Plattformen unter der Lupe
Roblox und ChatGPT sollen künftig in der EU als Very Large Online Platforms (VLOPs) eingestuft werden. Das berichtet PCGamer unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen.
Was das für Spieler bedeutet
- Roblox müsste härtere Maßnahmen gegen problematische Inhalte umsetzen, besonders im Chat und bei In-Game-Käufen
- ChatGPT wäre zu mehr Transparenz bei Trainingsdaten und Risikobewertung verpflichtet
- Beide Plattformen müssten regelmäßige externe Audits vorweisen
Der Rahmen: Digital Services Act
Der DSA der EU will systematische Risiken auf großen Plattformen reduzieren. Dazu zählen illegale Inhalte, Desinformation und der Schutz Minderjähriger. Very Large Online Platforms sind Dienste mit über 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU.
Hintergrund: Roblox und OpenAI
Roblox begann 2004 als DynaBlocks, eine Physik-Sandbox des Kanadiers David Baszucki und Erik Cassel. 2006 als Roblox veröffentlicht, wuchs die Plattform vor allem durch nutzergenerierte Welten. Der Börsengang 2021 bewertete das Unternehmen mit rund 45 Milliarden US-Dollar. OpenAI wurde 2015 von Sam Altman, Elon Musk und anderen als Non-Profit gegründet, später in ein „Capped-Profit“-Modell umgewandelt. ChatGPT startete im November 2022 auf Basis von GPT-3.5, 2023 folgte GPT-4. Microsoft investierte über zehn Milliarden US-Dollar, OpenAI erreichte 2023 einen Umsatz von 2 Milliarden US-Dollar.
Zahlen und Einordnung
Neben Roblox und ChatGPT sind bereits 19 Dienste als VLOPs gelistet, darunter Facebook (EU: 255 Mio Nutzer), TikTok (136 Mio) und Twitter/X (100 Mio). Laut aktuellen Schätzungen hat Roblox in der EU rund 55 Millionen monatliche Aktive, knapp über der Schwelle. ChatGPT wird auf 35 bis 40 Millionen EU-Nutzer taxiert. Die Einstufung betrifft nicht nur Spieler oder Endnutzer: Auch Anbieter wie Amazon (Marketplace) und Google Shopping fallen darunter. Der DSA verlangt von VLOPs jährliche Risikoanalysen. Verstöße können mit Geldstrafen von bis zu sechs Prozent des globalen Jahresumsatzes belegt werden.
Auswirkungen auf Roblox
Roblox ist besonders bei jungen Spielern beliebt. Bisherige Kritik betraf unter anderem unmoderierte Chat-Funktionen und undurchsichtige Monetarisierung. Mit dem VLOP-Status müsste die Plattform nachweisen, dass sie diese Risiken aktiv bekämpft. Denkbar sind strengere Altersverifikationen und mehr Kontrollmöglichkeiten für Eltern. Bereits 2023 erweiterte Roblox sein Moderationsteam um 1.000 Mitarbeiter, nachdem Berichte über Grooming-Vorfälle in der Community aufkamen. Die neue Auflage könnte zudem Transparenz über die Algorithmen fordern, die Kindern Inhalte vorschlagen.
Auswirkungen auf ChatGPT
OpenAIs Sprachmodell fällt ebenfalls unter die neuen Regeln. Der KI-Dienst müsste offenlegen, wie die Trainingsdaten verarbeitet werden und welche Maßnahmen gegen Fehlinformationen existieren. Nutzer könnten das Recht erhalten, bestimmte generierte Inhalte anzufechten. Bereits 2023 sperrte die italienische Datenschutzbehörde ChatGPT wegen Verstößen gegen die DSGVO, unter anderem wegen fehlender Alterskontrolle. OpenAI reagierte mit einer Altersverifikation für EU-Nutzer. Der VLOP-Status würde diese Auflagen verschärfen: OpenAI müsste ein System bereitstellen, mit dem Nutzer KI-generierte Desinformationen melden können.
Noch keine offizielle Bestätigung
Bisher liegt keine formelle Entscheidung der EU-Kommission vor. Die Meldung stützt sich auf nicht genannte Quellen. Sollte die Einstufung erfolgen, hätten Roblox und ChatGPT eine Frist zur Umsetzung der Auflagen, andernfalls drohen hohe Geldstrafen. Bislang hat keine der beiden Firmen öffentlich auf den Bericht reagiert.