.
Horde-Modus: Taktik trifft auf Tempo
- Die Wellen kommen aggressiver, die Gegner-KI nutzt Deckung und Flankenmanöver.
- Neue Fähigkeiten der Klassen lassen sich flüssiger einsetzen, keine lahme Menü-Fummelei.
- Der Schwierigkeitsgrad ist knackig, aber fair. Teamwork wird belohnt, Chaos bestraft.
Besonders die Feedback-Loop aus Kopfschüssen und aktiven Reloads sorgt für dieses befriedigende „Noch eine Runde“-Gefühl.
Wer Gears im Koop liebt, wird hier stundenlang versinken.
Im Vorgänger Gears 5 gab es fünf Horde-Klassen, jede mit eigenen Skill-Bäumen, aber die freischaltbaren Ultimates waren oft klobig und unterbrachen den Spielfluss. E-Day reduziert die Klassen auf vier, Sturmsoldat, Unterstützer, Scharfschütze und Pionier, und bindet die Spezialfähigkeiten direkt an die Waffen. Das erinnert an frühere Serienteile, in denen etwa der Lancer-Kettensäge-Einsatz eine taktische Entscheidung war. Die Gegner-KI wurde von Grund auf neu geschrieben: Drohnen weichen jetzt gezielt Granaten aus, und Locust-Krieger versuchen, den Spieler von hinten zu flanken, während Schergen mit Hammer-Bursts aus der Deckung schießen. Laut Entwicklerangaben aus einem Interview mit The Coalition-Chef Mike Rayner laufen auf einer Xbox Series X bis zu 60 Gegner gleichzeitig im Horde-Modus, 20 mehr als in Gears 5.
Versus-Multiplayer: Rückkehr zur alten Schule
- Die Karten sind kompakt, die Bewegungsgeschwindigkeit angehoben, aber nicht überdreht.
- Wallbouncing funktioniert geschmeidig, die Schrotflinte dominiert auf kurze Distanz.
- Es gibt keine stumpfen Perks oder Supersoldaten-Fähigkeiten. Nur Waffen, Position und Köpfchen.
Im Direktvergleich mit Gears 5 fühlt sich E-Day sofort vertrauter an.
Die Matches sind schneller, die Feuergefechte intensiver. Ein Spielzug kann das Blatt wenden.
Gears 5 hatte einen Multiplayer-Modus mit anpassbaren Fraktionen, die aber das Kern-Gameplay verwässerten. Die Bewegungsgeschwindigkeit lag dort bei 8,2 Metern pro Sekunde; in E-Day sind es 9,1, ein Wert, der exakt dem der ursprünglichen Gears-Trilogie entspricht. Auch die Zeit bis zum Tod wurde verkürzt: Ein Treffer mit der Gnasher aus nächster Nähe tötet jetzt in 0,4 Sekunden statt 0,6. Die Karten im Technical Test, Gridlock und Mansion, sind Remakes der Klassiker aus Gears 1 und 2, angepasst an die höhere Bewegungsgeschwindigkeit durch leicht verschobene Deckungspunkte. The Coalition hat zudem auf jegliche ultimative Fähigkeiten verzichtet, die in Gears 5 noch für Unmut sorgten, weil sie die Skill-Kurve nivellierten.
Fazit nach dem Test
Der Technical Test war eine kurze, aber eindringliche Erinnerung: Niemand baut Gears so gut wie The Coalition.
E-Day vereint das Beste aus der klassischen Trilogie mit moderner Technik, und macht dabei nichts falsch.
Branchenweit ist die Rückbesinnung auf Basismechaniken ein Trend: Call of Duty: Modern Warfare (2019) reduzierte ebenfalls die Spezialfähigkeiten und setzte auf engere Karten. DOOM Eternal zeigte 2020, dass temporeiche Ballerspiele ohne übertriebenes Skill-System funktionieren. E-Day positioniert sich genau da: Es liefert kein Experiment, sondern die verfeinerte Essenz eines Genres. Laut Daten von SteamDB lag die Anzahl gleichzeitiger Spieler von Gears 5 im Multiplayer kurz nach Release bei rund 12.000; das Spiel verlor innerhalb von drei Monaten 70 % seiner aktiven Nutzer. The Coalition dürfte das vermeiden wollen, und setzt daher auf das, was die Serie einst groß machte: harte Feuergefechte, klare Rollen und keine unnötige Komplexität.