Die Preisexplosion kommt pünktlich zum Sommer
Laut Prognosen des Marktforschungsinstituts IC Insights sollen die Preise für DRAM und NAND-SSDs im dritten Quartal 2026 um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen. Ein 32-GB-DDR5-Kit, das 2025 noch bei 120 Euro lag, könnte dann 180 Euro kosten. 2-TB-NVMe-SSDs von Marken wie Samsung oder WD steigen von 150 auf über 220 Euro. Wer noch auf den günstigen Upgrade-Zeitpunkt wartet, hat ihn verpasst, weil die Produktion bereits gedrosselt ist.
- DDR5-Riegel verteuern sich binnen weniger Wochen um 40–60 Prozent.
- Auch HBM3-Speicher für KI-GPUs wird knapp und treibt die Nachfrage nach Wafer-Kapazität.
- Gebrauchtmarkt: DDR4-Riegel steigen ebenfalls, weil viele auf ältere Systeme ausweichen.
Die treibenden Kräfte hinter der Teuerung
Drei Unternehmen kontrollieren 95 Prozent des DRAM-Markts: Samsung, SK Hynix und Micron. Sie haben im ersten Halbjahr 2025 die Fertigung von DDR5 um etwa 20 Prozent zurückgefahren, um die Preise nach einem Überangebot 2024 wieder zu stabilisieren. Gleichzeitig frisst der KI-Boom Kapazitäten: Ein einziger Nvidia H100-Server mit acht GPUs benötigt über 2 Terabyte HBM3-Speicher, mehr als 30 durchschnittliche Gaming-PCs.
- Microns neue Fab in New York startet erst 2027, Samsung und SK Hynix priorisieren HBM für KI.
- Die Umstellung auf 1c-nm-Technologie (EUV-Lithografie) verzögert sich wegen Qualitätsproblemen.
- Spekulanten kaufen große Kontingente auf dem Spotmarkt, was die Preise zusätzlich treibt.
Was das für eure Spielesammlung bedeutet
Ein neuer High-End-PC mit 32 GB RAM, RTX 5070 und 2-TB-SSD kostet 2026 schnell 2500 Euro statt 1800. Raytracing in 4K bleibt den oberen 5 Prozent der Gamer vorbehalten. Die Steam-Hardware-Umfrage von Dezember 2025 zeigt: 62 Prozent der Nutzer haben maximal 16 GB Arbeitsspeicher, 38 Prozent nutzen eine SSD unter 1 TB. Genau diese Mehrheit besinnt sich jetzt auf Spiele, die auf alter Hardware flüssig laufen.
- „Hollow Knight: Silksong“, „Celeste“ oder „Balatro“ benötigen keine Grafikwunder.
- 2D-Plattformer und Pixel-Art-Titel profitieren von niedrigen Systemanforderungen.
- Indie-Entwickler melden seit Januar 2026 einen Anstieg der Verkäufe um 15–20 Prozent.
Indie-Entwickler mit langer Geschichte und harten Fakten
Team Cherry aus Adelaide veröffentlichte 2017 „Hollow Knight“, ein 2D-Metroidvania mit handgezeichneter Pixeloptik. Das Spiel verkaufte sich über 2,8 Millionen Mal auf Steam, Switch und Xbox. Die Entwickler Ari Gibson und William Pellen arbeiteten fünf Jahre am Nachfolger „Silksong“, der 2026 erscheinen soll, und auf einer Intel HD Graphics 4400 aus dem Jahr 2013 mit 60 Bildern pro Sekunde läuft. Kein Raytracing, kein Upscaling nötig.
Eric Barone (alias ConcernedApe) entwickelte „Stardew Valley“ fünf Jahre lang als Einzelperson und verkaufte es ab 2016 auf PC, Konsolen und Mobil. Mehr als 20 Millionen Kopien wurden ausgeliefert. Sein nächstes Projekt „Haunted Chocolatier“ bleibt dem Pixel-Stil treu, und kann auf einem Zehn-Jahre-alten Laptop gezockt werden.
Maddy Makes Games brachte 2018 „Celeste“ heraus, einen 2D-Plattformer mit 8-Bit-inspirierten Sprites. Der Titel verkaufte sich über 5 Millionen Mal und gewann auf der Game Developers Conference den Preis für das beste Design. Das Studio arbeitet an „Earthblade“, ebenfalls pixelbasiert, mit Zielplattform Steam und Switch, beide laufen auf alter Hardware.
Der Retro-Trend bekommt unfreiwilligen Rückenwind
Was 2020 noch eine bewusste Stilentscheidung war, wird 2026 zur Notwendigkeit. Vampire Survivors (2021, über 100.000 Steam-Bewertungen) braucht eine CPU aus dem Jahr 2008. Balatro (2024) läuft auf einem Pentium 4. Emulatoren erleben ein zweites Goldenes Zeitalter: RetroArch verzeichnete im März 2026 über 1,1 Millionen monatliche Downloads. PS1- und SNES-Klassiker wie „Final Fantasy VII“ oder „Super Metroid“ sind auf jedem Billig-Notebook spielbar.
- Der Markt für gebrauchte 1080p-Monitore stieg um 30 Prozent, weil 4K zu teuer wird.
- Indie-Bundles auf Steam (z. B. „Pixel Power Pack“) verkaufen sich doppelt so oft wie 2024.
Kein Ende der Teuerung in Sicht
Die Prognosen für Q4 2026 und das erste Halbjahr 2027 zeigen keine Entspannung. DRAM-Verträge für Januar 2027 liegen bereits 55 Prozent über dem Fünfjahrestief von 2023. Lieferengpässe bei Fertigungsanlagen, die hohe Nachfrage aus dem KI-Sektor und anhaltende Spekulationen treiben die Preise weiter. Ein einzelner 8-GB-DDR5-Riegel kostete 2024 noch 30 Euro, 2027 könnten es 60 Euro sein, während ein zehn Jahre alter PC mit 8 GB DDR3 für 20 Euro auf dem Gebrauchtmarkt zu haben ist.