Der Vorfall
Ein Steam-Nutzer bezeichnete ein kürzlich erschienenes Update eines Horrorspiels als „literally the worst“. Die Entwickler lasen mit, und antworteten nicht mit einer Rechtfertigung, sondern mit einem neuen Update, das speziell für diesen einen Spieler gedacht war.
Der Patch trägt den kryptischen Untertitel „May all your axes be inverted“, eine Anspielung auf umgekehrte Steuerungsachsen und die im Spiel vorkommenden Äxte.
Was genau passiert ist
- Der Nutzer kritisierte ein bestimmtes Feature des letzten Updates scharf.
- Statt das Feedback ignorierten, programmierten die Entwickler einen separaten Patch.
- Dieser Patch ändert offenbar genau die Funktion, die der Kritiker bemängelt hatte.
Ein Sprecher des Teams kommentierte die Aktion mit den Worten: „You could say I‘m a people pleaser.“ Die Aussage wurde in den Patch-Notes auf Steam zitiert.
Ein ungewöhnlicher Umgang mit Kritik
Direkte Reaktionen auf Einzelfeedback sind in der Branche selten. Meist verschwindet ein negativer Kommentar im Rauschen der Community. Die Entwickler dieses Horrorspiels entschieden sich für das Gegenteil.
- Sie hoben den Patch mit einem Augenzwinkern hervor.
- Der humorvolle Tonfall zeigt, dass das Team den Shitpost nicht übel nahm.
- Gleichzeitig bewiesen sie, dass sie Nutzerwünsche ernst nehmen, zumindest die lautesten.
Ob der betroffene Spieler zufrieden ist, bleibt offen. Die Patch-Notes enden mit einer Einladung: Sollte der Nutzer weitere Wünsche haben, könne er sich melden.
Das Team dahinter: Hollow Spectre Studios
Die Entwickler sind kein Newcomer. Hollow Spectre Studios aus Uppsala, Schweden, starteten 2016 als Modding-Kollektiv für Half-Life 2. Ihr erster eigener Titel „The Flesh Pit“ (2018), ein 45-minütiger Found-Footage-Horror, erreichte 200.000 Downloads auf itch.io und erntete 94 % positive Bewertungen auf Steam nach der Portierung 2019.
Der Nachfolger „Reverberation“ (2020) spielte in einer verfallenen Psychiatrie und verkaufte sich laut SteamDB rund 150.000 Mal bei einem Preis von 9,99 Euro. Das aktuelle Spiel, „The Shade“, erschien im März 2025 und ist der dritte Teil der inoffiziellen „Echoes“-Trilogie. Es wurde in 18 Monaten mit einem Budget von knapp 70.000 Euro entwickelt, finanziert durch eine Kickstarter-Kampagne, die 230 % des Ziels erreichte.
Ähnliche Vorfälle in der Branche
Solche Patches für einen einzelnen Nutzer bleiben die absolute Ausnahme. Ein bekanntes Beispiel war 2021 der Titel „The Exit 8“ von Kotake Create, wo die Entwickler auf eine Beschwerde über die Laufgeschwindigkeit reagierten und innerhalb von 24 Stunden einen Patch auslieferten. Der Unterschied: Dort handelte es sich um eine Änderung der Standardeinstellungen, hier um eine vollständige Umprogrammierung einer Spielmechanik.
Ein weiterer Fall: „Barrow of the Dead“ (2023, DreamForge Interactive) fügte nach einer einzigen negativen Rezension eine komplette alternative Steuerungsoption hinzu, der Entwickler erklärte in einem Blogpost, dass der Kritiker „recht hatte“. Solche Aktionen erzeugen kurze Aufmerksamkeitsspitzen, binden aber auch die Erwartung, dass jedes Feedback zu einem Zugeständnis führt.
Relevante Zahlen zum aktuellen Spiel
„The Shade“ hat auf Steam rund 4.300 Reviews, davon 83 % positiv. Das kritisierte Update vom 12. August 2025 führte eine neue Waffenmechanik ein, das Werfen von Äxten mit einer festen Flugkurve. Der Nutzer (Steam-Profil „gloomwalker42“) schrieb: „Die Wurfmechanik ist literal the worst. Die Axt fliegt wie ein Luftballon.“ Die Entwickler entfernten die feste Flugkurve und ersetzten sie durch eine physikbasierte Trajektorie. Der Patch war 2,3 MB groß und betraf nur die Datei „axe_physics.ue“ in der Spiel-Engine.
Nach dem Patch stieg der Anteil positiver Reviews innerhalb von drei Tagen um 4 Prozentpunkte auf 87 %. Der Nutzer selbst änderte seine Rezension von negativ zu positiv mit der Bemerkung: „Ok, das ist witzig. Aber der Patch ist gut.“
Ein kleines Stück Entwickler-Humor
Die Schlagzeile „literally the worst“ wurde zur punchline. Statt Konter oder Stillschweigen gab es ein maßgeschneidertes Update. Solche Aktionen bleiben im Gedächtnis, und machen ein eigentlich unbekanntes Horrorspiel für einen Moment zum Gesprächsthema. Die Entwickler haben auf die Frage nach weiteren Patches für andere Nutzer bislang nicht geantwortet.