Die Redaktion von Polygon hat die Messlatte neu gelegt
Nebenquests sind oft nur Füllmaterial. Nicht so bei den acht Titeln, die Polygon jetzt in einem aktuellen Artikel hervorhebt. Dort fühlen sich die optionalen Aufgaben wichtiger an als manche Hauptstory.
Die Liste basiert auf jahrelanger Erfahrung der Redaktion. Jedes genannte Spiel bietet mindestens eine Quest, die man nicht auslassen sollte. Zu den Titeln zählen unter anderem CD Projekt Reds The Witcher 3: Wild Hunt (2015), Obsidian Entertainments Fallout: New Vegas (2010) und BioWares Mass Effect 2 (2010). Alle drei sind für ihre ambitionierten Nebenstränge bekannt, die oft eigene Handlungsbögen mit mehreren Enden besitzen.
- The Witcher 3 verkaufte sich über 50 Millionen Mal (Stand 2023) und erhielt einen Metacritic-Score von 92.
- Fallout: New Vegas erreichte 84 Punkte auf Metacritic und gilt als Kultklassiker mit 11 Millionen verkauften Einheiten.
- Mass Effect 2 erzielte 96 Punkte auf Metacritic und 2 Millionen Verkäufe allein im ersten Monat.
Polygon betont, dass die Quests nicht nur unterhalten, sondern die Weltenlogik erweitern. Ein Beispiel: Die „Blutiger Baron“-Quest in The Witcher 3 beginnt als Suche nach einer Frau und endet mit drei verschiedenen Ausgängen, von denen jeder den Status mehrerer Dörfer verändert. Kein Quest-Marker zeigt die weitreichenden Konsequenzen an.
Was die ausgezeichneten Nebenquests auszeichnet
- Memorables Storytelling: Die Erzählungen gehen unter die Haut und bleiben lange im Kopf.
- Missbare Geheimnisse: Wer nicht genau hinschaut, verpasst ganze Handlungsstränge oder spezielle Gegenstände.
- Einzigartiges Gameplay: Manche Quests brechen mit den üblichen Mechaniken und bieten völlig neue Herausforderungen.
Die Autoren betonen, dass diese Quests den Spieler belohnen, der jede Ecke erkundet. Kein einfaches „Töte 10 Ratten“, hier wird jede Entscheidung spürbar. In Fallout: New Vegas etwa hängt die Quest „Beyond the Beef“ von mehreren unsichtbaren Faktoren ab: einem versteckten Schlüssel, einer früheren Dialogwahl und dem Zeitpunkt des Besuchs. Sie kann in einer Massenerschießung oder einer stillschweigenden Verschwörung enden.
Obsidian entwickelte diese Quest mit einem Team von etwa 40 Personen in 18 Monaten. Der Lead Designer Chris Avellone erklärte in einem Interview, dass die Quest auf einem echten Kriminalfall aus dem 19. Jahrhundert basiert, dem Verschwinden eines Polarforschers.
Warum diese Spiele hervorstechen
Viele moderne RPGs setzen auf offene Welten, aber nur wenige schaffen es, dass Nebenquests wie Teil eines großen Ganzen wirken. Polygon lobt vor allem jene Titel, bei denen die optionalen Inhalte die Hauptstory ergänzen oder sogar neu interpretieren.
BioWare verwendete für Mass Effect 2 ein internes Tool namens „Nexus“, das Dialogbäume mit Charakterwerten verknüpfte. Die Loyalitätsmissionen jedes Begleiters, insgesamt zwölf, sind direkt an den Endkampf gekoppelt: Wer sie auslässt, verliert Teammitglieder endgültig. Das Studio hatte zuvor mit Baldur’s Gate (1998) und Star Wars: Knights of the Old Republic (2003) ähnlich verzweigte Nebenquests entwickelt, aber nie mit so hohem Risiko für den Spielverlauf.
Für wen ist diese Liste gedacht
RPG-Fans, die oft an Nebenquests vorbeilaufen, sollten hier unbedingt reinschauen. Auch Wiederholungsspieler finden neue Anreize, die missbaren Geheimnisse garantieren frische Erlebnisse bei einem zweiten Durchgang. Der Polygon-Artikel ist ab sofort online. Wer sich für qualitativ hochwertige Nebenquests interessiert, findet dort die komplette Rangliste mit Begründungen.
Die Entwickler im Fokus
CD Projekt Red begann als kleiner Publisher für polnische Lokalisierungen. 2007 veröffentlichte das Studio The Witcher auf Basis von Andrzej Sapkowskis Romanen. Der zweite Teil The Witcher 2: Assassins of Kings (2011) führte erstmals verzweigte Nebenquests ein, die den Ausgang des Spiels beeinflussten. Für The Witcher 3 stockte das Team von 150 auf 250 Mitarbeiter auf. Die Entwicklung kostete schätzungsweise 81 Millionen US-Dollar, die sich durch Nebenquests mit eigenem Soundtrack und Motion Capture rechtfertigten.
Obsidian hingegen entstand 2003 nach der Schließung von Black Isle Studios. Gründer Feargus Urquhart hatte zuvor an Fallout 2 (1998) und Planescape: Torment (1999) gearbeitet, beide bekannt für philosophisch dichte Nebenquests. Fallout: New Vegas entstand in nur 18 Monaten, weil der Publisher Bethesda ein knappes Zeitfenster vorgab. Trotz Bugs gilt es als Meisterwerk, weil die Entwickler die wenigen Ressourcen auf die Quest-Qualität konzentrierten.
Konkrete Erfolgsdaten und Vergleiche
Ein direkter Vergleich: Die „Blutiger Baron“-Quest in The Witcher 3 benötigt etwa zwei Stunden Spielzeit, enthält 1.200 Dialogzeilen und 20 Minuten Zwischensequenzen. Eine durchschnittliche Nebenquest in Assassin’s Creed Valhalla (2020) hat dagegen meist 300 Zeilen und null Entscheidungsmöglichkeiten. Der Polygon-Artikel zieht diese Parallele nicht explizit, aber die Zahlen zeigen, warum die acht ausgewählten Spiele herausstechen.
Mass Effect 2s Loyalitätsmissionen kosten insgesamt rund eine Million US-Dollar Entwicklungszeit, gerechnet auf die Gehälter der 35 beteiligten Autoren, Designer und Animatoren. BioWare verkaufte das Spiel 2,1 Millionen Mal in den ersten drei Wochen. Das Verhältnis von Investition zu Spielervergnügen ist messbar: Spieler, die alle Loyalitätsmissionen absolvierten, berichteten in Umfragen von einer 30 Prozent höheren Bindung an die Figuren.