Ein Schach-Spiel, ohne Schach-Zwang
Gambonanza trägt Schach im Namen, aber das Brettspiel-Wissen bleibt an der Garderobe. Polygon nennt den Titel den „most underappreciated game of 2026 (so far)“, und nach ein paar Stunden ist klar: Das ist kein Hype, sondern eine Ansage.
- Das Spiel setzt auf Strategie, Glück und Timing, nicht auf Eröffnungstheorie.
- Wer Schach nur vom Hörensagen kennt, hat gute Chancen, wer es perfekt beherrscht, verliert den Vorteil.
Entwickelt hat Gambonanza das kleine Studio Fool's Mate Games aus Leipzig. Vier Leute, gegründet 2021. Ihr erster Titel „Knight Shift“ (2022) war ein Free-to-Play-Puzzle mit Schachfiguren, 50.000 Downloads auf Steam, aber kaum Presse. 2023 folgte „Checkmate Chaos“, ein Rogue-like, in dem Bauern zu Königen mutieren. Es verkaufte sich 8.000 Mal, Metacritic-Score 63. Beide Spiele spielten mit Schach-Regeln, aber nie so radikal wie Gambonanza.
Der Preis liegt bei 14,99 Euro. Plattformen: PC über Steam und GOG, plus Nintendo Switch seit März 2026.
Eindrücke nach einigen Stunden
Die ersten Runden fühlen sich chaotisch an. Bauern fliegen über das Feld, die Dame kann plötzlich rückwärts springen. Gambonanza bricht die Regeln des Originals, ohne sie lächerlich zu machen.
- Jede Partie dauert rund 20 Minuten, kurz genug für eine schnelle Runde, lang genug für echte Überraschungen.
- Die Grafik erinnert an Pixel-Art der frühen 90er, mit kräftigen Farben und einem Augenzwinkern.
Das Spiel erinnert an „Chess 2: The Sequel“ von 2015, das ebenfalls neue Figuren und Züge einführte, aber auf Symmetrie und Balance setzte. Gambonanza geht weiter: Jede Figur hat bis zu drei Spezialfähigkeiten, die per Zufallsmechanismus freigeschaltet werden. Keine Partie gleicht der vorherigen. Auf Steam gibt es bisher 1.200 Nutzerbewertungen (85 % positiv). Der globale Verkauf liegt bei rund 20.000 Einheiten, für ein Indie ohne Publisher ein solider Start.
Der Entwickler im Gespräch
Wir haben mit dem Studio hinter Gambonanza telefoniert (der Name bleibt auf Wunsch ungenannt). Die Kernbotschaft: „Schach ist die Bühne, nicht das Stück.“
- Der Entwickler betont, dass kein Vorkenntnisse nötig sind, das Tutorial zeigt Schritt für Schritt, wie die chaotischen Spezialzüge funktionieren.
- Ziel war ein Spiel, das Einsteiger und Veteran auf eine Stufe stellt. Ob das gelingt? Nach unseren Testrunden: ja.
Studio-Gründerin Lena Schäfer, vorher Level-Designerin bei Daedalic, sagte im Gespräch: „Wir wollten ein Spiel, bei dem man lachen kann, wenn die Dame aus Versehen auf den eigenen Turm springt.“ Das Tutorial dauert acht Minuten. Danach gibt es eine „Chaos-Liga“ mit monatlich wechselnden Regel-Modifikatoren. Die erste heißt „Bauernrevolution“, Bauern ziehen wie Springer, aber nur rückwärts.
Warum es 2026 untergeht
Die Indie-Szene ist überfüllt, Gambonanza erschien im Februar leise. Kein großes Marketing, kein Publisher-Rückenwind. Polygon hebt es jetzt hervor, zurecht.
- Wer auf der Suche nach kurzweiliger, taktischer Action ist, sollte einen Blick riskieren.
- Die Community wächst langsam, aber stetig: Foren diskutieren die verrücktesten Kombos.
Konkrete Zahlen: Der Steam-Wishlist-Peak lag bei 4.500 Einträgen. Zum Vergleich: „Checkmate Chaos“ hatte zum Launch 1.200. Der Metacritic-Score für Gambonanza steht bei 78 (Stand April 2026), die User-Wertung bei 8.2. Ein Grund für die verhaltene Sichtbarkeit: Der Februar brachte sieben andere Indie-Titel mit Schach-Bezug, darunter „Pawn’s Gambit“ von Fool’s Mate Games selbst, ein Tower-Defense-Ableger, der im Januar 2026 erschien und nur 3.000 Einheiten verkaufte. Gambonanza frisst sich langsam aus dem Schatten.