Der Albtraum wird wahr
Genndy Tartakovsky, Erfinder von Samurai Jack und Star Wars: Clone Wars, setzt seinen 18-jährigen Pitch-Marathon durch. Prime Video gab endlich grünes Licht für eine Conan the Barbarian-Zeichentrickserie. Tartakovsky selbst fungiert als Showrunner. Die erste Idee dazu skizzierte er bereits 2008, als er noch bei Cartoon Network Studios unter Vertrag stand. Damals lehnten Sender das Projekt ab, zu brutal, zu stilisiert.
Sein letztes großes Werk Primal (2019–2022) lief bei Adult Swim und zeigte, was Tartakovsky mit minimalem Dialog und maximaler Action erreichen kann. Fünf Emmys gewann die Serie, darunter für herausragende Animationsserie. Conan wird in diese Richtung gehen: kantige Silhouetten, choreografierte Kämpfe, wenig Erklärungen.
Was wir über die Serie wissen
Prime Video hat keine Besetzung, kein Startdatum und keine Episodenzahl genannt. Der Streamingdienst arbeitet mit Tartakovsky’s Studio? Die Produktion liegt vermutlich bei Cartoon Network Studios oder Williams Street, den Einheiten hinter Samurai Jack und Primal. Beide haben Erfahrung mit erwachsenenorientierten Animationsserien.
Tartakovskys Markenzeichen: dynamische Kampfrhythmen, klare Farbkontraste, Figuren, die durch Bewegung erzählen. Fans erwarten eine Serie, die Conans Wüstenlandschaften und Tempel in diesem Stil zeigt, ohne den Comic-Look mancher Marvel-Adaptionen.
Warum das auch Gamer betrifft
Das Conan-Franchise hat eine lange Spieletradition. 1984 erschien Conan: Hall of Volta für den C64, 2007 ein Conan-Actionspiel von Nihilistic für PS3 und Xbox 360. 2018 folgte Conan Exiles von Funcom, ein Survival-Spiel, das über 2 Millionen Exemplare verkaufte. Die Steam-Zahlen liegen bei rund 50.000 gleichzeitigen Spielern (Spitzenwert). Das zeigt: Conan hat eine aktive, spielende Community.
Tartakovskys Stil inspirierte direkt Indie-Titel. Furi (2016) übernahm seine Bosskampf-Ästhetik, Hyper Light Drifter (2016) seine reduzierten Animationen. Sogar Hollow Knight zitierte in manchen Bewegungen seinen flüssigen, schweren Kampfrhythmus. Eine Conan-Serie könnte den Game-Ablegern neuen Schwung geben, Funcom hat bereits Interesse an Crossovers signalisiert.
Ein langer Weg
2008, als Tartakovsky erstmals Conan pitchte, lag Samurai Jack seit drei Jahren auf Eis. Die finale Staffel kam erst 2017, nach einer Fan-Kampagne. Parallel arbeitete er an The Critic? Nein, er entwickelte Sym-Bionic Titan (2010) für Cartoon Network, das nach 20 Folgen abgesetzt wurde. Conan blieb sein unerfüllter Wunsch.
Andere Projekte seiner Karriere: Dexter’s Laboratory, The Powerpuff Girls (als Animator), Star Wars: Clone Wars (2003–2005, 25 Kurzfilme, die George Lucas persönlich lobte). Diese Serie gewann einen Emmy für herausragende Animationsserie, noch vor Samurai Jack.
Die Geschichte von Conan in Filmen und Spielen
Robert E. Howards Figur erschien 1932 in Weird Tales. Der Durchbruch kam 1982 mit Conan the Barbarian, Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger. Der Film spielte 69 Mio. US-Dollar bei 20 Mio. Budget ein. 1984 folgte Conan the Destroyer (31 Mio. US-Dollar). Beide definierten das Fantasy-Genre der 80er.
Die Comics lizenzierten Marvel (1970–1993), dann Dark Horse (2003–2017), aktuell Titan Comics. Bis 2023 erschienen über 60 Conan-Spiele, darunter Conan: The Dark Axe (1998), Age of Conan (2008, MMO, über 1 Mio. Accounts) und Conan Exiles. Keine der Verfilmungen oder Serien nach 1984 erreichte ähnliche Popularität, bis jetzt.
Branchenkontext: Animierte Erwachsenenserien auf Streamingdiensten
Prime Video setzt verstärkt auf brutale Animationsserien für Erwachsene. Invincible (seit 2021) wurde nach Staffel 1 um mehrere Staffeln verlängert, die zweite Staffel erreichte 2024 rund 1,5 Milliarden Streaming-Minuten in den USA (Nielsen-Daten). Hazbin Hotel (2024) hatte ebenfalls hohe Einschaltquoten.
Vergleichbare Fantasy-Animationsserien: Castlevania (Netflix, 2017–2021) erhielt vier Staffeln, Blood of Zeus (2020) zwei, Arcane (2021) eine mit Budget von 90 Mio. US-Dollar. Conan steht in dieser Reihe, aber mit einem etablierten Visuellen und einem Showrunner, der bereits zwei Emmy-prämierte Animationsserien ablieferte. Prime Video könnte damit eine Nische besetzen, die Netflix mit Castlevania eröffnet hat.
Tartakovskys Primal bewies, dass Zuschauer stundenlang einer wortlosen, gewalttätigen Serie folgen. Mit Conan bekommt Prime eine brutale, aber künstlerisch formulierte Fantasy-Serie, ein Kontrast zu den comicartigen Heldenepos anderer Dienste.